Falsch interpretierter Vers Nummer 6

„Und tötet sie überall, wo ihr sie ausfindig macht…“ [Koran 2:191]

Ein klassisches und beliebtes Beispiel für das, was muslimische Gelehrte wie Dr. Jamal Badawi eine „ausschneiden und einfügen“-Betrachtungsweise nennen. Alles wird einfacher für Anti-Islamisten, wenn sie den Kontext außer Acht lassen. Die Lösung für einen Muslim ist einfach, den Vers zurück in seinen Kontext zu stellen.

„Und führt den bewaffneten Kampf fi-sabilillah gegen diejenigen, die gegen euch den bewaffneten Kampf führen, doch begeht keine Aggression! Denn gewiß, ALLAH liebt nicht die Aggressoren. Und tötet sie überall, wo ihr sie ausfindig macht, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Und die Fitna ist härter als das Töten. Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf nicht bei Almasdschidil- haram, bis sie gegen euch darin den bewaffneten Kampf aufnehmen. Und wenn sie den bewaffneten Kampf gegen euch aufnahmen, dann tötet sie. Solcherart ist die Vergeltung für die Kafir. Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, also gewiß, ALLAH ist allvergebend, allgnädig. Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf, damit es keine Fitna gibt und der Din (nur) für ALLAH (praktiziert wird). Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, dann gibt es keine Aggression außer gegen die Unrecht-Begehenden. (Nichtbeachtung) des Haram-Monats ist gegen (Nichtbeachtung) eines Haram- Monats, denn bei den Hurumat gilt Qisas. Also wer gegen euch Aggression begeht, so seid ihm gegenüber genauso aggressiv, wie er gegen euch Aggression beging. Und handelt Taqwa gemäß ALLAH gegenüber und wisst, daß ALLAH gewiß mit den Muttaqi ist.“ [Koran 2: 190-194]

Wie oft wird im oben genannten Vers die Botschaft wiederholt, um sie klar zu machen? Diese Verse wurden offenbart, als die Muslime in Madinah unter konstanten Angriffen der Mekkaner litten. Ein Beispiel hierfür wäre, als die Mekkaner den Prophetengefährten Khubaib bin Adi öffentlich kreuzigten. Dies würde als „terroristische Aktivität“ im Sinne des modernen Wortgebrauchs verstanden. Was sagt also der Vers in diesem Kontext? „Und führt den bewaffneten Kampf fi-sabilillah gegen diejenigen, […]die gegen euch den bewaffneten Kampf führen“ – der Kontext dieses Verses bezieht sich auf diejenigen, die den Kampf gegen die Muslime beginnen. Und auch nach ihrem Angriff macht der Vers klar:

„Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, also gewiß, ALLAH ist allvergebend, allgnädig“ [Koran 2:192]

Und er stellt auch den Grund dar, aus dem die Muslime kämpfen:

„Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf, damit es keine Fitna gibt und der Din (nur) für ALLAH (praktiziert wird)“ [Koran 2:193]

Es ist die Pflicht der Muslime, die Menschheit von Unterdrückung und Verfolgung zu befreien und Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Die Muslime glauben, dass Gott uns hier auf die Erde gesetzt hat als Seine Abgesandten oder Repräsentanten. Daher ist es unsere Pflicht, das Gute zu gebieten und das Böse zu verbieten sowie Frieden und Gerechtigkeit im Land durchzusetzen. Dr. Maher Hathout schreibt im Folgenden über den Vers 2:190-194:

Diese Verse waren auf eine bestimmte Situation bezogen oder hypothetischer Weise darauf, dass sich die gleiche Situation noch einmal wiederholt…Historisch gesehen war es während der dreizehn Jahre der mekkanischen Periode verboten, gegen die Angreifer zurückzuschlagen. Nach der Auswanderung nach Medina und der Gründung des islamischen Staates befassten sich die Muslime mit der Verteidigung gegen die Angreifer und ihre Feinde. Die oben erwähnten Verse wurden herabgesandt, um ihnen zu erlauben, ihren neu geformten Staat zu schützen, indem sie sich selbst verteidigten gegen diejenigen, die sie angriffen. In jedem Fall verbietet der Koran Aggression. Die Verse erläutern, dass der Kampf nur zur Selbstverteidigung geeignet ist. Dennoch kann ein Muslim niemals unschuldige Männer, Frauen, Kinder, Kranke, Ältere Menschen, Mönche, Priester oder solche Menschen töten, die nicht kämpfen möchten. Der Muslim wird auch darauf hingewiesen, Pflanzen oder die Umwelt nicht zu zerstören.  (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, S.49, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Der historische Kontext muss bei der Entwicklung und dem Verständnis von Koranversen immer berücksichtigt werden. Ohne die Umstände hinter der Herabsendung zu kennen, kann man die Verse nicht richtig verstehen. Sheikh Salman Al-Oadah schreibt über die grundlegenden Prinzipien des Jihad: Jihad kann niemals für weltlichen Gewinn, zur Eroberung, oder gar zur Rache gekämpft werden. Die Muslime dürfen nur kämpfen, um den Schutz für Leben, Eigentum und die Freiheit für die Menschen zu gewährleisten. Im Speziellen ihre Freiheit, Allah anzubeten, wenn diese Freiheit gewaltsam angegriffen wird. Ihnen ist niemals erlaubt, unschuldige Menschen anzugreifen, sogar wenn sie selbst von den Landsmännern dieser Unschuldigen angegriffen werden. Jeder Mensch, der gegen dieses bindende Prinzip des islamischen Gesetzes verstößt und Zivilisten ermordet, kämpft gegen den Islam und alles, wofür er steht. Es ist irrsinnig von ihnen, einen solchen Kampf als Jihad zu bezeichnen, einem Wort, das das Abmühen auf dem Weg des Islam bedeutet. Sie sind in der Tat Mörder im Licht des islamischen Gesetzes und sollten als solche behandelt werden.

Es gibt strikte und detaillierte Gesetze im Islam, denen ein jeder Muslim mit Bedacht folgen muss. Ein militärischer Jihad muss unter diesen Regelungen unternommen werden. Abdullah Yusuf Ali schreibt über Vers 2:190:

Krieg ist nur zur Selbstverteidigung erlaubt und unter ganz bestimmten Grenzen. Wenn er unternommen wird, dann muss er mit aller Schlagkraft durchgesetzt werden, jedoch nicht unbarmherzig, sondern nur um Frieden und die Freiheit, Gott zu dienen, wieder herzustellen. In jedem Fall dürfen bestimmte Grenzen nicht überschritten werden: Frauen, Kinder, alte und schwache Menschen sollten nicht belangt werden, noch Bäume oder Ernte beschädigt werden und der Frieden muss geschlossen werden, wenn der Feind es möchte. (Yusif Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary)

Hierauf wiederholt er nochmals die allgemeinen Prinzipien hinter dem Jihad in seinem Kommentar zum Vers 2:191:

Generell kann gesagt werden, dass der Islam die Religion des Friedens, des guten Willens, des gegenseitigen Verständnisses und des guten Glaubens ist. Er wird sich jedoch die falschen Taten nicht gefallen lassen und die Männer werden ihr Leben für die Verteidigung der Ehre, der Gerechtigkeit und für die Religion, die ihnen heilig ist, opfern. Ihr Ideal ist dasjenige einer heldenhaften Ehre zusammen mit selbstloser Milde und Zärtlichkeit, wie es auch für die Leben der Apostel galt. Sie glauben an Mut, Gehorsam, Disziplin, Pflicht und ein immerwährendes Abmühen in jeder Hinsicht auf ihre Kraft, Physe, Moral, ihren Intellekt und ihre Spiritualität, um Wahrheit und Gerechtigkeit zu begründen. (Yusuf Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary)

Dies ist der wahre Fokus hinter dem Jihad und die Muslime dürfen diesen Fokus niemals verlieren. Jihad hat nur den Zweck, Menschlichkeit zu fördern und den Unterdrückten Freiheit zu bringen. Daher müssen alle Taten auf einer Linie sein mit diesem Fokus und den strikten Regelungen, die den Jihad betreffen. Der Fokus ist das Verteidigen, nicht das Zerstören. Jemand der sich auf die Besserung und Förderung der Menschlichkeit beruft, wird feststellen, dass Zerstörung dies niemals erreichen kann. Abdul Majid Daryabadi schreibt ausführlich über Vers 2:190:

„Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen,…“[Koran 2:190]

Sie haben selbst die Missachtung der Waffenruhe unterzeichnet. Nachdem die Muslime unsagbare Verfolgung mit fast übermenschlichter Tapferkeit von den Händen der Götzendiener in Makkah über Jahre hinweg ertragen hatten, ist ihnen nun zum ersten Mal Vergeltung erlaubt. `Seit ganzen dreizehn Jahren waren die Muslime Opfer von gnadenloser Verfolgung in Makkah. Der Prophet [(Friede und Segen auf ihm)] und seine Anhänger flohen um ihr Leben nach Medina, doch die Feinde würden sie in ihrem Fluchtort nicht in Ruhe lassen. Sie kamen innerhalb eines Jahres, um sie zu attackieren und die ersten drei Schlachten wurden in der unmittelbaren Umgebung ausgetragen, was zeigen sollte, ob der Prophet Angreifer oder Verteidiger war`(Headley, The Original Church of Jesus Christ and Islam, S.155). Die Mekkaner hatten eine Waffenruhe unterzeichnet und waren die ersten, die sie brachen. Die Worte „kämpft gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen“ zeigen deutlich erstens, dass die Muslime nicht die Angreifer waren und zweitens, dass diejenigen der Feinde, die nicht unmittelbar Kämpfer waren – Kinder, Frauen, Mönche, Einsiedler, Alte und Schwache, Versehrte oder Ähnliche, von den muslimischen Soldaten nichts zu befürchten hatten. Es war im Lichte dieses Ausdrucks göttlichen Eingreifens, dass der großartige Abu Bakr, der erste Kalif seine Truppen nach Syrien führte `nicht um die Toten zu schänden, noch um alte Männer, Frauen und Kinder zu töten, noch um Frucht-Bäume umzuschneiden oder Rinder zu töten, ohne dass sie Essen benötigten; und diese humanen Grundsätze dienten als Gesetze während der gesamten mohammedanischen Eroberungen.`(Bosworth Smith, Mohammad and Mohammedanism, S. 185). War es nicht der Islam, der, indem er Krieg gegen diejenigen ausrief, die Gottes Gesetze verletzen, die Seine wahrhaftige Autorität untergraben und die die Welt mit Gewalt und Ungerechtigkeit füllen, jegliche Einräumung unmöglich gemacht hat? War jemals ein Militärgesetz so ritterlich, so human und so gütig den Feinden gegenüber? `Der moralische Tonfall des Kalifen Abu Bakr, der sich in seinen Instruktionen an die Syrien-Armee zeigt war` wie ein christlicher Historiker sagt, ´so anders als die Prinzipien der römischen Regierung, dass es von den Menschen eine tiefe Achtung erhalten haben muss. So eine Proklamation, nach den Gerechtigkeitsvorstellungen der Juden und Christen und den Prinzipien der Toleranz, wie sie weder die römischen Eroberer noch die orthodoxen Bischöfe jemals zeigten, wurde als Regelung für ihre Handlungsweisen übernommen` (Finlay, Greece Under the Romans, Seiten 367-368). (Daryabadi, The Glorious Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Muhammad Asad erklärt den Vers 2:190 im folgenden Abschnitt:

Diese und die folgenden Verse legen eindeutig fest, dass lediglich Selbstverteidigung (im weitesten Sinne des Wortes) den Krieg für Muslime legitim macht. Die meisten Kommentatoren stimmen überein, dass der Ausdruck „La ta´tadu“ in diesem Kontext „unternimm keine aggressiven Handlungen“ bedeutet; während al-Mu´tadin es als „diejenigen, die aggressive Handlungen unternehmen“ auffasst. Der defensive Charakter eines Kampfes „auf dem Wege Gottes“ – das heißt, beruhend auf den ethischen Prinzipien, die von Gott bestimmt wurden – ist, darüber hinaus selbst erklärend in Bezug auf „diejenigen, die Krieg gegen euch erklären“, und wurde noch genauer erklärt in 22:39 – „Erlaubnis (zum Kampf) ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden“ – was nach allen bekannten Überlieferungen die früheste (und daher fundamentale) koranische Bezugnahme auf die Frage des Jihad oder des heiligen Krieges ist (siehe Hierzu Tabari und Ibn Kathir in ihren Kommentaren zu 22:39). Dass dieses frühe, fundamentale Prinzip der Selbstverteidigung als einzig mögliche Rechtfertigung eines Krieges im Koran überliefert ist, wird deutlich aus 60:8 sowie aus der Schlussfolgerung in 4:91, welche beide einer späteren Periode als dieser Vers zugeschrieben werden können. (Asad, The Message of the Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Bezüglich Vers 2:191 schreibt er folgendes:

Im Anblick auf die vorhergehende Verordnung ist der Ausdruck „Tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft“ ist nur in Bezug auf den historischen Kontext gültig, unter dem es stattfindet (Razi), mit dem Verständnis, dass „diejenigen, die gegen euch kämpfen“ die Angreifer und Unterdrücker sind (ein Befreiungskrieg, der ein Krieg „auf dem Wege Gottes“ ist). Die Übersetzung ist in diesem Kontext eine Fitnah, weil „Unterdrückung“ von der Anwendbarkeit dieses Terms auf jede Auseinandersetzung gerechtfertigt wird, die einen Mann auf Abwege führen kann und dazu bringen kann, seinen Glauben zu verlieren (cf. Lisan al-Arab). (sad, The Message of the Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Dieser ausführliche Kommentar zu diesem Vers sollte jede Verwirrung und Missdeutung wiederlegen, die durch die falsche Interpretation der Verse entstanden ist.

Falsch interpretierter Vers Nummer 7

„Kehren sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch von ihnen weder Schutzherren noch Helfer“ [Koran 4:89]

Dieser Vers wurde wie der vorhergehende aus dem Kontext gerissen und missinterpretiert. Hier ist die gesamte Passage:

Was ist mit euch, daß ihr hinsichtlich der Heuchler (in) zwei Scharen (gespalten) seid, wo doch Allah sie wegen dessen, was sie verdient haben, umgekehrt hat? Wollt ihr denn rechtleiten, wen Allah in die Irre gehen läßt? Wen aber Allah in die Irre gehen läßt, für den wirst du keinen Weg finden. Sie möchten gern, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr (alle) gleich seiet. Nehmt euch daher von ihnen keine Vertrauten, bevor sie nicht auf Allahs Weg auswandern! Kehren sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch von ihnen weder Schutzherrn noch Helfer, außer denjenigen, die sich einem Volk anschließen, zwischen dem und euch ein Abkommen besteht, oder die zu euch gekommen sind, weil ihre Brüste beklommen sind, gegen euch zu kämpfen oder gegen ihr (eigenes) Volk zu kämpfen. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er ihnen wahrlich Gewalt über euch gegeben, und dann hätten sie gegen euch wahrlich gekämpft. Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten und dann nicht gegen euch kämpfen, sondern Frieden anbieten, so hat euch Allah keine Veranlassung gegeben, gegen sie (vorzugehen). Ihr werdet andere finden, die vor euch Sicherheit und vor ihrem (eigenen) Volk Sicherheit wollen. Jedesmal, wenn sie wieder der Versuchung ausgesetzt sind, werden sie in ihr zu Fall gebracht. Wenn sie sich nicht von euch fernhalten und euch nicht Frieden anbieten und nicht ihre Hände zurückhalten, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft. Über jene haben Wir euch deutliche Gewalt verliehen.“ [Koran 4:88-91]

Auf die gleiche Art wie der erste Vers befiehlt auch dieser den Muslimen, jene zu bekämpfen, die andere unterdrücken oder verfolgen oder die Muslime angreifen. Und im Falle einer Schlacht gelten die gleichen Gesetze wie im Krieg und ein Muslim der die Grenzen überschreitet sollte sich auf die Strafe Gottes gefasst machen. Als Antwort auf eine Frage über die Verse 4:88-89 deutet Dr. Muzammil H. Siddiqi die Verse in ihrem gesamten Kontext und fragt folgendes:

Jetzt sagen Sie mir ehrlich, geben diese Verse irgendeine Erlaubnis irgendjemanden irgendwo zu töten? Diese Verse wurden von Gott dem Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) offenbart zu einer Zeit, als die Muslime von Nicht-Muslimen aus Makkah angegriffen wurden. Sie beängstigten die muslimische Gemeinschaft in Madinah. Man mag sagen, indem man den heutigen Jargon benutzt, dass dies terroristische Angriffe auf Madinah waren und in dieser Situation den Muslimen erlaubt wurde gegen die „Terroristen“ zurückzuschlagen. Diese Verse sind keine Erlaubnis zum „Terrorismus“, sondern eine Warnung für die „Terroristen“. Doch selbst bei diesen Warnungen kann man sehen, wie sehr Beschränkung und Vorsicht impliziert wird.

Es ist auch wichtig festzustellen, dass der Koran Mord klar verurteilt. Der Koran sagt über das Verbot des Mordes:

und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund! Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr begreifen möget.“ [Koran 6:151]

„Und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund. Wer ungerechterweise getötet wird, dessen nächstem Verwandten haben Wir Ermächtigung erteilt (, Recht einzufordern); doch soll er nicht maßlos im Töten sein, denn ihm wird gewiß geholfen.“ [Koran 17:33]

„Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es', als ob er alle Menschen am Leben erhält.“ [Koran 5:32]

Folglich stellt der Koran klar, dass Muslime keinen Angriff gegen andere unternehmen dürfen, ohne dass sie unmittelbar selbst angegriffen werden. Der Zusammenhang der gedeuteten Verse bezieht sich nur auf Situationen, wo die Angreifer Muslime töten. In diesem Fall haben sie das Recht, sich selbst und Andere zu verteidigen. Vor allem die Schwachen und Unterdrückten.

Falsch interpretierter Vers Nummer 8

„Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet“ [Koran 9:5]

Dieser Vers, der oft „Vers des Schwertes“ genannt wird wurde ähnlich der vorhergehenden Verse missinterpretiert. Zuerst sollten wir seinen Kontext betrachten:

„Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig. Und wenn jemand von den Götzendienern dich um Schutz bittet, dann gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Allahs hört. Hierauf lasse ihn den Ort erreichen, wo er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen“ [Koran 9:5-6]

Nachdem wir diesen Vers im Kontext betrachtet haben analysieren wir ihn sorgfältig. Dr. Maher Hathout erklärt den historischen Kontext des Verses:

Dieser Vers wurde gegen Ende der Herabsendungsperiode gesandt und bezieht sich auf einen eingeschränkten Kontext. Feindschaften waren zur Seite gelegt für eine dreimonatige Zeitspanne, während der die Araber nicht wagten, Krieg zu führen. Der Prophet Muhammad [(Friede und Segen auf ihm)] war angehalten, diese Zeitspanne dazu zu benutzen, die Gegner dazu zu bewegen, sich den muslimischen Schlachtreihen anzuschließen oder, wenn sie es wählten, das Gebiet zu verlassen, das unter muslimischer Herrschaft stand. Doch wenn sie sich feindschaftlich verhalten hätten, würden die Muslime zurückschlagen, bis sie siegreich wären. Jeder sollte darauf hingewiesen werden, dass sogar in diesem Zusammenhang des Krieges die Verse die göttlichen Attribute der Gnade und der Vergebung erwähnen. Um Feindschaften möglichst gering zu halten, weist der Koran die Muslime an, jedem Asyl zu gewähren, sogar einem Feind, der Zuflucht begehrt. Asyl würde gemäß ritterlicher Tugenden gewährt. Der Person würde die Nachricht des Koran erklärt, doch sie würde nicht gezwungen werden, die Botschaft zu akzeptieren. Hiernach würde er oder sie mit Sicherheit und Rücksicht auf seine oder ihre Religion geleitet werden. (9:6). (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, Seiten 52-53, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Hiernach bezieht sich der Vers erneut auf die Götzendiener, die das Kämpfen nach einer Zeit des Friedens fortsetzen. Er weist die Muslime deutlich darauf hin, jene zu beschützen, die Frieden wollen und keine Soldaten sind. Es ist ein spezifischer Vers mit spezifischen Regelungen und kann keinesfalls auf allgemeine Situationen bezogen werden. Der Befehl, der im Vers impliziert ist, kann nur auf den Fall einer Schlacht bezogen werden. Abdullah Yusuf Ali schreibt:

Die Betonung liegt auf dem ersten Satz: es gilt nur, wenn die vier Monate des Friedens vorüber sind und die andere Partei kein Zeichen zeigt, ihre verräterischen Handlungen zu unterlassen und kein Zeichen der rechten Handlungsweise, oder dass der kriegerische Staat zwischen Glauben und Unglauben unterscheidet. (Yusuf Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Wenn die Götzendiener ihre Feindlichkeiten den Muslimen gegenüber nicht ablegten, würden sie bekämpft werden, vor allem wenn sie in einem islamischen Land oder Staat lebten. Dr. Zakir Naik schreibt diesen Vers betreffend:

Dieser Vers wird im Zusammenhang mit einer Schlacht verstanden. Wir wissen, dass Amerika sich einst im Krieg mit Vietnam befand. Stellen sie sich vor der Präsident von Amerika oder der General der amerikanischen Armee würde den amerikanischen Soldaten während des Krieges sagen: „Wo auch immer ihr einen Vietnamesen findet, tötet ihn.“ Heutzutage, wenn ich sage, dass der amerikanische Präsident gesagt habe „Wo auch immer ihr einen Vietnamesen findet, tötet ihn.“, ohne den Zusammenhang zu nennen, würde es sich anhören, als sei er ein Metzger. Doch wenn ich ihn im Kontext zitieren würde, dass er es während eines Krieges gesagt hat, dann wird es sehr logisch klingen, dass er versucht hat, die Moral der amerikanischen Soldaten während des Krieges aufzurichten. Ähnlich sagt in Surah Tawbah, Kapitel 9 im Vers 5 der Koran, „dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet.“, während einer Schlacht, um die Moral der muslimischen Soldaten aufzurichten. Was der Koran den muslimischen Soldaten sagt ist, dass sie während der Schlacht nicht ängstlich sein sollen. Wo auch immer ihr die Feinde findet, tötet sie. Surah Tawbah Kapitel 9 Vers 6 gibt die Antwort auf die Allegorie, dass der Islam Gewalt, Brutalität und Blutvergießen verbietet. Dort steht:

„Und wenn jemand von den Götzendienern dich um Schutz bittet, dann gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Allahs hört. Hierauf lasse ihn den Ort erreichen, wo er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen.“ [Koran 9:6]

Der Koran sagt nicht nur, dass einem Mushrik, der während der Schlacht um Asyl ansucht, Zuflucht garantiert werden sollte, sowie dass er zu einem sicheren Ort geleitet werden sollte. Im momentanen internationalen Szenario würde sogar ein freundlicher, friedensliebender Armeegeneral während der Schlacht feindliche Soldaten freilassen, wenn sie Frieden wollen. Doch welcher General würde seine Soldaten anweisen, dass wenn die feindlichen Soldaten während der Schlacht Frieden verlangen, sie nicht nur frei zu lassen, sondern sie sogar zu einem sicheren Ort zu geleiten? Genau das ist, was Allah im Koran verlangt, um Frieden in der Welt zu etablieren.

Dr. Naik stellt einige interessante Beobachtungen über diesen Vers an. In der Tat ist es bemerkenswert, wie Islam-Hasser Gottes grenzenlose Gnade übersehen, um dem Islam zu schaden. Gott hat den Menschen immer einen Weg aus dem Leid gegeben und hat das Kämpfen als letzten Ausweg zugelassen. Muslimische Gelehrte haben viele Kommentare zu diesen Koranversen geschrieben, in denen sie den historischen Zusammenhang so detailliert beschrieben haben, dass keine Missverständnisse mehr auftreten können. Wir haben Interpretationen von verschiedensten Kommentatoren zu diesen Versen aufgeführt und es ist nicht notwendig, das Ganze noch einmal zu wiederholen. Daher wird noch ein Kommentar aufgeführt, bevor wir uns weiteren Themen zuwenden. Professor Shahul Hamid schreibt über Vers 9:5:

Hierbei handelt es sich um einen Vers aus Surah At-Tawbah. Dieses Kapitel des Koran wurde offenbart, als die neu organisierte muslimische Gesellschaft in Madinah gezwungen war, sich selbst gegen die götzendienderischen Angreifer zu verteidigen. Die wichtigste Frage, die es hier zu stellen gibt ist, wie die Muslime jene behandeln sollen, die einen bestehenden Vertrag mutwillig brechen. Der erste Abschnitt in dem Vers bezieht sich auf einen lang-tradierten arabischen Brauch einer Zeitspanne der Warnung und des Wartens, die den Angreifern nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung gegeben wird. Diese lautet, dass ihnen vier Monate Zeit gegeben wird, die verursachten Schäden zu reparieren oder Frieden zu schließen. Wenn jedoch nach dem Abwarten dieser vier verbotenen Monate nichts geschieht, was soll dann getan werden? Dies ist, was der angegebene Vers aussagt. Nach diesem Vers muss gekämpft werden, bis eines der beiden Geschehnisse eintritt: Entweder soll der Feind durch unnachgiebiges Kämpfen bezwungen werden. Dies ist was ausgedrückt wird durch {dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!} oder sie sollen Buße tun, das Gebet verrichten und die Zakah bezahlen etc. Dies ist einer der Verse aus dem Koran, der gerne missinterpretiert wird, wenn er aus dem Kontext gerissen wird. Wir müssen verstehen, dass dieses Kämpfen gegen jene Leute gerichtet war, die den Propheten [(Friede und Segen auf ihm)] und seine Gefährten dazu gezwungen hatten, nicht nur ihre Heimatstädte, sondern auch ihr gesamtes Eigentum zu verlassen und von Makkah nach Madinah zu ziehen. Als die Muslime erst einmal zu einer Gemeinschaft organisiert wurden, in diesen gesetzeslosen Tagen, wurden die Regelungen, an die sich die Muslime zu halten hatten klar dargelegt, sogar im Falle des Krieges. Da der Islam ein verständliches System ist, kann keine menschliche Aktivität ausgelassen werden. Und da wir die Natur der Menschen kennen, können wir uns keine Situation vorstellen, wo der Krieg gänzlich außer Acht gelassen wird. Wie oben zu sehen ist, handelt es sich bei den obigen Ausdrücken nicht um ein individuelles Konzept sondern sie sind für den Falle einer Gesellschaft vorgesehen, die beginnt zu glühen und sich als Nation zu etablieren. Doch sogar hier sind die Normen klar: Das Kämpfen dient nur zur Selbstverteidigung oder zur Aufrechterhaltung von Gerechtigkeit; und immer ist das Kämpfen die letzte Option. Niemandem ist außerdem erlaubt, die Grenzen, die Gott aufgestellt hat, zu überschreiten.

Ibn al-´Arabi schreibt in seinem Kommentar zum Koran:

„Es ist hieraus klar, dass die Bedeutung dieses Verses ist, die Götzendiener zu töten, die dir den Krieg erklären.“ (Ahkam al-Quran 2/456, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Sheikh Sami al-Majid spricht in seiner Diskussion dieses Verses auch einige sehr interessante Punkte an:

Wenn wir uns die Verse in Surah al-Tawbah genauer anschauen, bevor wir zu dem diskutierten Vers kommen, wird der Zusammenhang des Verses klar. Denn einige Verse vorher sagt Allah:

„Eine Lossagung von Seiten Allahs und Seines Gesandten an diejenigen unter den Götzendienern, mit denen ihr einen Vertrag abgeschlossen habt. Nun zieht im Land vier Monate umher und wißt, daß ihr euch Allah nicht entziehen könnt, und daß Allah die Ungläubigen in Schande stürzt!“ [Koran 9:1-2]

In diesen Versen lesen wir, dass den Götzendienern eine viermonatige Amnestie gewährt wurde, mit der Bedingung, dass nach dem Ende dieser vier Monate die Kämpfe wieder aufgenommen würden. Jedoch macht der folgende Vers einige Ausnahmen über die Wiederaufnahme der Feindschaften. Er liest sich:

„Mit Ausnahme derer von den Götzendienern, mit denen ihr einen Vertrag abgeschlossen habt und die (es) euch (in) nichts haben fehlen lassen und niemandem gegen euch beigestanden haben. So erfüllt ihnen gegenüber ihren Vertrag bis zu der ihnen eingeräumten Frist! Wahrlich, Allah liebt die Gottesfürchtigen.“ [Koran 9:4]

Wenn Allah nun sagt: „Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!“, müssen wir wissen, dass dies nicht generell gilt, da der vorherige Vers klargemacht hat, dass es sich auf die götzendienerischen Araber bezieht, die sich gerade mit dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) im Krieg befanden und die ihre Friedensverträge gebrochen hatten. Dies wird ein paar Verse später noch einmal bekräftigt, als Allah sagt:

„Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen?“ [Koran 9:13]

Hiernach stellt der Kontext dieser Verse innerhalb der Surah klar, dass es sich auf diejenigen bezieht, die auf ihrer Feindschaft beharren und die Muslime angreifen und ist nur auf eine Schlacht anwendbar. Wir empfehlen jedem, Sheikh Sami Al-Majid´s ausführlichen Artikel zu lesen, der den englischen Titel `There is no Compulsion in Religion` trägt.

Aufhebung?

Die nächste Angelegenheit in diesem Vers befasst sich mit Aufhebung. Einige sagten, dass von diesem Vers 9:5 alle friedlichen Verse im Koran aufgehoben worden wären. Dies beruht auf einem Missverständnis einiger koranischer Konzepte. Im Koran gibt es Naskh und Takhsis. Naskh ist die Aufhebung einer Regelung durch eine Regelung, welche nach der anderen offenbart wurde. Naskh kommt in Angelegenheiten des islamischen Rechts vor. Takhsis bezieht sich im Gegensatz dazu auf Spezifizierung, wenn ein Vers die Anwendung eines anderen Verses einschränkt oder die Grenzen spezifiziert, die in dem anderen Vers angesprochen wurde. Sheikh Abu Ammar Yasir Qadhi schreibt:

Spezifikation bedeutet, dass ein Vers eine allgemeine Regelung in einem anderen Vers einschränkt oder abgrenzt, während Naskh bedeutet, dass der erste Vers im Ganzen aufhebt (d.h., dass er unter keinem Umstand und keiner Bedingung mehr angewendet wird). (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran; UK Al-Hidayah Publishing and Distribution, 1999, S. 233)

Sheikh Qadhi erklärt auch, dass es zu den Bedingungen für Naskh gehört, dass zwei sich widersprechende Regelungen auf die gleiche Situation und die gleichen Umstände bezogen sind und kein alternatives Verständnis für die Anwendung des Verses gegeben ist. Er meint:

Wenn eine der Regelungen sich auf einen Einzelfall beziehen kann und die andere Regelung auf einen anderen Fall, dann handelt es sich nicht um ein Beispiel für Naskh. (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran, UK Al-Hidayah Publishing and Distribution 1999, S.237)

Hieraus folgt, dass es sich bei dem Vers 9:5 nicht um ein Beispiel für Naskh handeln kann, da es nur eine Regelung für eine ganz bestimmte Situation und bestimmte Umstände handelt. Es gibt viel Verwirrung um einige Verse, die als Naskh bezeichnet wurden, da die frühen Muslime gewohnt waren, die Fälle des Takhsis auch als Naskh zu bezeichnen. Daher realisierten einige Muslime nicht, dass es sich in einigen Fällen, die von den frühen Muslimen als `Naskh` bezeichnet wurden, um Takhsis handelt. Das ist warum einige frühe muslimische Gelehrte, diesen Vers als `Naskh` bezeichnet haben. Man sollte festhalten, dass sie den Ausdruck Naskh benutzten, und sich dabei auf eine größere Bandbreite von Bedeutungen, also auch Takhsis, bezogen. Wie Dr. Jamal Badawi schreibt:

Jeder Fall von Naskh muss definitiv sein und darf nicht auf einer geringen Meinung oder auf Spekulation beruhen. Es muss beachtet werden, dass die frühen Muslime den Ausdruck Naskh auch für Takhsis benutzten, also für die Spezifizierung oder Eingrenzung einer Regelung und nicht nur auf deren Abschaffung.

Sheikh Abu Ammar Yasir Qadhi bezieht sich speziell auf die Missverständnisse bezüglich des Verses 9:5. Nach der Nennung der verschiedenen Meinungen kommt er zu dem Schluss:

Es wird aus diesen Beispielen und Kategorien ersichtlich, dass in Wirklichkeit die meisten dieser Verse im Endeffekt nicht als abgeschafft gelten können. Einige von ihnen beziehen sich auf Situationen, die sich von denen unterscheiden, für die sie herab gesandt wurden. Fast alle dieser `Mansukh` (abgeschafften) Verse, können immer noch angewandt werden, wenn eine Situation eintritt, die der Situation, in der der Vers herab gesandt wurde, gleicht. So hebt der `Vers des Schwertes` in Wirklichkeit nicht eine große Anzahl von Versen auf. Genau genommen kommt az-Zarqani zu dem Schluss, dass er keinen einzigen aufhebt! (Vgl. Az-Zarqani, V.2, Seiten 275-282) (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran; UK Al-Hidayah Publishing and Distribution, 1999, S. 254)

Sheikh Sami Al-Majid bezieht sich in seinem Artikel auf dieselbe Angelegenheit:

Einige Menschen, vor Allem einige zeitgenössische Nicht-Muslimische Kritiker des Islam, haben versucht zu zeigen, dass dieser Vers den Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ [Koran 2:256] abschafft. Sie argumentieren, dass die Allgemeinheit dieser Aussage beinhaltet, dass jeder Ungläubige, der den Islam nicht annimmt, bekämpft werden muss. Sie unterstützen ihre Behauptung, indem sie aufzeigen, dass dieser Vers einer der letzten ist, die über das Kämpfen offenbart wurden. Doch dieser Vers schafft auf keinen Fall das Prinzip des islamischen Gesetzes ab, dass es keinen Zwang im Glauben gibt. Es mag in seinen Ausdrücken generalisierend klingen, doch die Meinung ist auf bestimmte andere Verse des Korans bezogen, die auch mit einer Anzahl von entsprechend zur Sache gehörigen Hadith zusammenhängen.

Sheikh Jamal Al-Din Zarabozo beschäftigt sich auch mit dieser Angelegenheit in seinen Ausführungen über den Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ [Koran 2:256]. Er erwähnt die Meinung, dass dieser Vers abgeschafft wurde und sagt anschließend:

Al-Dausiri weist diese Meinung aus folgenden Gründen zurück: Ein Vers kann nicht einen anderen Vers ersetzen, außer er nimmt die gesamte Bedeutung des früheren Verses hinweg und es gibt keinen anderen Weg, die gegensätzlichen Bedeutungen der beiden Verse unter einen Hut zu bringen. (Zarabozo, There ist No Compulsion in Religion, Al-Bashir)

Dies war die Meinung der großen Gelehrten und Mufasirin (Korankommentatoren), sowohl von Klassischen als auch von Zeitgenössischen, wie Ash-Shanqiti oder Ibn Jarir At-Tabari. Sheikh Muhammad S. Al-Awa kommentiert diesen Punkt auch in seiner Ausführung über die Bestrafung für Abtrünnigkeit:

Zur gleichen Zeit lässt sich sagen, dass die Todesstrafe für Abtrünnigkeit, vor Allem, wenn sie  als Hadd (vorgeschriebene) Strafe gesehen wird, dem Koranischen Prinzip [Gesetz] in Surah 2 Vers 265 widerspricht, welche beginnt mit „Es gibt keinen Zwang im Glauben“. Ibn Hazm hat, um Kritiken zu vermeiden, beschrieben, dass dieser Vers abgeschafft worden war und dass ein Zwang nun in der Religion erlaubt sei; als Konsequenz daraus widerspricht laut ihm die Todesstrafe für Abtrünnigkeit nicht dem Koran (Vgl. Muhalla, Band XI, S. 195). Jedoch gilt diese Meinung als widerlegt, da Korangelehrte eine Liste der widerlegten Verse aufgestellt haben und dieser Vers nicht unter ihnen ist (vgl. Suyuti, Itqan, Band II, Seiten 22-24). Daher lässt sich mit der Enzyklopädie des Islam sagen dass „Im Koran wird Abtrünnigkeit nur mit einer Strafe in der nächsten Welt bestraft.“(vgl. Heffening, Encyclopedia of Islam, Band III, S. 736 unter „Murtadd“). (El-Awa, Punishment in Islamic Law, US American Trust Publications, 1993, S. 51, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Daher können wir, wenn wir die barmherzigen und geliebten Verse des Koran betrachten und die Meinung hören, dass sie von einem bestimmten Vers, der sich auf eine Schlacht bezieht, abgeschafft wurden, diese Meinung als unwahre Spekulation abtun. Friede und Gerechtigkeit sind fundamentale Grundlagen der Religion des Islam und können niemals aus ihr entfernt werden.