Falsch interpretierter Vers Nummer 13

Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt oberhalb der Nacken und schlagt von ihnen jeden Finger!" Dies dafür, daß sie Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkten. [Koran 8:12-13]

Dies ist ein weiterer Vers, der gewöhnlicherweise aus dem Kontext gerissen wird. Sowohl aus dem historischen Kontext als auch aus dem Kontext des Verses selbst im Koran. Lassen sie uns zuerst den gesamten Vers betrachten:

„Als dein Herr den Engeln eingab: "Gewiß, Ich bin mit euch. So festigt diejenigen, die glauben! Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt oberhalb der Nacken und schlagt von ihnen jeden Finger!" Dies dafür, daß sie Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkten. Wer Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkt, - gewiß, Allah ist streng im Bestrafen.“ [Koran 8:12-13]

In Dies ist der Kontext des Verses Im Koran. Der historische Kontext ist der, dass der Vers in der Schlacht von Badr offenbart wurde, einer Schlacht, in der die Götzendiener von Mekka über 200 Meilen reisten, um die Muslime in Medina zugrunde zu richten. Die Götzendiener von Mekka hatten eine Armee von etwa 1000 Mann, während die Muslime nur 300 an der Zahl waren. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) und seine Anhänger hatten während der 13 Jahre in der Stadt Mekka unter harten Verfolgungen und Folter gelitten. Nachdem sie von Mekka in die sichere Stadt Medina geflohen waren, bemerkten sie, dass sie nun erneut bedroht waren. Abul ´Ala Maududi beschreibt die Situation, die zur Schlacht von Badr geführt hat, seit Beginn der Zeit, als die Muslime nach Medina kamen:

Im ersten Jahr der Hijrah wurden vier Expeditionen [von den Muslimen zu den Quraysh] gesandt. Diese waren die Expedizion unter Hamzah, die unter Ubaydah bin Harith, die Expedition unter Sa´ad bin Abi Waqqas und die Al-Awaba´ Expedition unter dem Propheten selbst. Im ersten Monat des zweiten Jahres wurden zwei weitere Exkursionen auf demselben Weg unternommen. Diese wurden als Buwat Expedition und Zawal Ushairah Expedition bekannt. Zwei Dinge, diese Expeditionen betreffend sind nennenswert. Zum Ersten wurde in keiner von ihnen Blut vergossen oder Karawanen geplündert. Dies zeigt, dass das wahre Ziel dieser Expeditionen war, den Quraysh zu zeigen, worum es ging. Zum Zweiten wurde kein einziger der Einwohner Medinas vom Propheten (Friede und Segen auf ihm) zu diesen Exkursionen geschickt. Alle Gruppen bestanden nur aus den Immigranten aus Mekka, so, dass der Konflikt zwischen den Leuten der Quraysh selbst bleiben sollte und nicht durch die Einbindung anderer Klans ausgeweitet. Auf der anderen Seite wollten die Quraysh von Mekka andere in den Konflikt mit hineinziehen. Als sie Gruppen in Richtung al-Madina sandten, schreckten sie nicht davor zurück, zu plündern. Zum Beispiel plünderte eine Expedition unter der Führung von Kurz bin Jabir al-Fihrl den Viehbestand von den Bewohnern  Medinas in der unmittelbaren Umgebung der Stadt, um zu zeigen, was ihre wirklichen Beweggründe waren. Dies war die Situation, als im Monat Sha´aban im Jahre 2 nach der Hijrah (Februar oder März 623 n.Chr) eine große Karawane der Quraysh, die Gold im Wert von 50 000 Dollar mit sich führte, geschützt von nur 30 oder 40 Mann auf ihrem Weg von Syrien nach Mekka das Territorium erreicht, in dem sie von Medina aus leicht angegriffen hätten werden können. Da die Karawane Gold im Wert von Tausenden Pfund mit sich führte und nur leicht bewacht war, fürchtete Abu Sufyan, der dafür verantwortlich war aufgrund seiner früheren Erfahrungen einen Angriff der Muslime. Daher sandte er, sobald er das gefährliche Territorium erreicht hatte einen Kamelreiter mit einem verzweifelten Hilferuf nach Mekka. Als der Kamelreiter Mekka erreichte, folgte er einem alten arabischen Brauch, indem er die Ohren seines Kamels aufriss, seine Nase aufschnitt und seinen Sattel umwarf. Daraufhin zerriss er seine Kleidung vorne und hinten und begann so laut er konnte zu schreien, „Oh Leute der Quraysh, helft, eure Karawane zu beschützen, die unter Abu Sufyan aus Syrien eintrifft, weil Muhammad und seine Gefolgsleute hinter ihr her sind; sonst werdet ihr eure Güter nicht erhalten. Lauft, kommt zu Hilfe!“ Das löste viel Aufregung und Ärger in ganz Mekka aus und alle großen Führer der Quraysh rüsteten sich zum Krieg. Eine Armee aus 600 bewaffneten Soldaten und 100 voll gerüsteten Reitern zogen aus zum Kampf. Sie wollten nicht nur die Karawane retten, sondern auch ein für alle Mal der neuen Bedrohung durch die Muslime, die sich in Medina zusammengeschlossen hatten, ein Ende setzen. Sie wollten diese aufsteigende Macht brechen und die Klans in der Umgebung der Handelsroute so einschüchtern, dass sie absolut sicher für den zukünftigen Handel wird…Der Prophet und die Gläubigen hatten das Verhängnis dieser schwierigen Stunde begriffen und die Lebensgefahr, die davon ausging. Daher marschierten sie direkt in Richtung Süd-Westen, woher die Armee der Quraysh kam. Dies ist ein klarer Beweis, dass sie von Anfang an ausgerückt waren, um gegen die Armee zu kämpfen und nicht, um die Karawane zu plündern. Denn wenn sie die Karawane ausrauben hätten wollen, wären sie gegen Nord-Westen und nicht in südwestliche Richtung gezogen. [Maududi, Tafhim Al-Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer]

Die Mekkaner waren nicht zufrieden damit, dass sie die Muslime aus Mekka vertrieben hatten und wollten, dass sie aus der Umgebung aller Haupt-Handelsrouten vertrieben werden. So unterstützte Gott die Muslime und ließ sie wissen, dass Gott Gerechtigkeit herstellen würde, die über die Unterdrückung herrschen sollte. Er sagte ihnen, dass sie sich nicht fürchten sollten, auf Gottes weg zu kämpfen, sondern dass es der Feind sei, der sich vor Gottes Vergeltung für ihre Unterdrückung und Ungerechtigkeit fürchten sollte. Gott wies auch die ENGEL an, die Gläubigen zu unterstützen und die Ungläubigen zu besiegen. Dies war KEIN Befehl an die Muslime. Sheikh Safiur Rahman Al-Mubarakpuri beschreibt die Situation während der Schlacht von Badr wie folgt:

[Die Mekkaner] waren zu verärgert und wütend und trafen auf die Muslime, um sie ein für alle Mal auszulöschen. Die Muslime jedoch, nachdem sie ihren Herrn angefleht hatten, sie zu beschützen, wurden dazu gebracht, ihre Stellung zu halten und einen defensiven Schlachtplan zu entwickeln, der erfolgreich genug war, schwere Verluste durch die Angreifer zu vermeiden. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) betete unablässig, durchgehend und Tag und Nacht um die Unterstützung seines Herrn. Als die Bedrohung zu heftig wurde, begann er den Herrn anzuflehen, indem er sagte: „Oh Allah! Wenn diese Gruppe (von Muslimen) heute geschlagen wird, dann wist Du nicht länger angebetet werden.“… Sofort kam die Antwort von Allah, Der Engel vom Himmel herab sandte, um dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) und seinen Gefährten zu helfen und sie zu unterstützen. Der edle Koran merkt an:

„Als dein Herr den Engeln eingab: "Gewiß, Ich bin mit euch. So festigt diejenigen, die glauben! Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen.“ [Koran 8:12]

(Al-Mubarakpuri, Ar-Rahiq Al-Makhtum; Riyadh-Saudi Arabia, Dar-us-Salam Publikations, 1996, Seiten 219-220)

Auch hier fanden alle vorher erwähnten Gesetze des Jihad Anwendung und den Muslimen wurde befohlen:

„Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiß, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.“ [Koran 8:61]

Es besteht ein großer Unterschied zu glauben, dass unterdrückende Ungläubige von unsichtbaren Engeln bestraft werden und darin, an eine Bestrafung im nächsten Leben zu glauben. Das Wort `Terror`, (Ru´b), das in diesem Vers Verwendung findet, wird im Folgenden unter `Falsch interpretierter Vers Nummer 15` diskutiert.

Falsch interpretierter Vers Nummer 14

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,“ [Koran 5:33]

Der Kontext dieses Verses wird alle negativen Vorurteile gegen den Islam aufklären. Man kann nicht den Vers 5:33 zitierten, ohne den Vers 5:32 (Verbot des Mordes) und den Vers 5:34 (Anweisung zum Vergeben) dazu zu nennen. Lassen Sie uns den Vers im richtigen Kontext betrachten:

„Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält. Unsere Gesandten sind bereits mit klaren Beweisen zu ihnen gekommen. Danach aber sind viele von ihnen wahrlich maßlos auf der Erde geblieben. Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,- außer denjenigen, die bereuen, bevor ihr Macht über sie habt. So wisset, daß Allah Allvergebend und Barmherzig ist.“ [Koran 5:32-34]

Hier gibt es einige Punkte festzuhalten. Der Erste ist die Schwere der Anschuldigung. Dies ist die Strafe für DIEJENIGEN, DIE KRIEG FÜHREN gegen den Propheten Gottes und Böses und Zerstörung verbreiten. In modernen Terminologien würde das als „Terrorismus“ bezeichnet werden. Dies ist die Strafe für ein schweres Vergehen, daher die Schwere der Bestrafung. Wie Muhammad Asad über diesen Vers schreibt:

Das hier zu findende Partizip al-Musrifun beinhaltet ihre „ununterbrochenen Exzesse“ (z.B. Verbrechen) und wird am besten übersetzt mit „sie begehen sie andauernd“. In Anbetracht der vorhergehenden Passagen beziehen sich diese „Exzesse“ offensichtlich auf Verbrechen und Gewalt und im Speziellen auf das gnadenlose Töten von Menschen. (Asad, The Message of the Quran)

Es ist äußerst erschreckend, wie viele Islam-Hasser diesen Vers unter der Bezeichnung von „Aufhetzung der Muslime zum Töten und zur Kriegserklärung“ ansiedeln, während der Vers nichts von alledem befiehlt! In Wahrheit steht er direkt nach einem Vers, der das Töten verbietet das Töten eines einzigen Individuums mit der Abschlachtung der ganzen Menschheit gleich setzt. Der Koran beschreibt die Schwere des Verbrechens gezielt, bevor er die Strafe beschreibt. Das Verbrechen des Mordes und das Begehen terroristischer Handlungen wird im Islam als solch schweres Vergehen geahndet, dass eine schwere Vergeltung beschrieben wird. Krieg gegen Gottes Propheten (Friede und Segen auf ihm) ist gleichbedeutend, mit dem Schöpfer Selbst Krieg zu führen. Es ist ironisch, dass Islam-Hasser diesen Vers verwenden, um ihre Meinung zu rechtfertigen, der Islam rufe zum Terrorismus auf, während muslimische Gelehrte diesen Vers immer benutzt haben, um zu zeigen, dass der Islam Terrorismus entschieden ablehnt. So schreibt zum Beispiel der Islamische Rat für Fiqh von Saudi-Arabien über diesen Vers:

Offensichtlich gibt es angesichts der Schwere solcher aggressiver Handlungen, die in der Shari´ah (dem islamischen Gesetz) als ein Akt des Krieges gegen die Gesetze und die Geschöpfe Gottes verstanden werden, keine schwereren Bestrafungen irgendwo in Menschen-gemachten Gesetzen (Islamic Fiqh Council of Saudi Arabia, Terrorism – Islam´s viewpoint, Muslim World Leage Journal, Jumad al-Ula 1423/Juli 2002 n.Chr)

Ist es zweckmäßig, jemanden über eine spezifische Strafe zu informieren, ohne ihm zu sagen, was das Verbrechen dazu ist? Dies ist genau was die Feinde des Islam tun, um die Leute glauben zu machen, der Islam sei eine gewalttätige Religion. Sie zitieren nur den Vers 5:33 ohne die Verse 5:32 und 5:34, was uns zu unserem nächsten Punkt bringt. Gott hat vielfältige Strafen in diesem Vers beschrieben, indem er das Wort „oder“ dazwischen benutzt, was verschiedene Alternativen impliziert. Die Strafe hängt von den Umständen und der Schwere des Verbrechens ab. Wie Muhammad F. Malik in seiner Übersetzung über diesen Vers schreibt:

The punishment for those who wage war against Allah and His Messenger and strive to create mischief in the land is death or crucifixion or the cutting off their hands and feet from opposite sides or exile from the land (based on the gravity of there offence)… (Malik, Al-Quran: Guidance for Mankind)

Ebenso kommentiert Abdullah Yusuf Ali:

Für das doppelte Verbrechen von Landesverrat und Gottesverrat als offensichtliche Verbrechen werden vier Alternativen für Bestrafung erwähnt, jede davon bei den entsprechenden Umständen… mit der Ausnahme, dass Folterungen wie „Hängen, Strecken und Vierteilen“ im englischen Gesetz, Blenden, und das Aussetzen des Opfers unter der tropischen Sonne, was in Arabien praktiziert wurde, und alle derartigen Strafen abgesetzt wurden. In jedem Fall wurde ehrliche Reue, bevor es zu spät war, als Grund für Gnade erkannt. (Yusuf Ali, The English Translation of the Holy Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

In der Tat zeigt der darauffolgende Vers, dass diese Strafe bei denen, die bereuen, keine Anwendung findet. Dies ist um klar zu machen, dass Gott Allvergebend, Allbarmherzig ist. Gottes grenzenlose Gnade wird wahrhaft klar, wenn man bedenkt, dass Gott gewillt ist, diese grausamen Akte des Terrors, die harte Strafen verdienen, zu vergeben, solange der Verbrecher ehrlich vor Allah bereut und nach seiner Vergebung und wahren Rechtleitung strebt. Die muslimischen Gelehrten haben erwähnt, dass immer wenn Allah uns vor einer Strafe warnt, er uns gleichzeitig einen Ausweg zeigt, um die Strafe zu vermeiden. Viele muslimische Juristen zitieren diesen Vers auch im Falle der Bestrafung für Hirabah (bewaffnete Raubüberfälle oder Straßenräuberei). Unter solchen Umständen, je nach der Schwere der Schuld, wird eine Strafe festgesetzt. Wenn Mord begangen wurde, wird Exekution als Strafe vorgeschrieben. Den Umständen entsprechend können die Richter eine geringere Strafe wählen. Die Verbannung, die der Vers erwähnt, wurde von einigen Rechtsschulen als Gefängnisstrafe aufgefasst. Die Strafe durch Kreuzigung wurde im Vers zwar erwähnt, doch viele muslimische Gelehrte stellten fest, dass sie nie zuvor von der Beschreibung dieser Strafe gehört hatten. In der Tat antwortete Imam Malik, der Gründer der malikitischen Rechtsschule, als er über Kreuzigung befragt wurde, dass er nicht von einem einzigen Fall gehört habe, in dem Kreuzigung als Strafe für bewaffneten Raubüberfall beschrieben wurde. (Siehe Al-Mudawwanah, Band XV Seite 99). Im Lichte dieser Tatsache sagte Sheikh Muhammad S. Al-Awa:

Diese Beobachtung Maliks gibt mir den Eindruck, dass diese Strafe nur beschrieben wurde, um den potenziellen Kriminellen abzuschrecken. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publications, 1993, S.11, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Scheikh Muhammad S. Al-Awa schreibt zu dem Argument, dass solche Strafen barbarisch sind:

Sheikh Muhammad Abu Zahra erklärt in seinem oben erwähnten Buch [Al-Jarima wal- ´Uquba, Seiten 6-11] das Ziel sowohl des islamischen Gesetzes als auch des geheiligten jüdischen Gesetzes, das in der Thora enthalten ist, einerseits öffentliche Sicherheit und Frieden für die Gemeinschaft zu erlangen und andererseits die kriminelle Minderheit zu bestrafen. Dementsprechend wurden die notwendigen Mittel für das Erreichen dieses Vorhabens sowohl in der Thora als auch im Koran beschrieben. Die zweite Frage betrifft das Gesetz der Vergebung für bereuende Verbrecher und ob Hirabah aufgrund dieses Gesetzes mit dem Tod bestraft werden sollte. Um diese Frage zu beantworten sollte man sich erneut ins Gedächtnis rufen, dass diese Strafe, und in der Tat alle Hudud-Strafen im islamischen Rechtssystem hauptsächlich dazu Erwähnung finden, um die Gesellschaft vor Verbrechen zu bewahren. Um dieses Ziel zu erreichen macht es das islamische Gesetz, das Strafe für Kriminelle vorschreibt gleichzeitig möglich, dass sie verschont werden, wenn sie das Ausmaß ihrer Taten begreifen und Besserung geloben. Dies widerspricht nicht der vorherigen Aussage Abu Zahras. Während Bestrafung zurückgehalten werden kann, müssen alle Verletzungen und Schäden, die aus der Tat des Verbrechers folgen, berücksichtigt werden. Auf diese Weise verliert die Gesellschaft nichts. Im Gegenteil, sie gewinnt ein neues Mitglied, der, wenn er nicht die Chance zur Reue bekommen hätte, immer als Gesetzesloser gegolten hätte. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publication, 1993, S.13, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Für weitere Informationen zum Islamischen Strafrecht sei auf den hervorragenden Artikel „Crime and Punishment in Islam (Verbrechen und Strafen im Islam) verwiesen. Andere Gelehrte erklären die islamischen Strafen und stellen vergleiche an. Sheikh Abdul Majid Daryabadi schreibt folgendes über den Vers 5:33:

Es mögen einige dieser Strafen manchen übersensiblen westlichen Lesern als „barbarisch“ erscheinen und ihn an „Streckung und Vierteilung“, einer englischen Strafmaßnehme des 18. Jahrhunderts erinnern, das auf diejenigen angewendet wurde, die des Hochverrats am König oder der Regierung schuldig befunden wurden. Der Schuldige wurde normalerweise mit einem Schlitten zum Hinrichtungsplatz gezogen. Dort wurde er am Nacken an einem Gerüst aufgehängt, aufgeschnitten und ausgeweidet, während er noch am Leben war. Dann wurde sein Kopf von seinem Körper abgetrennt und sein Körper in vier Teile geteilt. Mit dem Beruf ihres Glaubens als Hochverräter verurteilt erlitten viele Katholiken in England und Irland diesen Tod. `Während der Regentschaft von Henry III und Edward I gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass der Tod die gängige Bestrafung für Verbrechen waren; und dies blieb als Landesgesetz für Hochverrat und für alle Verbrechen bestehen mit Ausnahme von Bagatelldiebstählen bis ins Jahr 1826 bestehen´ (Stephen, History of the Chriminal Law of England, Seite 458). Im heutigen englischen Gesetz gilt Räuberei als gewalttätiger Diebstahl; diese Schuld verjährt das ganze Leben lang nicht und ein Mann kann zusätzlich dazu einmal gepeitscht werden. Die Elemente dieser Gesetzgebung sind grundsätzlich im amerikanischen Gesetz die Selben (EBr. XIX S.346)  (Daryabadi, The Glorious Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Im Licht der oben genannten Punkte können wir alle Meinungen, dass dieser Vers Gewalt und Krieg unterstützt klar als gegenstandslos zurückweisen. Der textliche Kontext , der historische Kontext, der gesetzliche Zusammenhang und eine vergleichende Analyse dieses Verses zeigen alle, dass er Gerechtigkeit im Gegenzug für schwere Verbrechen zeigt und keinesfalls die Lügen von Islam-Hassern unterstützt.

Eine ähnliche Überlieferung

Einige Bürger des Stammes von ´Uraina kamen nach Medina und das Klima lag ihnen nicht. So erlaubte Allahs Gesandter (Friede und Segen auf ihm) ihnen, zu der Herde von Kamelen (gespendet als Zakah) zu gehen und deren Milch und Urin (als Medizin) zu trinken, doch sie töteten den Hirten und stahlen alle Kamele. So sandte Allahs Gesandter (Friede und Segen auf ihm) (Männer), um sie zu verfolgen und zu fangen und sie wurden zu ihm gebracht. Er ließ ihre Hände und Füße abschneiden, ihre Augen wurden mit erhitzten Eisen geblendet und sie wurden im Harra (einem steinigen Ort in Medina) bei spitzen Steinen ausgesetzt. [Bukhari, Band 2, Buch 24, Nummer 577]

Diese Erzählung wird oft  zitiert, um den Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) als jemanden darzustellen, der außerordentlich grausame und barbarische Strafen verhängte. Lassen Sie uns die Erzählung genauer und in Zusammenhang mit Erzählungen des selben Ereignisses betrachten. Die Erzählung beinhaltet folgendes:

  • Einige Leute vom Stamm der Urayna (oder Ukil) kamen nach Medina, nachdem sie den Islam angenommen hatten
  • Sie bekamen aufgrund des Klimas eine Krankheit, für welche die Araber normalerweise die Milch und den Urin von Kamelen als Medizin einnahmen
  • Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) erlaubt ihnen, zur Kamelherde zu gehen, damit sie ihre Medizin bekamen
  • Nach ihrer Genesung töteten sie den Hirten und brachten alle Kamele weg
  • Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) befahl, ihre Hände und Füße abzuschneiden, ließ sie mit heißen Eisenstäben blenden und in der Wüste aussetzen

Es ist klar, dass der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) das Abhacken der Hände und der Füße in Übereinstimmung mit dem islamischen Gesetz, das Hirabah (bewaffneten Raub) betrifft. Was in dieser Überlieferung nicht auftaucht, ist der Grund für ihre Blendung mit erhitztem Eisen. Dies wird in anderen Erzählungen erwähnt, in denen berichtet wird, dass sie das Gleiche mit dem Hirten, den sie getötet hatten, getan hatten. Wie Sheikh Abdul Khaliq Hasan Ash-Sharif über diese Erzählung schreibt:

Es sollte klar gesagt werden, dass diese Leute, die zum Propheten (Friede und Segen auf ihm) kamen, Muslime waren und dass sie krank waren. Der Prophet wies sie an, zu der Kamelherde zu gehen und deren Milch und Urin (als Medizin) zu trinken. Sobald sie wieder gesund wurden, töteten sie den Hirten des Propheten (Friede und Segen auf ihm) und brachten alle Kamele weg, die als Sadaqah (Armenspende) gedacht waren: Als der Prophet (Friede und Segen auf ihm) dies erfuhr, verkündete er die Strafe für Hirabah für sie. Hirabah meint das Töten von Menschen und das Rauben ihres Geldes oder die Vergewaltigung ihrer Frauen von einer bewaffneten Gruppe von Menschen. Die Strafe für Hirabah wird im Koran festgelegt. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,“ [Koran 5:33]

Was das Ausbrennen ihrer Augen betrifft ordnete der Prophet (Friede und Segen auf ihm) an, die Augen der Leute von ´Ukl oder ´Uraina mit Eisen auszubrennen, weil sie den Schäfer getötet hatten und seine Augen mit Eisen ausgebrannt hatten. Imam Ibn Hajar erwähnte die verschiedenen Meinungen der Gelehrten und er sagte, „Das Töten, das stattgefunden hatte (laut des oben erwähnten Hadithes) war eine Vergeltungsmaßnahme und Allah Der Allmächtige sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Wenn jemand gegen euch übertritt, dann geht (auch ihr) in gleichem Maß gegen ihn vor, wie er gegen euch übertreten hat.“ [Koran 2:194]

Alles in Allem ist es nicht möglich, diese Geschichte als Beweis dafür zu verwenden, dass Folter im Islam erlaubt ist, da der Prophet (Friede und Segen auf ihm) die Strafe für Hirabah auf sie anwendete und dies nicht zur persönlichen Vergeltung tat.

Ebenso schreibt Moiz Amjad:

Es gibt in der oben erwähnten Überlieferung nur eine Stelle, die Fragen beim Leser aufwirft. Es scheint außergewöhnlich, dass, nachdem die Strafe, die im Koran für Verbrechen gegen die Gemeinschaft festgeschrieben ist, Anwendung fand, der Prophet (Friede und Segen auf ihm) anordnete, sie zu blenden. Die meisten der Erzählungen beantworteten diese Frage nicht. Jedoch gibt es eine Erzählung, berichtet von Ibn Al-Jarud´s Al-Muntaqa, in der von Anas berichtet wird, der auch den Grund für diese Bestrafung erklärte. Der Gefährte des Propheten (Friede und Segen auf ihm) sagte demnach:

Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) brannte ihre Augen aus, da sie die Augen des Schäfers ausgebrannt hatten (Band 1, S.216)

Diese Erklärung stellt die Tatsache dass der Prophet (Friede und Segen auf ihm) das Blenden der Schuldigen in Übereinstimmung mit der koranischen Anweisung von Qisas (Al-Baqarah 2: 178, Al-Ma´idah 5:45) angeordnet hatte, um den Mord und die verursachten physischen Verletzungen an jemandem zu bestrafen. In Hinsicht auf die vorhergehende Erklärung finde ich keinen Grund, den Vorfall, über den in der vorliegenden Erzählung gesprochen wird für unauthentisch zu halten.

Sheikh Muhammad al-Qannas, ein Professor an der Al-Imam Universität (Riyadh, Saudi Arabien) setzt die Erzählung in Perspektive, indem er die Ansichten der verschiedenen muslimischen Gelehrten darstellt:

Der oben erwähnte Hadith wird in Sahih al-Bukhari (6802) und in Sahih Muslim (1672) erzählt. Er liest sich wie folgt:

Einige Leute die (zum Stamm) der ´Uraynah gehörten, kamen zum Propheten (Friede und Segen auf ihm) nach Medina, doch das Klima setzte ihnen zu. So sagte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) zu ihnen: Wenn ihr möchtet, könnt ihr zu den Kamelen gehen, die Teil der Almosen sind und ihre Milch und ihren Urin trinken. So taten sie und fühlten sich wieder besser. Dann fielen sie über die Hirten her, töteten sie, wurden Abtrünnige vom Islam und brachten die Kamele des Propheten (Friede und Segen auf ihm) weg. Die Neuigkeiten erreichten den Gesandten Allahs (Friede und Segen auf ihm) und er sandte (Leute) ihnen hinterher. Sie wurden (gebracht) und ihm übergeben. Er ordnete an, ihre Hände abzuhacken und ihre Füße und ließ ihre Augen herausnehmen und warf sie auf steinigen Boden, so dass sie starben.

Die Gelehrten sind sich über diese Bestrafung nicht einig:

Einige sagten: Diese Bestrafung war eine Rache für ihr Handeln und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) bestrafte sie auf dieselbe Art, wie sie die Hirten getötet hatten. Es findet in Sahih Muslim Erwähnung

„Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) ließ ihre Augen entfernen, weil sie die Augen der Hirten entfernt hatten.“ [Muslim]

Die Menschen, die die militärische Karriere des Propheten (Friede und Segen auf ihm) untersucht hatten sagten: Sie zerstückelten die Hirten. Ibn al-Qayyim sagte: „Es lässt sich aus der Geschichte des al-´Araniyin- Stammes entnehmen, dass der Verbrecher auf dieselbe Art bestraft wird, wie das, was er jemandem angetan hat. Wenn sie die Augen der Hirten ausgebrannt hatten, dann brannte er ihre Augen aus.“ [Zad al-Ma´ad: (3/286)]

Andere Gelehrte sagen, dass was in dem Hadith erwähnt wird, wiederrufen wurde, da Verstümmelung verboten ist.

Was in diesem Hadith passiert ist, wurde wiederrufen. Dies wurde von al-Bukhari übernommen. Er erzählte von Qatadah: „Es wurde uns über den Propheten (Friede und Segen auf ihm) berichtet, danach bestärkte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) die Wohltätigkeit und verbat die Verstümmelung.“ [Sahih al-Bukhari (1492)]

Es wurde von Qatadah über Muhammad b. Sirin berichtet, dass dies stattgefunden hatte, bevor die Regelung über Strafen herab gesandt wurde [Sahih al-Bukhari (5686)]

Al-Hazimi sagte: „Dieser Hadith wurde abgeschafft“ und er schrieb ein Kapitel „Verstümmelung und seine Abschaffung“. Er sagte: „Eine Gruppe von Leuten haben die Meinung, dass diese Regelungen am Anfang festgemacht worden waren und dann abgeschafft wurden, als Allah herab sandte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten…“ [Koran 5:33]

[Al-I´tibar fi al-Nashikh wa al-Mansukh, S.196]

Es könnte sein, dass diese schwere Bestrafung anfangs stattfand, weil der Prophet (Friede und Segen auf ihm) wusste, dass einige der rauen und wilden Beduinen, die in der Umgebung Medinas lebten, nicht davor zurückschrecken würden, andere anzugreifen, bis sie von solch schweren Bestrafungen hörten. Die Wüstenbeduinen, die in der umliegenden Wildnis lebten waren kriegerische Stämme, die an die schwierigen Bedingungen gewohnt waren und Drangsale und Schikane verursachten. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Die Wüstenaraber sind mehr ungläubig und heuchlerischer, und es paßt eher zu ihnen, daß sie die Grenzen dessen, was Allah auf Seinen Gesandten (als Offenbarung) herabgesandt hat, nicht kennen. Und Allah ist Allwissend und Allweise.“ [Koran 9:97]

Daher bestrafte der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) sie nicht mehr, als sie den Kamelhirten und der Muslimischen Gemeinschaft angetan hatten. Er sandte damit auch eine aussagekräftige Nachricht an die Wüstenstämme, die oft benachbarte Dörfer und Stämme angriffen und überfielen. Diese Bestrafung wurde für die Sicherheit der muslimischen Gemeinschaft durchgeführt, die in sehr gefährlichen Zeiten lebten und kein formales Gesetzessystem hatten, um mit den Arabischen Stämmen umzugehen. Die Situation ist mit der heutigen Zeit nicht zu vergleichen, da heute die Regierungen viel Einfluss und Kontrolle über ihre Territorien haben. In Arabien aber herrschte eine Stammes-Anarchie. Sheikh Muhammad ´Ata Al Sid Ahmad schreibt:

Als die Verbrecher von ´Urainah die muslimische Gemeinschaft betrogen, die ihnen mit all der Liebe und dem Respekt begegnet waren, indem sie den Kamelhirten folterten und töteten und mit den Kamelen als Beute flohen, stellte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) alle seine Kräfte auf, nahm sie fest und behandelte sie auf die strengste Weise, die das Gesetz zuließ. (Al-Sid, Islamic Criminal Law: The Hudud; Malaysia, Eagle Trading Sdn. Bhd., 1995, S.132)

Es sollte auch beachtet werden, dass viele von denen, die die islamischen Strafen kritisieren, selbst an ein Leben nach dem Tod glauben, in dem die Menschen für ihre Verbrechen bestraft werden, oft mit einer ewigen Folter in der Hölle. Eine ewige Folterung ist viel strenger, als jede vorübergehende Bestrafung, die in diesem Leben erfahren wird. Die Bestrafungen, die im Islam beschrieben werden, sind dazu gedacht, den Schuldigen von seiner Sünde rein zu waschen, damit er vor einer viel schlimmeren Strafe im nächsten Leben bewahrt wird. Es scheint, dass jemand, wenn er seine Strafe ins nächste Leben verschiebt, der unterbewusste Glauben besteht, dass diese Strafe nicht so „real“ ist und daher eine ewige Folter in der Hölle die Leute nicht so sehr beschäftigt, wie eine schmerzhafte Strafe im Hier und Jetzt. Ein solches Denken ist aber völlig falsch.

Einige Schreiber haben auch behauptet, dass die Strafe, die die Ukil bzw. Urayna erfahren haben wegen ihrem Abfall [vom Islam] war. Dies wird jedoch vom Text des Hadith sowie durch Übereinstimmung aller muslimischer Juristen klar zurückgewiesen. Sheikh Muhammad S. Al-Awa erklärt dies ebenso:

Auf der anderen Seite ist die herrschende Meinung unter den muslimischen Juristen, dass der Fall dieser Gruppe von ´Ukal und Urayna ein Fall von Hirabah (bewaffneter Räuberei) war und es war dieses Verbrechen, für das sie bestraft wurden. (Siehe Tabari, Tafsir, Band VI, Seiten 132-146, Ibn al-Qayyim, Zad al-Ma´ad, Band III, S. 78; Ibn Hajar, Fath Al-Bari, kritisiert Bukhari´s Sichtweise). Der Text selbst zeigt dies sehr klar. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publications, 1993, S.51)

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Erzählung sich auf einen Fall von Hirabah (bewaffneter Räuberei) bezieht, in dem der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) die Gesetze von Qisas (Vergeltung) anwendete und die Verbrecher genau so bestraft wurden, wie das, was sie den Hirten angetan hatten. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) überschritt diese Grenze in all der beschriebenen Bestrafung nicht, sondern reinigte die Bestraften eher, so dass ihre Bestrafung im nächsten Leben verhindert würde.