Terrorismus - Die Perspektive aus dem Islam

Übersetzt von Die Wahrheit im Herzen

 

Neuauflage der Fachzeitschrift der Internationalen Vereinigung der Muslime (Muslim World League Journal)
Jumad AI-Ula 1423 - Juli 2002

 Während der sechzehnten Tagung des Islamischen Fiqh-Rates, die zwischen dem 21. und 27. Shawwal 1422 n. H. (5-10 Januar 2002) stattfand, wurde mit Nachdruck die Tatsache betont, dass Extremismus, Gewalt und Terrorismus in keiner Weise mit Islam in Verbindung stehen. Es handelt sich bei ihnen in Wahrheit um Gewaltakte, die gefährliche Konsequenzen mit sich ziehen und die eine Aggression und Ungerechtigkeit gegen jedes Individuum darstellen.

Jeder, der die beiden Quellen der Scharia (islamisches Recht), d.h. das Buch Allahs (den Koran) und die Sunnah (Überlieferungen) des Propheten (Allahs Segen und Friede auf ihm), aufmerksam studiert, wird entdecken, dass diese inhaltlich frei von jedweder Form von Extremismus, Gewalttaten oder Terrorismus sind, welche die Aggression gegen andere ohne einen gerechten Grund implizieren.

Um also eine islamische Definition von Terrorismus vorzubringen, welche die Sicht aller Muslime wiederspiegelt, um die friedvolle Natur des Islams faktisch klarzustellen und die Gefahr hervorzuheben, die besteht, wenn man Islam mit Extremismus und Terrorismus assoziiert, gibt der Islamische Fiqh-Rat, sowohl für die Muslime, als auch für den Rest der Welt, die folgende Definition von Terrorismus und der Einstellung des Islams diesem gegenüber.

 

Definition des Terrorismus

Terrorismus ist ein abscheulicher Angriff ausgeführt von Individuen, Gruppen oder Staaten gegenüber Menschen (seiner Religion, Leben, Intellekt, Eigentum und Ehre). Es beinhaltet aller Formen der Bedrohung, des Leids, der Tötung ohne einfachen Grund und alles verbundene mit jeder Form des Raubes, wodurch Gehwege unsicher gemacht werden, Banditentum, jede Art der Gewalt oder Bedrohung beabsichtig um ein Kriminelles Schema individuell oder gemeinschaftlich durchzuführen, als auch das in Schrecken setzen und Beängstigung von Menschen indem man ihnen weh tut oder deren Leben, Freiheit, Sicherheit entblößt oder Zustände von Gewalt; es kann also die Form von zufügendem Schaden an der Außenwelt oder in öffentlichen oder Privaten Dienstprogrammen oder das Entblößen von nationalen oder natürlichen Quellen zur Gefahr führen.

All diese sind Offenbarungen des Unheils auf Erden, welche von Allah als Ausführung von Muslimen verboten worden ist. Allah sagt im Quran:

„Und sucht keinen Anlass für das Unheil auf Erden, Allah liebt nicht jene die Unheil stiften…“ (28:77)

 Zudem hat Allah nicht nur abschreckende Bestrafung gegenüber Terror, Aggressionen und Korruption verordnet, doch deutet er solche Handlungen als gleichbedeutende Art des Wagens der Kriegsführung gegenüber Allah und seinem Gesandten

 Allah sagt im Quran:

 „Die Bestrafung gegenüber jenen die es wagen gegen Allah und seinen Gesandtem zu kriegen und dem Streben mit Macht und Haupt um Unheil auf Erden zu führen ist Hinrichtung, Kruziferen oder das Abschneiden der Hände und Füße von entgegengesetzten Seiten oder Ausweisung von dem Land. Das ist ihr Pein auf dieser Welt und eine große Bestrafung erhalten sie im Jenseits.“ (5:33)

 Offensichtlich, in Betrachtung der Enormität von solch Handlungen der Aggressionen, welches von der Scharia (Islamisches Recht) als eine Art des Krieges gegenüber des Rechts und der Kreaturen Gottes, gibt es keine strengeren Bestrafungen irgendwo in Gesetzen die von Menschen entworfen sind.

 Gemäß des Islamischen Rechts Rates, ist Staatsterror die größte Gefahr für die Sicherheit und den Frieden auf der Welt und deshalb ist, dass dagegen Auflehnen gleichbedeutend als Abwehr und Streben im Namen Allahs.

 

Das Heilmittel für Extremismus und Terror im Islam

 Im Bezug darauf den Terrorismus zu Bekämpfen und die Gesellschaft vor den schändlichen Konsequenzen zu schützen ist der Islam ein Pionier. Durch klare Grenzen, welche nicht zu überschritten sind, drängt der Islam darauf das Menschliche Leben, Ehre, Eigentum, Religion und Intellekt zu schützen.

Allah sagt im Quran:

 „Sag. Die Dinge die mir mein Herr verboten hat sind; beschämende Taten, ob öffentlich oder geheim; Sünden und Übertretungen gegen die Wahrheit oder Begründung“. Und:“ Wenn er sich umdreht, ist seine Absicht Unheil auf der gesamten Erde zu verteilen und die Zerstörung von Feldfrüchten und Nachkommenschaft. Aber Allah liebt kein Unheil. Wenn ihm gesagt wird „Fürchtet Allah“ ist er geführt von Arroganz für mehr Kriminalität. Genug für ihn ist Hölle – ein schlechtes Bett für ihn um darauf zu liegen.“ (7:33 & 2:205 – 206)

 Des Weiteren hat der Islam seinen Anhängern geboten sich von jeglichen Dingen fernzuhalten was innerhalb der Menschen für Aufruhr sorgen kann und warnt zugleich vor den negativen Konsequenzen.

 Allah sagt im Quran:

 „Und fürchtet Aufruhr oder Unterdrückung, welches nicht nur diejenigen von euch beeinflusst die falschen tun. Und wisset Allah ist streng in seiner Bestrafung.“ (8:25)

 Im Islam ist das Individuum und die Gesellschaft ermahnt nicht nur die Linie der Dämpfung abzuschleppen aber auch Extremismus und religiöse Intoleranz zu entfernen welches sicherlich die Zerstörung der Menschheit bedeuten.

 Der Prophet (Frieden sei auf ihm) sagte in einem Report von den Imamen Ahmad und Al-Nissaie:

 „Achtung vor der Übertreibung im Bezug auf die Religion. Für diejenigen, die vor euch da waren, wurden durch religiösen Übermaß zerstört worden.“

 Der Islam spricht auch das Problem der bösen Tendenzen an welche passend zum Führen des Übermaßes, Bedrohung, Beängstigung und Tötung ohne einen Grund leitet.

 Der Prophet (Frieden sei auf ihm) sagt:

 „Ein Moslem darf nicht einen anderen Moslem erschrecken“.

Und:

„Wer auch immer einen eisernen Stab gegen seinen Bruder richtet, den werden die Engel verfluchen bis er aufhört, auch wenn er (das Opfer) sein leiblicher Bruder ist (von der Seite der Mutter und des Vaters).“ (Salih Muslim)

Mit Betrachtung der Dhimmis (Nicht Muslime die unter dem Schutz der Muslime leben), besagt der Islam, dass sie gerecht behandelt werden müssen. Dies gab ihnen Sicherheit in der muslimischen Welt und verbat Blutgeld und Sühne für das Töten einer von jenen.

 Allah sagt:

 „Wenn er zu Menschen gehörte mit denen er einen Bündnisvertrag hatte, so soll Blutgeld seiner Familie gezahlt werden und ein Gläubiger Sklave soll befreit werden." (Quran 4:92)

Vielmehr, in Übereinstimmung mit der Aussage des Propheten (Friede sei auf Ihm), verbietet der Islam das Ermorden eines Dhimmi, die in der muslimischen Welt leben.

 „Wer auch immer eine Person die in einem Beschützungsvertrag steht tötet, wird niemals den Duft des Paradieses riechen.“ (Ibn Majah)

 Vor allem verbietet der Islam seinen Anhängern nicht wohltätig gegenüber jenen zu sein die sie nicht bekämpfen oder sie von ihren Häusern verbreiten.

 Allah sagt im Quran:

 „Allah verbietet dir nicht, in Betracht jenen die dich weder wegen deines Glaubens bekämpfen, noch dich aus deinen Häusern jagen, mit ihnen freundlich und gerecht umzugehen. Für Allah liebt jene die gerecht sind.“ (60:8)

Und:

„Und lass nicht den Hass von anderen dich fehlleiten und von der Gerechtigkeit abkommen. Sei Gerecht: das kommt nach der Frömmigkeit: und fürchte Allah. Für Allah er ist mit all dem wohl vertraut was ihr tut." (5:8)

 In Betrachtung des vorgehenden, will der Islamische Rechts Rat auch öffentlich machen, dass das Verbrechen des Nehmens eines Menschenlebens, gleichzustellen ist wie wenn man alle Menschen umbringt, was auch immer der Glauben des Ermordeten und des Mörders ist; und dass Bestrafungen und Vergeltungen alleinig Privileg des Herrschers und nicht die von Individuen oder Gruppen ist.

 

Dschihad und Terrorismus sind nicht dasselbe

Im Islam ist Dschihad dafür vorgesehen, das Recht aufrecht zu erhalten, Ungerechtigkeit abzuwehren und Gerechtigkeit, Frieden und Sicherheit sowie jene Barmherzigkeit mit welcher der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) gesandt worden ist, um die Menschheit aus der Dunkelheit ins Licht zu führen zu etablieren. Genauer gesagt ist der Dschihad dazu bestimmt, alle Formen des Terrorismus zu eliminieren und das Heimatland vor Belagerung, Plünderung und Kolonialismus zu schützen.

Der Dschihad wird gegen jene eingesetzt, die andere darin unterstützen, Menschen aus ihren Heimen zu vertreiben, sowie gegen jene, die ihren Vertrag gebrochen haben. Dschihad ist dazu gedacht, jene Versuchungen fernzuhalten, die Muslime dazu verleiten könnten, vom Glauben abzufallen oder jene Hindernisse zu überwinden, die sie in ihrer Freiheit einschränken, auf friedliche Weise zu ihrer Religion einzuladen.

Allah sagt:

„Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten.“

Und:

„Doch Allah verbietet euch, mit denen, die euch des Glaubens wegen bekämpft haben und euch aus euren Häusern vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu schließen. Und wer mit ihnen Freundschaft schließt - das sind die Missetäter.“ (Quran 60:8-9)

Der Islam hat eindeutige Regeln und Vorschriften, welche die Tötung all jener verbieten, die sich nicht am Kampf beteiligen. Sie verbieten ebenso die Tötung unschuldiger, wie z.B. Frauen, Kinder und Greise sowie die Verfolgung von Flüchtlingen, die Tötung jener, die sich ergeben. Der Islam verbietet außerdem, Gefangene zu verletzen, die Körper der Toten zu verstümmeln oder jene Anlagen und Gebäude zu zerstören, die nicht unmittelbar mit dem Kampf in Verbindung stehen. Demnach ist es unlogisch jene Gewalt, die von Eindringlingen und Tyrannen, welche die Menschenwürde verletzen, Heiligtümer beschmutzen und Reichtümer plündern, ausgeht, gleichzusetzen mit dem Recht auf gesetzmäßige Selbstverteidigung, das von Menschen, die unterdrückt werden, in Anspruch genommen wird, um ihr gesetzliches Recht auf Selbstbestimmung zu erhalten.

Im Rückblick auf das Gesagte, möchte der Islamische Fiqh-Rat alle Nationen, Völker und Organisationen dieser Welt auf die Notwendigkeit hinweisen, einen Unterschied zu machen, zwischen gesetzmäßigem Dschihad gegen Aggression oder Unterdrückung, der dazu bestimmt ist, Wahrheit und Gerechtigkeit herzustellen, und jenem Gewaltakt, der darauf abzielt, ein Land zu belagern, staatliche Souveränität zu missbrauchen oder die zivile Bevölkerung einzuschüchtern und sie zu Flüchtlingen zu machen.

 

 

Was sagt der Islam über Terrorismus?
Übersetzt von Die Wahrheit im Herzen

 

Islam ist eine Religion der Barmherzigkeit und verbietet Terrorismus.

Gott sagt im Koran: Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiss, Allah liebt die Gerechten. (Koran, 60:8)

Der Prophet Muhammed hatte den Soldaten verboten, Frauen und Kinder zu töten (1) und gab ihnen den Rat: {… Betrügt nicht, seid nicht maßlos, tötet nicht ein neugeborenes Kind. (2)}. Und er sagte ebenfalls: {Wer auch immer einen Menschen tötet, der mit den Muslimen einen Vertrag abgeschlossen hat, soll nicht den Duft vom Paradies riechen, obwohl sein Duft über eine Spanne/Distanz von vierzig Jahren wahrgenommen werde kann. (3)}

Der Prophet Muhammed hat ebenfalls das Bestrafen mittels Feuer verboten. (4)

Er hat einst Mord als zweites aus der Gruppe der großen Sünden aufgelistet (5), und er warnte uns, dass am Jüngsten Tag, {Die ersten Fälle, die zwischen Leuten am Tag des Gerichts/Jüngsten Tag zu entscheiden sind, werden diejenigen des Blutvergießens sein (6)} (7)

Muslime werden sogar ermutigt gütig zu Tieren zu sein, und es wird ihnen verboten Tiere zu verletzen bzw. zu quälen. Einst sagte der Prophet Muhammed: {Eine Frau wurde bestraft, weil sie eine Katze gefangen hielt das Tier starb. Aufgrund dieser Tat, wurde der Frau die Strafe der Hölle zuteil. Während die Frau die Katze gefangen hielt, gab sie der Katze weder etwas zu essen noch zu trinken noch gab sie der Katze die Freiheit, sich von den Kerbtieren der Erde zu ernähren. (8) }

Er sagte auch, dass ein Mann einem sehr durstigen Hund etwas zu trinken gab, für diese Tat vergab ihm Gott alle seine Sünden. Der Prophet wurde gefragt: „ Oh, Allahs Gesandter, werden wir für die Güte gegenüber Tieren belohnt?“ Er antwortete: „ Es gibt Belohnung für die Güte gegenüber jedes Lebewesen (Tier oder Mensch).} (9)


Zusätzlich wird Muslimen befohlen, wenn sie ein Tier für den Verzehr töten, dann sollen sie das auf eine Art und Weise vollziehen, welche das kleinste Maß des Schreckens und des möglichen Leidens verursacht. Der Prophet Muhammed sagte:{Wenn ihr ein Tier schlachtet, so tut dies auf beste Weise. Man sollte sein Messer schärfen, um das Leiden des Tieres zu reduzieren.} (10)

Angesichts dieser und anderen Islamischen Texte wird eindeutig ersichtlich, dass das Einjagen von Terror in den Herzen von wehrlosen Bürgern, die gesamte Zerstörung von Gebäuden und Grundeigentümern, die Bombardierung und das Verstümmeln von unschuldigen Männern, Frauen, und Kindern allesamt verbotene und abscheuliche Taten gemäß dem Islam und den Muslimen sind. Muslime folgen einer Religion des Friedens, der Gnade, und der Vergebung, und die riesengroße Mehrheit hat nichts mit den gewaltsamen Ereignissen zu tun, die einige mit dem Islam und den Muslimen in Verbindung bringen. Wenn ein einzelner Muslim eine Tat des Terrorismus begehen sollte, würde diese Person schuldig sein, die Gesetze des Islams zu verletzen.

Fußnoten:

Anker (1) Erzählt in Sahih Muslim, #1744, und Sahih Al-Buchari, #3015.

Anker (2)) Erzählt in Sahih Muslim, #1731, und Al-Tirmizi, #1408.

Anker (3) Erzählt in Sahih Al-Buchari, #3166, und Ibn Majah, #2686.

Anker (4) Erzählt in Abu-Dawood, #2675.

Anker (5) Erzählt in Sahih Al-Buchari, #6871, und Sahih Muslim, #88.

Anker (6) Darunter sind Töten und Verletzen zu verstehen.

Anker (7) Erzählt in Sahih Muslim, #1678, und Sahih Al-Buchari, #6533.

Anker (8) Erzählt in Sahih Muslim, #2422, und Sahih Al-Buchari, #2365.

Anker (9). Erzählt in Sahih Muslim, #2244, und Sahih Al-Buchari, #2466.

Anker (10) Erzählt in Sahih Muslim, #1955, und Al-Tirmizi, #1409

 

 

© Die Wahrheit im Herzen

Falsch interpretierter Vers Nummer 15

„O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind untereinander Freunde. Wer von euch sie zu Freunden nimmt, gehört zu ihnen. Gott leitet ungerechte Leute gewiß nicht recht.“ [Koran 5:51]

Zuerst ist festzustellen, dass im obigen Vers das Wort Awliya oft fälschlicherweise als Freunde übersetzt wird (Awliya ist der Plural und Wali ist der Singular. Das Konzept ist Walah). Als Resultat daraus haben viele Menschen das falsche Verständnis, dass dieser Vers den Muslimen befiehlt, sich von den Nicht-Muslimen zu distanzieren und Freundschaft mit ihnen zu vermeiden. Das ist von der Wahrheit weit entfernt, wie wir feststellen werden, wenn wir das Wort Awliya genauer betrachten. Der Koran sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Als zwei Teil(gruppen) von euch vorhatten, aufzugeben, wo doch Allah ihr Schutzherr (Wali) ist. Und auf Allah sollen sich die Gläubigen verlassen.“ [Koran 3:122]

Dieser Vers zeigt dass ein Wali jemand ist, auf den Vertrauen gesetzt wird, dass er beschützt, da der Koran immer Gott als Beschützer, als Wali, der Rechtschaffenen bezeichnet. Dr. Sa´id Ismail Sieny schließt seine Diskussion über Walah ab, indem er schreibt:

Wie wir oben festgestellt haben ist die Wurzel des Wortes „al-Walah“ nicht auf Liebe, Beistand, etc. zurückzuführen sondern die ursprüngliche Bedeutung geht auf Schutzherrschaft zurück. (Sieny, The Relationship Between Muslims and Non-Muslims; Toronto, Al-Attique Bublishers Inc., 2000, S.102, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Dr. Muzammil Siddiqi schreibt: In dem zitierten Vers wird das Wort “Awliya” benutzt. Es ist ein Plural, dessen Singular „Wali“ ist. Die korrekte Beschreibung des Wortes „Wali“ ist nicht „Freund“, sondern es ist jemand, der einem sehr nahe steht, mit dem eine intime Beziehung unterhalten wird. Es wird auch als „Wächter, Beschützer, Patron, Lord und Meister“ übersetzt. Im Koran wird das Wort für Gott benutzt wie in

„Allah ist der Schutzherr derjenigen, die glauben. Er bringt sie aus den Finsternissen heraus ins Licht.“ [Koran 2:257]

Es gibt zahlreiche weitere Referenzen im Koran, die diese Bedeutung zeigen. Das gleiche Wort wird im Koran auch für menschliche Wesen benutzt wie in

„Wer ungerechterweise getötet wird, dessen nächstem Verwandten (Wali) haben Wir Ermächtigung erteilt (, Recht einzufordern);“ [Koran 17;33]

Es wird klar, dass das Wort Awliya sich nicht nur auf Freundschaft bezieht, da es vielfältigere Bedeutungen enthält, Abhängigkeit und Schutzherrschaft eingeschlossen. Daher ist  dies eine bessere Übersetzung des Verses:

„O die ihr glaubt, nehmt nicht die Juden und die Christen zu Schutzherren! Sie sind einer des anderen Schutzherren. Und wer von euch sie zu Schutzherren nimmt, der gehört zu ihnen. Gewiß, Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht.“ [Koran 5:51]

Demnach verbietet der vorliegende Vers die Freundschaft mit Nicht-Muslimen keineswegs. Dr. Muzammil Siddiqi schreibt:

Der Koran sagt nicht, dass Muslime und Nicht-Muslime keine Freunde sein können, noch verbietet er den Muslimen, die Nicht-Muslime freundlich zu behandeln. Es gibt zahlreiche Nicht-Muslime, die mit einzelnen Muslimen oder der muslimischen Gemeinschaft gut befreundet sind. Es gibt auch viele gute Muslime, die ihren Glauben wahrhaft und ehrlich leben und gleichzeitig vielen Nicht-Muslimen gegenüber freundlich sind. Der Islam lehrt uns, dass wir allen Menschen gegenüber freundlich sein sollen. Der Islam lehrt uns, dass wir sogar unsere Feinde mit Gerechtigkeit und Fairness behandeln sollen. Allah sagt im Koran (in ungefährer deutscher Übersetzung) am Anfang der gleichen Surah Al-Ma´idah:

„O die ihr glaubt, seid Wahrer (der Sache) Allahs als Zeugen für die Gerechtigkeit. Und der Haß, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, daß ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah. Gewiß, Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.“ [Koran 5:8]

An einer anderen Stelle im Koran sagt Allah Der Allmächtige (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Allah liebt die Gerechten. Er verbietet euch nur, diejenigen, die gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch aus euren Wohnstätten vertrieben und zu eurer Vertreibung Beistand geleistet haben, zu Schutzherren zu nehmen. Diejenigen, die sie zu Schutzherren nehmen, das sind die Ungerechten.“ [Koran 60:8-9]

Noch dazu hat Allah Der Allmächtige den Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) als eine „Gnade“ für die Welten beschrieben. Er war ein Zeichen von Allahs Gnade für Alle, für Muslime, wie auch für nicht-Muslime. In seiner Freundlichkeit und der fairen Behandlung machte er keinen Unterschied zwischen Gläubigen und nicht-Gläubigen. Er war gerecht zu den Götzendienern in Mekka und bekämpfte sie nur, wenn sie ihn bekämpften. Er schloss Verträge mit den Juden von Medina und achtete die Verträge, bis sie sie brachen. Von ihm (Friede und Segen auf ihm) wird berichtet, dass er die Christen von Nijran freundlich in seiner Moschee in Medina aufgenommen hat. Sie stritten mit ihm über den Islam, doch er antwortete ihnen mit Ehre und Respekt. Es gibt zahlreiche Beispiele aus seinem Leben, die zeigen, dass er zu allen Menschen äußerst freundlich war.

Wie Muhammad Asad schreibt:

Was die Bedeutung des „Bündnisses“ betrifft, auf die hier Bezug genommen wird, siehe 3:28 und im Spezifischen 4:139 und die dazugehörigen Bemerkungen, die den Bezug zum Mangel eines Gläubigen an moralischer Identität erklären, wenn er die Lebensweise von Nicht-Muslimen imitiert oder in koranischer Terminologie sich mit selbigen „verbündet“. Wie in 60:7-9 ausführlich erklärt wurde (wie auch im Vers 57 der gleichen Surah), beinhaltet diese „moralische Allianz“ mit nicht-Muslimen nicht, dass keine normalen, freundschaftlichen Beziehungen mit ihnen geschlossen werden sollen, wozu Muslime gerne mehr als bereit sind. Es sollte im Gedächtnis behalten werden, dass der Ausdruck „Wali“ verschiedene Bedeutungen trägt: „Bündnispartner“, „Freund“, „Helfer“, „Beschützer“ und so weiter. Die Wahl des entsprechenden Terms und bei Zeiten auch eine Kombination zweier hängt stets vom Kontext ab. (Asad, The Message of the Koran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Der zweite Punkt, der festzuhalten ist, ist, dass dieser Vers keine generelle Aussage trifft. Die Regelung ist spezifisch und muss in einem Kontext, ähnlich dem historischen, angewendet werden. Sheikh Yusuf Al-Qaradawi schrieb ausführlich über dieses Thema als Antwort auf eine ähnliche Fragestellung:

[Die Antwort hierauf ist, dass] diese Verse nicht bedingungslos auf jeden Juden, Christen oder Nicht-Muslim angewendet werden können. Sie so zu verstehen wiederspricht den Hinweisen im Koran, Warmherzigkeit und Freundlichkeit zu den guten, friedensliebenden Menschen jeder Religion zu sein, so wie den Versen, die Heirat mit den Frauen der Leute des Buches erlauben. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung) in Bezug auf Heirat:

„und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt.“ [Koran 30:21]

Der Vers, der die Christen betrifft lautet in ungefährer deutscher Übersetzung:

„Und du wirst ganz gewiß finden, daß diejenigen, die den Gläubigen in Freundschaft am nächsten stehen, die sind, die sagen: "Wir sind Christen."“ [Koran 5:82]

Der oben zitierte Vers [5:51] wurde in Verbindung mit den Menschen herabgesandt, die dem Islam feindlich gegenüberstanden und den Muslimen den Krieg erklärten. Dementsprechend ist es den Muslimen nicht erlaubt, sie zu unterstützen oder ihnen Hilfe zu leisten – also ihr Verbündeter zu sein – noch, ihnen Geheimnisse anzuvertrauen, die die eigene Religion oder die Gemeinschaft betreffen. Dieser Punkt wird in anderen Versen erklärt, in denen Allah Der Allmächtige (in ungefährer deutscher Übersetzung) sagt:

 „Sie scheuen keine Mühe, euch zu verwirren, und möchten gern, daß ihr in Bedrängnis geratet. Schon wurde aus ihren Mündern Haß offenkundig, aber was ihre Brüste verborgen halten, ist (noch) schwerwiegender. Wir haben euch die Zeichen bereits klargemacht, wenn ihr begreifen wollt. Da habt ihr sie doch geliebt, während sie euch nicht lieben,…“ [Koran 3:118-119]

Diese Ayah wirft Licht auf den Charakter solcher Leute, die große Feindschaft und Hass gegen die Muslime in ihren Herzen tragen und deren Zungen einige Effekte solcher Feindschaft ausdrücken. (Al-Qaradawi, Al-Halal Wal Haram Fil Islam; US American Trust Publications, 1994, S.340, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Wie Sheikh Qaradawi erwähnte kann der Vers 5:11 nicht als Verbot der Freundschaft aufgefasst werden, da der Koran muslimischen Männern eine Heirat mit Frauen von den Leuten des Buches erlaubt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Und die Speise derjenigen, denen die Schrift gegeben wurde, ist euch erlaubt, und eure Speise ist ihnen erlaubt. Und die Ehrbaren von den gläubigen Frauen und die ehrbaren Frauen von denjenigen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde,“ [Koran 5:5]

Hierzu beschreibt der Koran die Beziehung der Ehe als eine Beziehung in tiefster Liebe:

„Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ [Koran 30:21]

Der Koran sagt auch (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Allah verbietet euch nicht, gegenüber denjenigen, die nicht gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch nicht aus euren Wohnstätten vertrieben haben, gütig zu sein und sie gerecht zu behandeln. Gewiß, Allah liebt die Gerechten. Er verbietet euch nur, diejenigen, die gegen euch der Religion wegen gekämpft und euch aus euren Wohnstätten vertrieben und zu eurer Vertreibung Beistand geleistet haben, zu Schutzherren zu nehmen. Diejenigen, die sie zu Schutzherren nehmen, das sind die Ungerechten.“ [Koran 60:8-9]

Das Wort „gütig sein“ ist das arabische Wort „Birr“, welches hier verwendet wird und es wird auch verwendet um die Beziehung eines Muslimen mit seinen Eltern, die im Islam als meist geheiligte Blutsverwandtschaft gilt, zu beschreiben. Hier werden Muslime klar angewiesen, mit friedlichen Nicht-Muslimen in einer friedlichen und freundlichen Art umzugehen. Der dritte Punkt ist, dass die einzelnen Gruppen, auf die in diesem Vers Bezug genommen wird, die sind, die dem Islam feindlich gegenüberstehen und keineswegs alle Juden und Christen im Generellen. Was den historischen Kontext betrifft wurde dieser Vers während der Zeit offenbart, als die Muslime aus vielen Richtungen angegriffen wurden. Auch vom christlich-römischen Imperium und den Juden von Medina. Die Muslime hatten ursprünglich einen Pakt mit den Juden von Medina geschlossen, doch sie wurden zweimal betrogen. So wies der Koran in diesem Kontext die Gläubigen an, vorsichtig im Umgang mit solchen Feinden zu sein, die dem Islam gegenüberstehen und ihnen nicht als Schutzherren zu vertrauen. Jasser Auda schreibt:

Er [der Vers] wurde unter bestimmten historischen Umständen offenbart, in denen Krieg zwischen dem jungen islamischen Staat und den Gegnern an vier verschiedenen Fronten herrschte: die Römer, die Perser, die Götzendiener Arabiens und die Juden von Medina. So ist der historische Zusammenhang der Offenbarung dieses Verses in einer Situation des Krieges zwischen den Muslimen und den Leuten des Buches (Juden, vor allem in Medina und Christen, durch einen römischen Kreuzzug). Damals war es den Muslimen in der Tat nicht erlaubt, Freundschaften mit den Feinden zu schließen, die sie bekämpften und sie vom Angesicht der Erde auslöschen wollten. Einige Muslime sagen, dass dieser Vers, da er diesen historischen Kontext hat, Teil der Geschichte ist und nicht länger Anwendung findet. Dies ist nicht richtig! Es ist wahr, dass hinter dem Vers eine Geschichte steckt, doch dies bedeutet nicht, dass er nicht länger relevant ist. Er hat große Relevanz, doch nur in einer Situation, die dem historischen Zusammenhang gleich kommt. So sollen Muslime heutzutage keine Freundschaften mit Juden oder Christen (oder Anhängern zahlreicher anderer Religionen) schließen, wenn diese versuchen, Muslime zu töten, sie aus ihren Häusern zu vertreiben etc.

Der koranische Vers ist anzuwenden in einem Kontext, der dem historischen Kontext gleicht. Ein Muslim kann keinen Juden, Christen oder irgendwen zum Beschützer nehmen, wenn sie der Religion und ihren Lehren feindlich gegenüberstehen. Die Muslime werden hingewiesen, einander zu vertrauen, um Unterstützung zu erhalten. Dr. Muzammil Siddiqi schreibt:

Es ist offensichtlich, dass die Juden Juden als Schutzherren nehmen und Christen nehmen Christen als Schutzherren. Warum sollen also die Muslime nicht Muslime als Beschützer nehmen, um ihre eigenen Leute zu unterstützen. Dieser Vers leitet uns nicht an, gegen die Juden oder Christen zu sein, sondern er zeigt uns, dass wir auf unsere eigenen Leute Acht geben sollen und einander unterstützen. In seinem Tafsir (Koranexegese) hat Imam Ibn Kathir festgehalten, dass einige Gelehrte sagen, dass dieser Vers (z.B. der, auf den hier Bezug genommen wird) nach der Schlacht von Uhud offenbart wurde, als die Muslime einen Rückschlag erlitten hatten. Zu dieser Zeit sagte ein Muslim aus Medina, „Ich werde mit den Juden leben, dann werde ich sicher sein im Falle eines weiteren Angriffs auf Medina.“ Eine andere Person sagte, „Ich werde mit den Christen leben, dann werde ich sicher sein im Falle eines weiteren Angriffs auf Medina.“ So sandte Allah diesen Vers herab, indem er die Gläubigen erinnerte, dass sie nicht nach dem Schutz durch Andere streben sollten, sondern sich gegenseitig beschützen sollen. [Siehe Ibn Kathir, Al-Tafsir, Band 2, S.68]

Die Gruppen, die den Muslimen als Schutzherren untersagt sind werden im Koran beschrieben (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„O die ihr glaubt, nehmt nicht Meine Feinde und eure Feinde zu Schutzherren, indem ihr ihnen Zuneigung entgegenbringt, wo sie doch das verleugnen, was von der Wahrheit zu euch gekommen ist, und den Gesandten und euch selbst vertreiben, weil ihr an Allah, euren Herrn, glaubt. (Nehmt sie nicht zu Schutzherren), wenn ihr wirklich ausgezogen seid zum Abmühen auf Meinem Weg und im Trachten nach Meiner Zufriedenheit. (Tut das nicht, indem) ihr ihnen heimlich Zuneigung zeigt, wo Ich doch besser weiß, was ihr verbergt und was ihr offenlegt. Und wer von euch das tut, der ist fürwahr vom rechten Weg abgeirrt. Wenn sie auf euch treffen, sind sie euch feind und strecken gegen euch ihre Hände und ihre Zungen zum Bösen aus. Sie möchten gern, ihr würdet ungläubig.“ [Koran 60:1-2]

So verbietet der Koran, diejenigen als Schutzherren zu nehmen, die Muslime aus ihren Häusern vertreiben und sie betrügen und angreifen, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Diejenigen, die vor dem muslimischen Glauben keinen Respekt haben und die wollen, dass die Muslime ihren Glauben verlassen, können nicht als Beschützer genommen werden. Dies ist die korrekte Interpretation, die auf dem Kontext des Verses beruht. Um zum Abschluss zu kommen zitieren wir noch einmal Dr. Muzammil Siddiqi:

Den Muslimen ist es gestattet, Nicht-Muslime als Freunde zu haben, solange sie ihren eigenen Glauben behalten und den Islam unverfälscht und fest leben. Diejenigen, die aufzeigen, dass es einem muslimischen Mann erlaubt ist, eine jüdische oder christliche Frau zu heiraten, haben recht. Es ist offensichtlich, dass man jemanden liebt, mit dem einen Liebe und Freundschaft verbinden. Wenn Freundschaft zwischen Muslimen und Juden oder Christen verboten wäre, warum würde der Islam dann einem Muslim erlauben, eine jüdische oder christliche Frau zu heiraten? Es ist die Pflicht eines Muslims, die Muslime zu beschützen. Sie sollten niemanden beschützen, der gegen ihren Glauben ist oder diesen sogar bekämpft, auch wenn sie Väter und Brüder sind. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„O die ihr glaubt, nehmt nicht eure Väter und eure Brüder zu Schutzherren', wenn sie den Unglauben mehr lieben als den Glauben! Wer von euch sie zu Vertrauten nimmt, das sind die Ungerechten.“ [Koran 9:23]

Auf ähnliche Weise weist der Koran die Muslime an, dass sie niemals Nicht-Muslime gegen andere Muslime unterstützen sollen. Wenn Muslime Nicht-Muslimen Unrecht tun, dann ist es sehr wohl die Pflicht der Muslime, den Nicht-Muslimen zu helfen und sie aus der Unterdrückung zu befreien. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) sagte, dass er selbst einen Dhimmi, der unter Muslimen lebt verteidigen würde, wenn ihm die Muslime Unrecht antun. Doch der Islam lehrt auch, dass Muslime nicht die Schutzherrschaft von Nicht-Muslimen gegen andere Muslime suchen sollen. Sie sollten versuchen, ihre Probleme unter sich zu lösen.

Der Islam ist eine Religion des Friedens und des Mitgefühls. Daher verlangt er von seinen Anhängern, andere Menschen auf die bestmögliche Weise zu behandeln. Der Vers 5:51 bezieht sich nicht auf Freundschaft, sondern auf Schutzherrschaft und der historische Kontext zeigt, dass dieser Vers den Muslimen untersagt, die Schutzherrschaft und Allianz mit denen zu suchen, die dem islamischen Glauben feindlich gegenüberstehen. Er bezieht sich nicht auf alle Nicht-Muslime, wie die Gelehrten des Islam klar gemacht haben.

Schlussfolgerung

Der Islam ist eine Religion der Gnade und Gerechtigkeit. Er ruft alle Menschen zur Verehrung des Einen Gottes, Der uns alle erschaffen hat.

Was einige Menschen fälschlicherweise als Islam darstellen wurde als völlig entgegengesetzt zu den Werten und Gesetzen des Islam entlarvt. Die Erzählungen und Verse, die in diesem Artikel erklärt wurden, werden oft von denjenigen missinterpretiert, die den Islam schlecht machen möchten und Hass unter seinen Anhängern sähen wollen. Indem sie das tun folgen sie den Fußstapfen der historischen Tyrannen, die ethnische Säuberung verfolgten, indem sie eine Gruppe als böse darstellten.

Dies war die Methode der Nazis, die millionen von Juden abschlachteten, indem sie sie als Christen-Mörder abstempelten. Die Geschichte wiederholt sich und es ist schade, dass die Menschen nicht aus vergangenen Gräueltaten lernen.

Heutzutage erfahren die Muslime den gleichen Hass, da die Leute den Angriffen  dem Islam gegenüber toleranter werden. Die einzige Möglichkeit, dies zu ändern ist Bildung. Jeder muss sich danach bemühen, die Wahrheit über eine missverstandene Religion zu verbreiten. Der Islam ist nicht der Feind. Hass, Intoleranz und Ignoranz sind die Feinde der Menschheit.

Möge Allah uns beschützen!

 

Falsch interpretierter Vers Nummer 9

"They question you concerning fighting in the sacred month. Say: Fighting therein is a great/grave (matter); but to prevent access to God, to deny Him, to prevent access to the Sacred Mosque, to expel its members and polytheism are worse than slaughter. Nor will they cease fighting you until they make you renegades from your religion. If any of you turn back and die in unbelief, your works will be lost and you will go to Hell. Surely those who believe and leave their homes to fight in God's Cause have the hope of God's Mercy." [Koran 2:217-218]]

Wieder wurde die Übersetzung verändert. Vor dem Betrachten der Interpretation sollten wir eine klarere Übersetzung zu Rate ziehen:

„Sie fragen dich nach dem Schutzmonat, danach, in ihm zu kämpfen. Sag: In ihm zu kämpfen ist schwerwiegend. Aber von Allahs Weg abzuhalten - und Ihn zu verleugnen -, und von der geschützten Gebetsstätte (abzuhalten) und deren Anwohner von ihr vertreiben, ist (noch) schwerwiegender bei Allah. Und Verfolgung ist schwerwiegender als Töten. Und sie werden nicht eher aufhören, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurer Religion abgekehrt haben - wenn sie (es) können. Wer aber unter euch sich von seiner Religion abkehrt und dann als Ungläubiger stirbt -, das sind diejenigen, deren Werke im Diesseits und im Jenseits hinfällig werden. Das sind Insassen des (Höllen)feuers. Ewig werden sie darin bleiben. Diejenigen (aber), die glauben, und diejenigen, die auswandern und sich auf Allahs Weg abmühen, sie hoffen auf Allahs Erbarmen. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ [Koran 2:217-218]

Es ist ersichtlich, wie abträglich es für Islam-Hasser ist, eine Authentische und unverfälschte Übersetzung zu benutzen, da es ihre Täuschungsmethoden offenlegt. Der Zusammenhang dieses Verses bezieht sich auf eine Expedition einer Gruppe der Gefährten des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) unter der Leitung von Abdullah bin Jahsh Asadi. Die Gefährten bemerkten eine Karawane der Quraysh. Da die Quraysh den Muslimen Krieg erklärt hatten, sie verfolgt, aus ihren Häusern vertrieben, ihr Eigentum gestohlen hatten und die Gefährten, die da waren, sahen, dass sie Vergeltung üben könnten. Sie töteten einen Mann aus der Karawane und nahmen zwei Männer gefangen. Als sie nach Madinah zurückkehrten missbilligte der Prophet ihre Attacke während des heiligen Monats. Doch Gott sandte diesen Vers herab, um die Muslime zu erinnern, dass ein Töten während des Schutzmonats zwar schlimm sei, die Verfolgung und Vertreibung von Menschen aus ihren Häusern wegen ihres Glaubens jedoch schlimmer. So macht der Vers klar, dass die Muslime im Angesicht der terroristischen Attacken der Polytheisten standhaft bleiben sollten und sich an Gott wenden sollten anstatt aufzugeben und von der Wahrheit abzulassen. Wie Sheikh Safiur Rahman Al-Mubarakpuri über Vers 2:217 schreibt:

Die Worte Allahs waren sehr klar und drückten aus, dass der Tumult, der von den Polytheisten ausgelöst wurde grundlos war. Die geheiligten, unverletzlichen Friedensrechte waren im langen Kampf gegen den Islam und der Verfolgung seiner Anhänger immer wieder verletzt worden. Die Gesundheit der Muslime, wie auch ihre Häuser, waren bereits geschändet worden und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) war Ziel verschiedener Anschläge auf sein Leben… Kurz danach wurden die beiden Gefangenen freigelassen und Blutgeld (zur Wiedergutmachung) wurde an den Vater des Getöteten bezahlt. (vgl. für Details Zad Al-Ma´ad, 2/83-85, Ibn Hisham, 1/605; Rahmatul-lil´Alamin, 1/115. 2/468). (Almubarakpuri, Ar-Rahiq Al-Makhtun; Riyadh-Saudi Arabia, Darus-Salam Publikations, 1996; Seiten 205-206, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Falsch interpretierter Vers Nummer 10

„Und kämpft auf Allahs Weg und wisst, dass Allah Allhörend und Allwissend ist.“ [Koran 2:244]

“Those who believe fight in the cause of Allah, and the unbelievers Fight in the cause of Evil, so destroy such minions of the devil!” [Koran 4:76]

Vers 4:76 wird wie folgt übersetzt:

„Diejenigen, die glauben, kämpfen auf Allahs Weg, und diejenigen, die ungläubig sind, kämpfen auf dem Weg der falschen Götter. So kämpft gegen die Gefolgsleute des Satans! Gewiss, die List des Satans ist schwach.“[Koran 4:76]

Wir haben die Gründe bereits aufgezählt, aus denen es Muslimen erlaubt ist zu kämpfen in unserem Kommentar zu Vers 2:216, am Anfang des Artikels. Dr. Maher Hathout kommentiert den Vers 4:76, indem er sagt:

Dieser Vers ist mit den zwei vorhergehenden Versen verwandt (siehe 4:74-75), wo erwähnt wird, dass diejenige, die für die Sache Gottes kämpfen belohnt werden, egal ob sie siegreich sind oder verlieren. Das Kämpfen für die Sache Gottes schließt die Befreiung von Unterdrückten mit ein, womit hilflose Männer und Frauen gemeint sind, die sich nach Freiheit sehnen und dafür beten. Die Gläubigen kämpfen für die Sache Gottes und die Ungläubigen kämpfen für die Sache ihrer Götzenbilder. Ein Götzenbild mag konzeptuell verstanden werden. Zum Beispiel mag das Böse oder die Habgier figurativ als Götzenbild konzipiert sein. Die Gläubigen sollten all ihr Vertrauen in Gott den Allmächtigen und Mächtigen setzen und nicht die ungläubigen mit ihren böswilligen Plänen fürchten. Böswillige Pläne sind immer der Güte unterlegen. (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, S.50)

Der Vers 2:244 klärt die Gläubigen auf, keine Grenzen zu überschreiten, denn sie müssen wissen, „dass Allah Allhörend und Allwissend ist.“ [Koran 2:244]. So ist sich ein wahrer Muslim bewusst, dass Gott zusieht, wenn er die Rechte Anderer verteidigt und überschreitet seine Grenzen nicht, wenn er Gerechtigkeit durchsetzt.

Falsch interpretierter Vers Nummer 11

„Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen - von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde -, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind!“ [Koran 9:29]

Einige Menschen meinen fälschlicherweise, dem Vers 9:29 entnehmen zu müssen, dass den Muslimen befohlen wird, Nicht-Muslime anzugreifen, bis sie Geld bezahlen. In Wahrheit aber ist eine solche Interpretation absolut falsch und widerspricht den authentischen islamischen Lehren. In seinem Kommentar zu diesem Vers schreibt Sheikh Jalal Abualrub:

Diese Ayat (Koranischen Verse) zeigen die Notwendigkeit, gegen die Leute der Schrift zu kämpfen, aber unter welchen Bedingungen? Wir haben vorher festgestellt, dass der islamische Staat keine Nicht-Muslime angreifen darf, die dem Islam nicht feindlich gesinnt sind, die keine Muslime unterdrücken oder versuchen, Muslime mit Gewalt von ihrer Religion abzubringen, sie aus ihren Ländern zu vertreiben, ihnen Krieg erklären oder Angriffe gegen den Islam vorzubereiten. Wenn eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist es den Muslimen erlaubt sich selbst zu verteidigen und ihre Religion zu verteidigen. Muslime dürfen keine Nicht-Muslime angreifen, die Friedensvereinbarungen mit ihnen getroffen haben oder welche, die unter dem Schutz des islamischen Staates leben. (Abualruf, Holy Wars, Crusades, Jihad)

Die folgende Fatwa [Rechtsgutachten] zeigt auf, dass Muslime keinen friedlichen nicht-muslimischen Staat angreifen können:

Frage: Ist es für einen islamischen Staat verpflichtend, ihren benachbarten nicht-muslimischen Staat anzugreifen und `Jizyah` von ihnen zu fordern? Sehen wir das in den Beispielen der rechtgeleiteten Kalifen, die gegen das römische und das persische Imperium kämpften, ohne dass von ihnen Aggression ausging?

Dies wird von Sheikh Hani al-Jubayr, Richter im Obersten Gericht in Jeddah, beantwortet:

Wenn das nicht-muslimische Land nicht das muslimische Land angreift, noch aufrüstet, um das Praktizieren und die Verbreitung des Islam zu unterbinden und auch keine Moscheen zerstört oder die muslimische Bevölkerung in ihrem Recht beschneidet, ihren Glauben zu leben und den Unglauben verächtlich zu machen, dann darf das muslimische Land dieses Land nicht angreifen. Jihad der militärischen Art war den Muslimen immer nur erlaubt, um ihre Religion zu verteidigen und um Unterdrückung von den Menschen abzuwenden.

Die Perser und Römer waren in der Tat dem Islam feindlich gesinnt und griffen die Muslime zuerst an.

Der Perserkönig Kroesus war so weit gegangen, seinem Kommandeur in Jemen zu befehlen, den Propheten (Friede und Segen auf ihm) zu töten. Die Römer mobilisierten ihre Streitkräfte, um gegen den Propheten ( Friede und Segen auf ihm) zu kämpfen und die Muslime trafen in den Schlachten von Mu´tah und Tabuk auf sie während der Lebzeiten des Propheten (Friede und Segen auf ihm).

Möge Allah (t) uns alle rechtleiten. Und Friede und Segen seien auf unserem Propheten Muhammad.

Die obengenannte Fatwa bezieht sich auf den historischen Kontext, in dem der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) gegen andere Nationen kämpfte. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) begann keine Auseinandersetzung mit irgendjemandem, bis er oder seine Gefolgsleute von allen attackiert wurden, die den neuen islamischen Staat vernichten wollten. Die ersten Feindlichkeiten zwischen den Muslimen und dem Römischen Weltreich begannen, als der Gesandte des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) Al-Harith bin Umair Al-Azdi zum Stamm von Ghassan kam (einem Gouvernat des römischen Imperiums) und dort aufgehängt und enthauptet wurde (Al-Mubarakkpuri, Ar-Rahiq Al-Makhtum, S. 383). Die Tötung eines Diplomaten war ein offener Akt der Kriegserklärung und der Prophet Muhammad schickte eine bewaffnete Armee gegen diesen Stamm aus. Das Römische Reich schickte jedoch Truppen und im anschließenden Kampf, der als die Schlacht von Mu´tah bekannt wurde, wurden die Muslime geschlagen. Nach diesem Vorfall fanden weitere Kämpfe zwischen den Muslimen und dem Römischen Reich statt und die Muslime waren siegreich. Genauso wurden wie in der oben erwähnten Fatwa, die Streitigkeiten zwischen den Muslimen und den Persern nur dadurch begonnen, dass der Persische Herrscher Kroesus seinem Gouverneur in Jemen, Badham, anordnete, den Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) zu töten, obwohl diese Anschläge dadurch vereitelt wurden, dass letzterer den Islam annahm. Andere nicht-muslimische Gruppen, wie die in Medina begannen auch Streitigkeiten gegen den Islam und verletzten damit Friedensvereinbarungen, wie Scheikh Sayyid Sabiq schreibt:

Was den Kampf gegen die Juden (Leute der Schrift) betrifft, hatten sie einen Friedensvertrag mit dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) geschlossen, nachdem er nach Medina ausgewandert war. Kurz danach brachen sie den Friedensvertrag und schlossen sich den Götzendienern und Heuchlern gegen die Muslime an. Sie kämpften auch in der Schlacht von Ahzab gegen die Muslime, dann offenbarte Allah… [hier zitiert er Vers 9:29] (Sayyid Sabiq, Fiqhu as-Sunnah, Band 3, S. 80)

Im Licht des historischen Kontext dieses Verses wird es klar, dass der Vers in Verbindung damit offenbart wurde, dass die Muslime angegriffen wurden. Wie Dr. Jamal Badawi aus dem Vers 9:29 und ähnlichen Versen schließt:

Alle dieser Verse beziehen sich ausnahmslos bei genauerer Betrachtung auf die Unterdrückung, unter der die Muslime zur Zeit des Propheten (Friede und Segen auf ihm), zu leiden hatten, entweder durch götzendienerische Araber, einige der jüdischen Stämme in Medina oder durch einige Christen.

Daher ist der Befehl zu kämpfen in Vers 9:29 auf die Nicht-Muslime bezogen, die von sich aus angreifen und nicht diejenigen, die in Frieden leben wollen. Der Vers zeigt einige Konditionen, die stattfanden, als er zur Zeit des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) offenbart wurde. Sheikh Sayyid Sabiq schreibt dazu:

Aus dem hier Erwähnten geht hervor, dass der Islam nicht erlaubt, Streitigkeiten zu beginnen, außer 1. Angriffe abzuwehren, 2. Die Ausbreitung des Islam zu schützen und 3. Fitnah und Unterdrückung abzuwehren, um die Freiheit der Religion zu gewährleisten. In solchen Fällen wird das Kämpfen zur Notwendigkeit in der Religion und wird zu einem ihrer geheiligten Bestandteile. Dies wird als `Jihad` bezeichnet. (Sayyid Sabiq, Fiqhu as-Sunnah, Band 3, S.81)

Der Vers fährt damit fort, einige Angelegenheiten des islamischen Staates zu erwähnen, die sich auf die Regelungen für nicht-muslimische Bürger beziehen. Dr. Maher Hathout kommentiert diese Regelungen in Vers 9:29:

Religionsfreiheit ist ein essenzieller Aspekt im islamischen Staat. Eine der fünf Säulen des Islam ist die Zakah (Almosensteuer). Die Leute der Schrift (Christen und Juden) sind nicht verpflichtet, die islamische Zakah zu bezahlen, die vom Staat für soziale Angelegenheiten und Staatsangelegenheiten wie sie der Koran definiert (siehe 9:60) aufgewendet werden. Sie müssen aber andere Steuern bezahlen, um sich am Staatsbudget zu beteiligen. Wenn sie sich weigern, diese Steuern an den Staat zu bezahlen und gegen ihn rebellieren, so wird es eine Verpflichtung für den Staat, gegen sie vorzugehen, bis sie bereit sind, zu bezahlen. Das ist, was der Kalif Abu Bakr nach dem Tod des Propheten (Friede und Segen auf ihm) tat, als einige Leute nicht bereit waren, die Zakah zu bezahlen. (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, S.53)

Der Vers erwähnt Jizyah, welche von einigen Menschen leider missverstanden wird. Wie jeder Staat verlangt die islamische Regierung Steuern von der Bevölkerung im Gegenzug für ihre Leistungen. Da Muslime Zakah bezahlen, wird von den Nicht-Muslimen gefordert die Jizyah zu bezahlen (für Mehr Information zum Thema Jizyah, siehe Jizyah im Islam und Jihyah und die Nicht-Muslimischen Minderheiten). Dr. Monqiz As-Saqqar schreibt zur Jizyah-Steuer:

Die Summe der Jizyah war niemals so groß, dass die Menschen sie nicht bezahlen konnten. Im Gegenteil, sie war immer durchdacht und gut zu leisten. Während der Lebzeiten des Propheten (Friede und Segen auf ihm) überschritt die Jizyah niemals einen Dinar jährlich und sie überschritt während der Regierungszeit der Umayyaden niemals vier Dinar.

Sheikh Abu´l-Hasan Al-Mawardi (gest. 1058 n.Chr) zeigt explizit, dass die Jizyah mit Rücksicht auf das durchschnittlichen Einkommen der Menschen festgelegt werden sollte und der Imam sollte die Höhe in Übereinstimmung mit den Führern der zu besteuernden Gruppen festlegen:

Die Fuqaha (Juristen) sind sich nicht einig in Bezug auf die Höhe der Jizyah. Abu Hanifah meint, dass diejenigen, die diese Steuer betrifft von drei verschiedenen Arten sind: Die Reichen, von denen 48 Dirham genommen werden, die Durchschnittsbürger, von denen 24 Dirham verlangt werden und die Armen, die 12 Dirham aufbringen müssen: Er schrieb diesbezüglich die minimalen und maximalen Abgaben fest und verbietet jede weitere Rechtsprechung für diejenigen, die für die Sammlung verantwortlich sind. Malik jedoch setzt den kleinst- und größtmöglichen Betrag nicht fest und meint, dass die Verantwortlichen diese kleinsten und größten Beträge selbst festlegen sollen. Was  Ash-Shafi´i betrifft, hält er einen Dinar für den kleinstmöglichen Betrag und es ist nicht erlaubt, ihn zu unterschreiten, während er das Maximum nicht festsetzt, da es vom Ijtihad (der Rechtsprechung) der Verantwortlichen abhängig ist: der Imam sollte auf jeden Fall versuchen, zwischen den vorgeschlagenen Beträgen abzuwägen oder zu einem Betrag zu kommen, der in Übereinstimmung mit der Meinung der Leute festgesetzt wird. Wenn seine Rechtsprechung eine Übereinstimmung für die Jazyah erzielt, die die Führer der zu Besteuernden zufrieden stellt, so wird dies für sie alle und ihre Nachfolger bindend, Generation nach Generation, und kein Führer kann im Nachhinein diese Höhe verändern, sei es eine Erhöhung oder eine Senkung. (Al-Mawardi, Al-Akham as-Sultaniyyah, Ta-Ha Publishers LTd. 1996, Seiten 209-210)

Die Gesetze des Islam verbieten den Muslimen, Nicht-Muslime zu unterdrücken, und gebietet ihnen, andere mit Gerechtigkeit und Mitgefühl zu behandeln. In der Tat verbot der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) selbst den Muslimen, nicht-muslimische Bewohner eines islamischen Staates oder irgendeinen Nicht-Muslim zu verletzen, mit dem ein Friedensabkommen besteht. Er sagt,

„Wer einem Vertragspartner Unrecht tut, sein Recht verletzt, ihn überbelastet oder mit Gewalt etwas von ihm nimmt, dessen Ankläger werde ich am Tag des Gerichts sein.“ [Sunan Abi Dawud 170/3 Nr. 3052, Sunan an-Nasa´i 25/8 Nr. 2749 und überprüft von Al-Albani Nr. 2626]

In Schlussfolgerung dessen gebietet der Vers 9:29 den Muslimen, nur gegen diejenigen zu kämpfen, die sie von sich aus angreifen, wie durch den historischen Kontext gezeigt werden konnte. Die Muslime dürfen nur unter bestimmten Bedingungen kämpfen und ihnen wird befohlen, friedlich mit friedlichen nicht-muslimischen Nachbarn zusammenzuleben.

Eine ähnliche Überlieferung

Gottes Botschafter (Friede und Segen auf ihm) sagte: „Mir wurde befohlen die Menschen so lange zu bekämpfen bis sie sagen, Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Allah.“ [Bukhari, Band 4, Buch 52, Nummer 196]

Was diesen Hadith betrifft, wurde nur ein Teil davon zitiert und der gesamte Text liest sich wie folgt:

Und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) sprach, „Mir wurde befohlen die Menschen so lange zu bekämpfen bis sie sagen, Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Allah und dass ich der Gesandte Allahs bin, bis sie das Gebet verrichten, die Zakah bezahlen, und wenn sie dies tun, so soll ihr Blut und Geld vor mir geschützt sein, außer ein islamisches Gesetz gebietet es, und ihr Gewinn wird bei Allah sein.“

Diese Erzählung erwähnt einige der Säulen des Islam, an denen die Muslime festhalten müssen. Das Kämpfen, das hier angeordnet wird, bezieht sich auf die Durchsetzung der Gesetze und Regelungen in einem islamischen Staat. Genau wie moderne Regierungen ihre Gesetzespolitik durchsetzen, macht es auch der islamische Staat. Diese Gesetzespolitik bezieht sich auf die Muslime, die ihre Zakah (Almosensteuer) bezahlen und die Gesetze in einem islamischen Staat aufrechterhalten. Diejenigen, die die Aussprüche des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) am besten verstanden, waren seine Gefährten und wir können uns anschauen, wie sie die Aussprüche des Propheten Muhammad angewendet haben, um ein besseres Verständnis dafür zu bekommen. Man kann sehen, dass nach dem Tod des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) viele Heuchler, die vorgegeben hatten, Muslime zu sein, begannen, sich abzuwenden und ihre religiösen Pflichten vernachlässigten. Ein Beispiel dafür war die Zakah (die Almosensteuer). Sie wollten die Befehle Gottes außer Acht lassen. Es geschah hierauf, dass Abu Bakr, der erste Kalif und Kalif dieser Zeit, diese Erzählung zitierte, um klar zu stellen, dass er nicht tolerant sein würde und dass er sie bekämpfen würde, bis sie einverstanden waren, den Islam im Ganzen zu praktizieren. Die Auseinandersetzungen, die daraus folgten, wurden als die Kämpfe von Riddah bekannt. Ähnlicherweise können wir beobachten, dass heutige Regierungen es nicht tolerieren würden, wenn ein Bürger nicht bereit wäre, die Steuern zu bezahlen, oder die Gesetze des Landes einzuhalten. Wenn jemand in einem Staat oder Land lebt, muss er die Regeln  beachten, um die Sicherheit und die Gesundheit der Gemeinschaft zu ermöglichen. Wir sollten beachten, dass die „Menschen“ oder „Leute“, von denen diese Erzählung spricht, sich nicht auf die gesamte Menschheit bezieht. Wie Sheikh Ahmed Ibn Taymiyah sagt:

„Es bezieht sich auf diejenigen, die einen Krieg beginnen, gegen die Allah uns erlaubt hat zu kämpfen. Es bezieht sich nicht auf diejenigen, die Abkommen mit uns haben, mit denen Allah uns gebietet, unseren Verträgen nachzukommen. „ [Majmu´ al-Fatawa 19/20]

Es ist klar, dass diese Erzählung nicht beinhaltet, den Islam den Nicht-Muslimen aufzuzwingen, da der Koran explizit sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Es gibt keinen Zwang im Glauben…“ [Koran 2:256]

Wir haben uns mit dem Inhalt dieses Verses bereits in unserer Diskussion über Vers 9:5 auseinandergesetzt. Wenn man sie im Lichte des richtigen Kontextes betrachten, werden diese Verse und Erzählungen klar.

Falsch interpretierter Vers Nummer 12

„ […] so wird Allah Leute bringen, die Er liebt und die Ihn lieben, bescheiden gegenüber den Gläubigen, mächtig (auftretend) gegenüber den Ungläubigen, und die sich auf Allahs Weg abmühen und nicht den Tadel des Tadlers fürchten. Das ist Allahs Huld, die Er gewährt, wem Er will. Allah ist Allumfassend und Allwissend“ [Koran 5:54]

„Muhammad ist Allahs Gesandter. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber hart, zueinander aber barmherzig…“ [Koran 48:29]

Nicht-Muslime glauben, dass diese Verse den Muslimen befehlen, rau und grausam den Nicht-Muslimen gegenüber zu sein. Lassen sie uns zuerst den gesamten Vers betrachten:

„Muhammad ist Allahs Gesandter. Und diejenigen, die mit ihm sind, sind den Ungläubigen gegenüber hart, zueinander aber barmherzig. Du siehst sie sich verbeugen und niederwerfen, indem sie nach Huld von Allah und Wohlgefallen trachten. Ihr Merkmal steht auf ihren Gesichtern durch die Niederwerfung. Das ist ihr Gleichnis in der Tora. Und ihr Gleichnis im Evangelium ist das eines Getreidefeldes, das seine Triebe hervorbringt und dann stärker werden läßt, so daß sie verdicken und ebenmäßig auf ihren Halmen stehen, so daß es den Anbauern gefällt. (Dies,) damit Er die Ungläubigen durch sie ergrimmen lasse. Allah hat denjenigen von ihnen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, Vergebung und großartigen Lohn versprochen.“ [Koran 48:29]

Das arabische Wort „Ashidda“ meint keine Rücksichtslosigkeit sondern Stärke und Beständigkeit. Mitleidlosigkeit ist eine nicht zu akzeptierende Übersetzung. Von den verschiedenen Übersetzern wird Ashidda wie folgt übersetzt [bei den Übersetzungen ins Englische]:

Pickthall: hart, Yusuf Ali: stark; Darybadi: ernst, streng; Khan Hilali: ernst; F. Malik: stark; Shakir: mit festem Herzen; Arberry: hart; Irving: strikt

Die Ungläubigen, auf die sich diese Verse beziehen, sind ebenfalls solche, die Muslime verfolgt und attackiert haben. Sheikh Fawzi Al-Athari sagte darüber folgendes:

Und ähnlicherweise behandeln wir die Ungläubigen, wenn sie uns gut behandeln und gut mit uns umgehen und auf eine gute Art und Weise, dann gehen wir gut mit ihnen und behandeln sie gut und auf eine gute Art und Weise.  Wenn aber ihr Betragen und ihr Verhalten schlecht sind [das heißt ungerecht und grausam], dann behandeln wir sie genau so, wie sie uns behandeln. Dies erlaubt die Gesetzgebung. Doch der Prophet (Friede und Segen auf ihm) hat in allen Erzählungen, die über sein Leben überliefert sind klar gemacht, dass eine gewisse Balance und Gerechtigkeit herrschen muss. Dies bezieht sich sowohl auf die Leute des Unglaubens, als auch auf die die Glauben haben.

Die Muslime wurden angewiesen, für ihre Religion gerade zu stehen, und sich selbst gegen die Verfolgung durch die Ungläubigen zu verteidigen. Wieder stellen wir bei der Betrachtung des historischen Kontextes fest, dass sich dies auf diejenigen bezieht, die die Muslime kontinuierlich angreifen. So finden diese Verse in Situationen Anwendung, die diesem historischen Kontext ähnlich sind. Da dieser Vers die Gefährten des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) erwähnt und ihren Weg lobt, ist es angebracht, einige Überlieferungen über die Gefährten zu betrachten. Mus´ab bin Umair war ein bemerkenswerter Gefährte des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm). Er wurde nach Medina gesandt, um die Botschaft des Islam mit den dort lebenden Menschen zu teilen. Dabei gab es folgenden Vorfall:

Einmal saßen Mus´ab und Sad in der Nähe eines Brunnens in einer Obstplantage des Zafar-Klans. Bei ihnen waren einige neue Muslime und Menschen, die am Islam interessiert waren. Ein mächtiger Mann der Stadt, Usaid ibn Khudayr, kam und schwenkte seinen Speer. Er war sehr wütend. Sad ibn Zararah sah ihn und sagte zu Mus´ab: „Dies ist ein Stammesfürst. Möge Gott Glauben in sein Herz bringen.“ „Wenn er sich setzt, werde ich mit ihm sprechen,“ antwortete Mus´ab, und zeigte so die ganze Ruhe und das Taktgefühl eines guten Tages. Der ärgerliche Usaid beschimpfte Mus´ab und seinen Gast drohte ihnen. „Warum seid ihr beide zu uns gekommen, um die Schwachen unter uns korrupt zu machen? Haltet euch von uns fern, wenn ihr am Leben bleiben wollt. „Mus´ab lächelte warm und freundlich und sagte zu Usaid: „Möchtest du dich nicht setzen und zuhören? Wenn du zufrieden und glücklich mit unserer Mission bist, dann akzeptiere sie und wenn du sie nicht magst, werden wir aufhören, dir zu erzählen, was du nicht magst und diesen Ort verlassen.“ „Das ist eine gute Idee,“ sagte Usaid und setzte sich, wobei er seinen Speer in den Boden steckte. Mus´ab zwang ihn zu nichts. Er prangerte ihn nicht an. Er lud ihn nur ein, zuzuhören. Wenn er zufrieden sein würde, wäre dies gut. Wenn nicht, dann würde Mus´ab das Gebiet ohne Aufhebens verlassen und in ein anderes Gebiet gehen. Mus´ab begann, ihm über den Islam zu erzählen und trug ihm aus dem Koran vor. Noch bevor Usaid begann zu sprechen, konnte man an seinem Gesicht sehen, welches jetzt strahlend und erwartungsvoll war, dass Glaube in sein Herz eingetreten war. Er sagte: „Wie schön sind diese Worte und wie wahr! Was muss ein Mensch tun, um in diesen Glauben einzutreten?“ „Bade, reinige dich selbst und deine Kleidung. Dann sprich das Glaubensbekenntnis (Shahadah) und verrichte das Gebet.“ Usaid verließ die Versammlung und war eine kurze Zeit weg. Er kam zurück und bezeugte, dass es keinen Gott außer Allah gibt und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist.

Ein anderes Beispiel ist das von Thumamah Ibn Uthal, der ein notorischer Krimineller war und viele muslimische Reisende getötet hat. Daher rief ihn der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) als einen gesuchten Verbrecher aus, der gefangengenommen oder getötet werden sollte. Kurze Zeit darauf, als er auf Pilgerreise war, fassten ihn einige Muslime und brachten ihn zum Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm). Der Prophet erkannte ihn, sperrte ihn in der Masjid (Moschee) ein, gab ihm Essen und ordnete sogar an, dass sein eigenes Kamel für ihn gemelkt werden sollte. Sie behandelten ihn eher wie einen Gast als wie einen Kriegsgefangenen! Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) fragte Thumamah, was er zu sagen hatte, worauf er antwortete „Wenn du jemanden zur Vergeltung töten willst, kannst du jemanden von edlem Blut haben, um ihn zu töten. Wenn du aufgrund deiner Großzügigkeit vergeben willst, werde ich dankbar sein. Wenn du Geld zur Wiedergutmachung möchtest werde ich dir geben, was immer du verlangst.“ Der Prophet Muhammad befreite ihn und erlaubt ihm, zu gehen. Am gleichen Tag kam Thumamah zurück und verkündete dem Propheten, dass er den Islam annahm. Daran erkennen wir, dass der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) und seine Gefährten, den edelsten Charakter und die beste Einstellung gegenüber allen Leuten zeigten und das ist es, was so viele Menschen zum Islam brachte. Wie Gott im Koran sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinandergelaufen. So verzeihe ihnen, bitte für sie um Vergebung und ziehe sie in den Angelegenheiten zu Rate. Und wenn du dich entschlossen hast, dann verlasse dich auf Allah! Gewiß, Allah liebt die sich (auf Ihn) Verlassenden.“ [Koran 3:159]

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) wurde von Gott angewiesen, die Menschen zu den Lehren des Islam zu bringen durch den schönen Charakter, den die Muslime zeigen müssen. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) gab diese Nachricht an andere weiter, indem er sagte:

Derjenige, der nicht gnädig zu anderen ist, wird nicht gnädig behandelt werden. [Muslim, Band 8, Buch 73, Nummer 42]

Und es gibt zahlreiche Beispiele, die man hier aufführen könnte, die die freundliche und liebende Natur des Propheten (Friede und Segen auf ihm) zeigen,

Abu Hurairah überlieferte: Ein ungläubiger Beduine urinierte in die Moschee und die Menschen wollten ihn schlagen. Allahs Gesandter (Friede und Segen auf ihm) ordnete an, ihn in Ruhe zu lassen, ihn zum Ende kommen zu lassen und einen Kübel oder Eimer (voll) mit Wasser über den Ort zu schütten, an dem er seinen Urin gelassen hatte. Der Prophet erklärte dem Beduinen ruhig, „Dies ist ein Ort der Anbetung. In ihm ist die Anbetung Gottes und das Lesen des Koran.“ Nachdem der Beduine gegangen war, sagte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) zu seinen Gefährten, „Ihr wurdet geschickt, um die Dinge (für die Menschen) einfach zu machen und nicht, um sie ihnen schwer zu machen.“ [Muslim, Buch 2, Nummer 559 und Bukhari, Band 8, Buch 73, Nummer 149]

Diese Überlieferung allein ist genügend, um zu zeigen, dass der Islam nicht intolerant ist. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) zeigte keinen Ärger oder Missgunst dem nicht-Muslim gegenüber, der auf den Platz der Anbetung der Muslime uriniert hatte! So lehrt der Islam Milde in allen Dingen. Wie der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) sprach:

Wer auch immer keine Milde zeigt, ist allen Guten beraubt. [Muslim, Buch 32, Nummer 6270 & Abu Dawud, Buch 41 Nummer 4791]

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) zeigte immer Toleranz und Mitgefühl in dem, wie er Menschen behandelte, auch Nicht-Muslimen gegenüber. Dr. M. Hamidullah erklärt die folgenden Punkte:

Als der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) in Medina ansässig wurde, fand er dort komplette Anarchie und eine Region, die zuvor niemals einen Staat oder einen König gekannt hatten, der die Stämme in den internen Streitigkeiten vereint hätte. In nur wenigen Wochen schaffte er es, die Bewohner der Region unter eine Ordnung zu bringen. Er konstituierte einen Stadtstaat, in dem die Muslime, Juden, götzendienerischen Araber und ebenfalls vielleicht eine kleine Anzahl von Christen, alle in einen staatlichen Organismus eingegliedert wurden und soziale Verträge abschlossen. Das konstitutionelle Gesetz dieses ersten „muslimischen“ Staates, der aufgrund der Vielfältigkeit der Bevölkerungsgruppen eine Konföderation war, ist uns im Ganzen bekannt und wir lesen darüber nicht nur in Paragraph 25: „Den Muslimen ihre Religion und den Juden ihre Religion,“ oder „damit dort Wohlwollen und Gerechtigkeit herrscht,“ sondern auch die unerwartete Passage im selben Paragraphen 25: „Die Juden… sind eine Gemeinschaft (in Allianz) mit – laut Ibn Hisham und in der Version von Abu-´Ubayd, ein Teil der Gemeinschaft der Gläubigen (d.h. der Muslime).“ Die Tatsache, dass zur Zeit der Konstitution des Stadt-Staates die autonomen jüdischen Dörfer freiwillig der Konföderation beitraten und Muhammad (Friede und Segen auf ihm) als ihren Führer anerkannten zeigt unserer Meinung nach, dass die Nicht-Muslime ein Wahlrecht in der Wahl des Oberhauptes des muslimischen Staates hatten, zumindest soweit es das politische Leben des Landes betrifft. [Hamidullah, Introduction to Islam, Paragraphen 414-416]

Während der Lebzeiten des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) gab es eine jüdische Synagoge in Medina und eine Schule, die als Bait Al-Midras bekannt war. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) erhielt und beschützte beide von ihnen. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) ehrte auch eine Gruppe von Christen von Najran aus Jemen, als sie seine Moschee in Madina besuchten. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) diskutierte mit ihnen über den Glauben und sie beteten in der Moschee auf die christliche Art, während die Muslime in der islamischen Tradition beteten. Die Toleranz des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) wird in folgender Überlieferung deutlich:

Einmal saß der Prophet  an einem Ort in Medina gemeinsam mit seinen Gefährten, als eine Beerdigungs-Prozession vorbeikam. Als er das sah, stand der Prophet (Friede und Segen auf ihm) auf. Einer seiner Gefährten bemerkte, dass es die Beerdigung eines Juden war. Der Prophet antwortete, „War er kein Mensch?“ [Bukhari, Muslim]

Wenn jeder Mensch auf dieser Welt die verschiedenen Ethnien und Kulturen mit diesen Augen sehen würde, würde die Welt in Frieden und Harmonie aufblühen. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) setzte ein Beispiel für seine Gefährten, wie sie Nicht-Muslime mit Freundlichkeit und Respekt behandeln sollten. Dr. Farida Khanam zeigt auch die folgenden Punkte auf:

In der heutigen Welt können sich das Denken, die Geschmäcker, Neigungen, Vorlieben und Ablehnungen der Menschen nicht decken. Aus vielen Gründen entstehen Unterschiede in dieser Welt. Doch was ist die letztendliche Lösung dieses Problems? Die Lösung liegt in Toleranz, die im Arabischen als I´raz bezeichnet wird. Das Leben des Propheten (Friede und Segen auf ihm) diente als perfektes Beispiel für dieses Prinzip. Laut seiner Frau ´A´isha war „sein Charakter […] der Koran“. Das bedeutet, der Prophet (Friede und Segen auf ihm) formte sein eigenes Leben nach dem Ideal, das Anderen in Form des Koran gezeigt wird. Er schlug niemals einen Diener, eine Frau oder irgendjemand anderen. Er kämpfte selbstverständlich für das, was richtig war. Wenn er sich zwischen zwei Alternativen entscheiden musste, nahm er die einfacher, vorausgesetzt, sie beinhaltete keine Sünde. Niemand war vorsichtiger, Sünden zu vermeiden, als er. Er rächte sich niemals für etwas, was ihm selbst angetan worden war. Nur wenn die Befehle Gottes übergangen wurden, vergalt er die Sache auf dem Weg Gottes. Das war es, was dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) allgemeinen Respekt einbrachte. In der frühen mekkanischen Zeit, als die Widersacher in ihrer Anzahl mehr waren als die Gefährten des Propheten, trug es sich oft zu, dass der Prophet, als er zum Beten aufstand, von seinen Gegnern gestört wurde, sie zu ihm kamen, ihm einflüsterten, und ihn schubsten, um ihn zu stören. Doch der Prophet zeigte niemals seinen Ärger über solche Taten. Er war immer für eine Politik der Toleranz und vermied Konfrontation… Als die Gegner sehr stark wurden, verließ der Prophet (Friede und Segen auf ihm) Mekka und ging nach Medina. Doch seine Gegner ließen ihn nicht in Frieden. Sie begannen Medina anzugreifen. Auf diese Art entstand ein Krieg zwischen den Muslimen und den Nicht-Muslimen. Da der Prophet Krieg um jeden Preis vermeiden wollte, versuchte er, Friedensvereinbarungen zwischen ihm und den Mekkanern zu etablieren. Nach seinen großen Anstrengungen, waren die Nicht-Muslime mit dem Abschluss eines 10-jährigen Friedensvertrages einverstanden, der in al-Hudaybiyah entworfen und unterzeichnet wurde. Während dieser al-Hudaybiyah-Vertrag bestand, unternahmen die Mekkaner eine Anzahl sehr provokativer Akte. Zum Beispiel beinhaltete der Vertrag den Namen des Propheten als „Muhammad, der Gesandte Gottes“. Sie bestanden darauf, dass der Ausdruck „Der Gesandte Gottes“ herausgenommen würde und einfach durch „Muhammad, Sohn des Abdullah“ ersetzt würde. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) akzeptierte ihre unbegründete Bedingung und löschte die Angabe mit eigenen Händen. Ähnlicherweise setzten sie die Bedingungen, dass sie Hand an jeden Muslim legen könnten und ihn zur Geisel nehmen könnten, doch wenn die Muslime irgendeinen Nicht-Muslim gefangen nahmen, müssten sie ihn freilassen. Der Prophet gab in diesem Punkt nach. Um Frieden in der Religion zu gewährleisten, akzeptierte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) eine Anzahl solche ungerechtfertigter Klauseln, die die Feinde einbrachten. Auf diese Weise setzte er das Beispiel von Friede und Toleranz, die miteinander verbunden waren. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir von Anderen eine Menge unangenehmer Dinge erdulden. Es gibt keine andere Möglichkeit, Frieden in einer Gesellschaft zu etablieren.

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) baute auch Freundschaften zu Christen auf. Er hielt guten Kontakt zu dem christlichen König Negus von Abessinien während seines ganzen Lebens. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) wählte auch Nicht-Muslime als Botschafter auf. Ein solches Beispiel war Amr ibn Umayyah Ad-Damri. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) schickte eine Botschaft zu den Mönchen von Sankt Katherine auf dem Berg Sinai, indem er folgendes überbringen ließ:

„Dies ist eine Botschaft, geschrieben von Muhammad ibn Abdullah, als ein Vertrag an diejenigen, die das Christentum angenommen haben, weit und fern, wir stehen hinter ihnen. Wahrlich, ich verteidige sie durch mich selbst, die Diener, die Helfer und meine Gefolgsleute, denn die Christen sind meine Mitbürger; und bei Allah! Ich erhebe mich gegen alles, was sie unzufrieden macht. Ihnen gebührt keine Vertreibung. Noch dürfen ihre Richter ihrer Ämter enthoben werden, noch dürfen ihre Mönche aus ihren Klöstern vertrieben werden. Niemand darf ein Haus ihrer Religion zerstören, es beschädigen, oder jemanden aus ihnen in ein muslimisches Haus verschleppen. Sollte jemand dies begehen, so missachtet er Gottes Befehl und verweigert den Gehorsam Seinem Propheten gegenüber. Wahrlich, sie (die Christen) sind meine Verbündeten und sie haben meinen garantierten Freibrief gegen alles, was sie hassen. Niemand darf sie zur Reise zwingen oder sie zum Kampf verpflichten. Die Muslime kämpfen nicht gegen sie. Wenn eine Christin mit einem Muslim verheiratet wird, darf das nicht gegen ihren eigenen Wunsch geschehen. Sie darf nicht abgehalten werden, in ihre Kirche zu gehen, um zu beten. Ihre Kirchen müssen respektiert werden. Sie dürfen weder abgehalten werden, sie zu reparieren, noch darf die Heiligkeit für ihre Anhänger geleugnet werden. Niemand aus dieser Nation darf diesen Vertrag übergehen – bis zum Tage des Gerichts und dem Ende der Welt.“

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) wies seinen Gefährten Mu´adh ibn Jabal an, indem er sagte:

Kein Jude darf gestört werden aufgrund seines jüdischen Glaubens.

Wir müssen auch die Lehren des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) annehmen, was seine Lehren gegenüber der Nachbarn betrifft:

Abu Hurairah berichtete: Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) sagte, „Bei Allah, er ist kein Gläubiger! Bei Allah, er ist kein Gläubiger! Bei Allah, er ist kein Gläubiger!“ Er wurde gefragt,“ Wer ist er, Oh Gesandter Allahs?“ Er sagte, „Einer, dessen Nachbar sich nicht sicher vor seiner Bosheit fühlt. [Bukhari und Muslim]

„Der, der an Gott und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast ehren, soll seinem Nachbarn nicht schaden, soll Gutes sprechen oder schweigen.“ [Bukhari, Muslim]

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) stellte auch insbesondere klar, dass ein nicht-Muslimischer Nachbar diese hervorragende Behandlung genießen sollte:

„Wer auch immer einen nicht-muslimischen Bürger eines islamischen Staates verletzt, verletzt damit mich und wer mich verletzt, handelt damit gegen den Willen Gottes.“ [Bukhari]

„Der, der einen nicht-muslimischen Bürger eines muslimischen Staates verletzt, ich bin sein Ankläger, und ich werde sein Ankläger am Tag des Jüngsten Gerichts sein.“ [Bukhari]

Es ist faszinierend, festzustellen, dass der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) so lautstark Gottes Behandlung der Menschheit unterstützte, dass er sogar bereit war, auf der Seite der Nicht-Muslime gegen die Muslime, die seinen Lehren nicht folgten, zu stehen. Dies ist wahre Gerechtigkeit und dies ist, was zu dem Frieden und dem Erfolg führte, den der Islam in die Welt gebracht hat. Der herausragende Charakter des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) wurde auch von vielen Nicht-Muslimischen Historikern verzeichnet so wie jeder, der sich mit seinem Leben detailliert auseinandergesetzt hat, den güldenen Charakter dieses Menschen bemerken wird. Washington Irving schreibt in seinem Buch „Mahomet and His Successors“:

In privaten Angelegenheiten war er gerecht. Er behandelte Freunde und Fremde, die Reichen und die Armen, die Mächtigen und die Schwachen mit Gleichheit und war von der Allgemeinheit für seine Umgänglichkeit geliebt, mit der er ihnen entgegen kam. Er hörte ihre Beschwerden an. (Irving, Mahomet and His Successors)

Um mehr darüber zu lesen, was Nicht-Muslime über ihm zu sagen haben, besuchen Sie:

http://prophet.dwih.info

Falsch interpretierter Vers Nummer 13

Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt oberhalb der Nacken und schlagt von ihnen jeden Finger!" Dies dafür, daß sie Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkten. [Koran 8:12-13]

Dies ist ein weiterer Vers, der gewöhnlicherweise aus dem Kontext gerissen wird. Sowohl aus dem historischen Kontext als auch aus dem Kontext des Verses selbst im Koran. Lassen sie uns zuerst den gesamten Vers betrachten:

„Als dein Herr den Engeln eingab: "Gewiß, Ich bin mit euch. So festigt diejenigen, die glauben! Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt oberhalb der Nacken und schlagt von ihnen jeden Finger!" Dies dafür, daß sie Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkten. Wer Allah und Seinem Gesandten entgegenwirkt, - gewiß, Allah ist streng im Bestrafen.“ [Koran 8:12-13]

In Dies ist der Kontext des Verses Im Koran. Der historische Kontext ist der, dass der Vers in der Schlacht von Badr offenbart wurde, einer Schlacht, in der die Götzendiener von Mekka über 200 Meilen reisten, um die Muslime in Medina zugrunde zu richten. Die Götzendiener von Mekka hatten eine Armee von etwa 1000 Mann, während die Muslime nur 300 an der Zahl waren. Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) und seine Anhänger hatten während der 13 Jahre in der Stadt Mekka unter harten Verfolgungen und Folter gelitten. Nachdem sie von Mekka in die sichere Stadt Medina geflohen waren, bemerkten sie, dass sie nun erneut bedroht waren. Abul ´Ala Maududi beschreibt die Situation, die zur Schlacht von Badr geführt hat, seit Beginn der Zeit, als die Muslime nach Medina kamen:

Im ersten Jahr der Hijrah wurden vier Expeditionen [von den Muslimen zu den Quraysh] gesandt. Diese waren die Expedizion unter Hamzah, die unter Ubaydah bin Harith, die Expedition unter Sa´ad bin Abi Waqqas und die Al-Awaba´ Expedition unter dem Propheten selbst. Im ersten Monat des zweiten Jahres wurden zwei weitere Exkursionen auf demselben Weg unternommen. Diese wurden als Buwat Expedition und Zawal Ushairah Expedition bekannt. Zwei Dinge, diese Expeditionen betreffend sind nennenswert. Zum Ersten wurde in keiner von ihnen Blut vergossen oder Karawanen geplündert. Dies zeigt, dass das wahre Ziel dieser Expeditionen war, den Quraysh zu zeigen, worum es ging. Zum Zweiten wurde kein einziger der Einwohner Medinas vom Propheten (Friede und Segen auf ihm) zu diesen Exkursionen geschickt. Alle Gruppen bestanden nur aus den Immigranten aus Mekka, so, dass der Konflikt zwischen den Leuten der Quraysh selbst bleiben sollte und nicht durch die Einbindung anderer Klans ausgeweitet. Auf der anderen Seite wollten die Quraysh von Mekka andere in den Konflikt mit hineinziehen. Als sie Gruppen in Richtung al-Madina sandten, schreckten sie nicht davor zurück, zu plündern. Zum Beispiel plünderte eine Expedition unter der Führung von Kurz bin Jabir al-Fihrl den Viehbestand von den Bewohnern  Medinas in der unmittelbaren Umgebung der Stadt, um zu zeigen, was ihre wirklichen Beweggründe waren. Dies war die Situation, als im Monat Sha´aban im Jahre 2 nach der Hijrah (Februar oder März 623 n.Chr) eine große Karawane der Quraysh, die Gold im Wert von 50 000 Dollar mit sich führte, geschützt von nur 30 oder 40 Mann auf ihrem Weg von Syrien nach Mekka das Territorium erreicht, in dem sie von Medina aus leicht angegriffen hätten werden können. Da die Karawane Gold im Wert von Tausenden Pfund mit sich führte und nur leicht bewacht war, fürchtete Abu Sufyan, der dafür verantwortlich war aufgrund seiner früheren Erfahrungen einen Angriff der Muslime. Daher sandte er, sobald er das gefährliche Territorium erreicht hatte einen Kamelreiter mit einem verzweifelten Hilferuf nach Mekka. Als der Kamelreiter Mekka erreichte, folgte er einem alten arabischen Brauch, indem er die Ohren seines Kamels aufriss, seine Nase aufschnitt und seinen Sattel umwarf. Daraufhin zerriss er seine Kleidung vorne und hinten und begann so laut er konnte zu schreien, „Oh Leute der Quraysh, helft, eure Karawane zu beschützen, die unter Abu Sufyan aus Syrien eintrifft, weil Muhammad und seine Gefolgsleute hinter ihr her sind; sonst werdet ihr eure Güter nicht erhalten. Lauft, kommt zu Hilfe!“ Das löste viel Aufregung und Ärger in ganz Mekka aus und alle großen Führer der Quraysh rüsteten sich zum Krieg. Eine Armee aus 600 bewaffneten Soldaten und 100 voll gerüsteten Reitern zogen aus zum Kampf. Sie wollten nicht nur die Karawane retten, sondern auch ein für alle Mal der neuen Bedrohung durch die Muslime, die sich in Medina zusammengeschlossen hatten, ein Ende setzen. Sie wollten diese aufsteigende Macht brechen und die Klans in der Umgebung der Handelsroute so einschüchtern, dass sie absolut sicher für den zukünftigen Handel wird…Der Prophet und die Gläubigen hatten das Verhängnis dieser schwierigen Stunde begriffen und die Lebensgefahr, die davon ausging. Daher marschierten sie direkt in Richtung Süd-Westen, woher die Armee der Quraysh kam. Dies ist ein klarer Beweis, dass sie von Anfang an ausgerückt waren, um gegen die Armee zu kämpfen und nicht, um die Karawane zu plündern. Denn wenn sie die Karawane ausrauben hätten wollen, wären sie gegen Nord-Westen und nicht in südwestliche Richtung gezogen. [Maududi, Tafhim Al-Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer]

Die Mekkaner waren nicht zufrieden damit, dass sie die Muslime aus Mekka vertrieben hatten und wollten, dass sie aus der Umgebung aller Haupt-Handelsrouten vertrieben werden. So unterstützte Gott die Muslime und ließ sie wissen, dass Gott Gerechtigkeit herstellen würde, die über die Unterdrückung herrschen sollte. Er sagte ihnen, dass sie sich nicht fürchten sollten, auf Gottes weg zu kämpfen, sondern dass es der Feind sei, der sich vor Gottes Vergeltung für ihre Unterdrückung und Ungerechtigkeit fürchten sollte. Gott wies auch die ENGEL an, die Gläubigen zu unterstützen und die Ungläubigen zu besiegen. Dies war KEIN Befehl an die Muslime. Sheikh Safiur Rahman Al-Mubarakpuri beschreibt die Situation während der Schlacht von Badr wie folgt:

[Die Mekkaner] waren zu verärgert und wütend und trafen auf die Muslime, um sie ein für alle Mal auszulöschen. Die Muslime jedoch, nachdem sie ihren Herrn angefleht hatten, sie zu beschützen, wurden dazu gebracht, ihre Stellung zu halten und einen defensiven Schlachtplan zu entwickeln, der erfolgreich genug war, schwere Verluste durch die Angreifer zu vermeiden. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) betete unablässig, durchgehend und Tag und Nacht um die Unterstützung seines Herrn. Als die Bedrohung zu heftig wurde, begann er den Herrn anzuflehen, indem er sagte: „Oh Allah! Wenn diese Gruppe (von Muslimen) heute geschlagen wird, dann wist Du nicht länger angebetet werden.“… Sofort kam die Antwort von Allah, Der Engel vom Himmel herab sandte, um dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) und seinen Gefährten zu helfen und sie zu unterstützen. Der edle Koran merkt an:

„Als dein Herr den Engeln eingab: "Gewiß, Ich bin mit euch. So festigt diejenigen, die glauben! Ich werde in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen.“ [Koran 8:12]

(Al-Mubarakpuri, Ar-Rahiq Al-Makhtum; Riyadh-Saudi Arabia, Dar-us-Salam Publikations, 1996, Seiten 219-220)

Auch hier fanden alle vorher erwähnten Gesetze des Jihad Anwendung und den Muslimen wurde befohlen:

„Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiß, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.“ [Koran 8:61]

Es besteht ein großer Unterschied zu glauben, dass unterdrückende Ungläubige von unsichtbaren Engeln bestraft werden und darin, an eine Bestrafung im nächsten Leben zu glauben. Das Wort `Terror`, (Ru´b), das in diesem Vers Verwendung findet, wird im Folgenden unter `Falsch interpretierter Vers Nummer 15` diskutiert.

Falsch interpretierter Vers Nummer 14

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,“ [Koran 5:33]

Der Kontext dieses Verses wird alle negativen Vorurteile gegen den Islam aufklären. Man kann nicht den Vers 5:33 zitierten, ohne den Vers 5:32 (Verbot des Mordes) und den Vers 5:34 (Anweisung zum Vergeben) dazu zu nennen. Lassen Sie uns den Vers im richtigen Kontext betrachten:

„Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält. Unsere Gesandten sind bereits mit klaren Beweisen zu ihnen gekommen. Danach aber sind viele von ihnen wahrlich maßlos auf der Erde geblieben. Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,- außer denjenigen, die bereuen, bevor ihr Macht über sie habt. So wisset, daß Allah Allvergebend und Barmherzig ist.“ [Koran 5:32-34]

Hier gibt es einige Punkte festzuhalten. Der Erste ist die Schwere der Anschuldigung. Dies ist die Strafe für DIEJENIGEN, DIE KRIEG FÜHREN gegen den Propheten Gottes und Böses und Zerstörung verbreiten. In modernen Terminologien würde das als „Terrorismus“ bezeichnet werden. Dies ist die Strafe für ein schweres Vergehen, daher die Schwere der Bestrafung. Wie Muhammad Asad über diesen Vers schreibt:

Das hier zu findende Partizip al-Musrifun beinhaltet ihre „ununterbrochenen Exzesse“ (z.B. Verbrechen) und wird am besten übersetzt mit „sie begehen sie andauernd“. In Anbetracht der vorhergehenden Passagen beziehen sich diese „Exzesse“ offensichtlich auf Verbrechen und Gewalt und im Speziellen auf das gnadenlose Töten von Menschen. (Asad, The Message of the Quran)

Es ist äußerst erschreckend, wie viele Islam-Hasser diesen Vers unter der Bezeichnung von „Aufhetzung der Muslime zum Töten und zur Kriegserklärung“ ansiedeln, während der Vers nichts von alledem befiehlt! In Wahrheit steht er direkt nach einem Vers, der das Töten verbietet das Töten eines einzigen Individuums mit der Abschlachtung der ganzen Menschheit gleich setzt. Der Koran beschreibt die Schwere des Verbrechens gezielt, bevor er die Strafe beschreibt. Das Verbrechen des Mordes und das Begehen terroristischer Handlungen wird im Islam als solch schweres Vergehen geahndet, dass eine schwere Vergeltung beschrieben wird. Krieg gegen Gottes Propheten (Friede und Segen auf ihm) ist gleichbedeutend, mit dem Schöpfer Selbst Krieg zu führen. Es ist ironisch, dass Islam-Hasser diesen Vers verwenden, um ihre Meinung zu rechtfertigen, der Islam rufe zum Terrorismus auf, während muslimische Gelehrte diesen Vers immer benutzt haben, um zu zeigen, dass der Islam Terrorismus entschieden ablehnt. So schreibt zum Beispiel der Islamische Rat für Fiqh von Saudi-Arabien über diesen Vers:

Offensichtlich gibt es angesichts der Schwere solcher aggressiver Handlungen, die in der Shari´ah (dem islamischen Gesetz) als ein Akt des Krieges gegen die Gesetze und die Geschöpfe Gottes verstanden werden, keine schwereren Bestrafungen irgendwo in Menschen-gemachten Gesetzen (Islamic Fiqh Council of Saudi Arabia, Terrorism – Islam´s viewpoint, Muslim World Leage Journal, Jumad al-Ula 1423/Juli 2002 n.Chr)

Ist es zweckmäßig, jemanden über eine spezifische Strafe zu informieren, ohne ihm zu sagen, was das Verbrechen dazu ist? Dies ist genau was die Feinde des Islam tun, um die Leute glauben zu machen, der Islam sei eine gewalttätige Religion. Sie zitieren nur den Vers 5:33 ohne die Verse 5:32 und 5:34, was uns zu unserem nächsten Punkt bringt. Gott hat vielfältige Strafen in diesem Vers beschrieben, indem er das Wort „oder“ dazwischen benutzt, was verschiedene Alternativen impliziert. Die Strafe hängt von den Umständen und der Schwere des Verbrechens ab. Wie Muhammad F. Malik in seiner Übersetzung über diesen Vers schreibt:

The punishment for those who wage war against Allah and His Messenger and strive to create mischief in the land is death or crucifixion or the cutting off their hands and feet from opposite sides or exile from the land (based on the gravity of there offence)… (Malik, Al-Quran: Guidance for Mankind)

Ebenso kommentiert Abdullah Yusuf Ali:

Für das doppelte Verbrechen von Landesverrat und Gottesverrat als offensichtliche Verbrechen werden vier Alternativen für Bestrafung erwähnt, jede davon bei den entsprechenden Umständen… mit der Ausnahme, dass Folterungen wie „Hängen, Strecken und Vierteilen“ im englischen Gesetz, Blenden, und das Aussetzen des Opfers unter der tropischen Sonne, was in Arabien praktiziert wurde, und alle derartigen Strafen abgesetzt wurden. In jedem Fall wurde ehrliche Reue, bevor es zu spät war, als Grund für Gnade erkannt. (Yusuf Ali, The English Translation of the Holy Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

In der Tat zeigt der darauffolgende Vers, dass diese Strafe bei denen, die bereuen, keine Anwendung findet. Dies ist um klar zu machen, dass Gott Allvergebend, Allbarmherzig ist. Gottes grenzenlose Gnade wird wahrhaft klar, wenn man bedenkt, dass Gott gewillt ist, diese grausamen Akte des Terrors, die harte Strafen verdienen, zu vergeben, solange der Verbrecher ehrlich vor Allah bereut und nach seiner Vergebung und wahren Rechtleitung strebt. Die muslimischen Gelehrten haben erwähnt, dass immer wenn Allah uns vor einer Strafe warnt, er uns gleichzeitig einen Ausweg zeigt, um die Strafe zu vermeiden. Viele muslimische Juristen zitieren diesen Vers auch im Falle der Bestrafung für Hirabah (bewaffnete Raubüberfälle oder Straßenräuberei). Unter solchen Umständen, je nach der Schwere der Schuld, wird eine Strafe festgesetzt. Wenn Mord begangen wurde, wird Exekution als Strafe vorgeschrieben. Den Umständen entsprechend können die Richter eine geringere Strafe wählen. Die Verbannung, die der Vers erwähnt, wurde von einigen Rechtsschulen als Gefängnisstrafe aufgefasst. Die Strafe durch Kreuzigung wurde im Vers zwar erwähnt, doch viele muslimische Gelehrte stellten fest, dass sie nie zuvor von der Beschreibung dieser Strafe gehört hatten. In der Tat antwortete Imam Malik, der Gründer der malikitischen Rechtsschule, als er über Kreuzigung befragt wurde, dass er nicht von einem einzigen Fall gehört habe, in dem Kreuzigung als Strafe für bewaffneten Raubüberfall beschrieben wurde. (Siehe Al-Mudawwanah, Band XV Seite 99). Im Lichte dieser Tatsache sagte Sheikh Muhammad S. Al-Awa:

Diese Beobachtung Maliks gibt mir den Eindruck, dass diese Strafe nur beschrieben wurde, um den potenziellen Kriminellen abzuschrecken. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publications, 1993, S.11, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Scheikh Muhammad S. Al-Awa schreibt zu dem Argument, dass solche Strafen barbarisch sind:

Sheikh Muhammad Abu Zahra erklärt in seinem oben erwähnten Buch [Al-Jarima wal- ´Uquba, Seiten 6-11] das Ziel sowohl des islamischen Gesetzes als auch des geheiligten jüdischen Gesetzes, das in der Thora enthalten ist, einerseits öffentliche Sicherheit und Frieden für die Gemeinschaft zu erlangen und andererseits die kriminelle Minderheit zu bestrafen. Dementsprechend wurden die notwendigen Mittel für das Erreichen dieses Vorhabens sowohl in der Thora als auch im Koran beschrieben. Die zweite Frage betrifft das Gesetz der Vergebung für bereuende Verbrecher und ob Hirabah aufgrund dieses Gesetzes mit dem Tod bestraft werden sollte. Um diese Frage zu beantworten sollte man sich erneut ins Gedächtnis rufen, dass diese Strafe, und in der Tat alle Hudud-Strafen im islamischen Rechtssystem hauptsächlich dazu Erwähnung finden, um die Gesellschaft vor Verbrechen zu bewahren. Um dieses Ziel zu erreichen macht es das islamische Gesetz, das Strafe für Kriminelle vorschreibt gleichzeitig möglich, dass sie verschont werden, wenn sie das Ausmaß ihrer Taten begreifen und Besserung geloben. Dies widerspricht nicht der vorherigen Aussage Abu Zahras. Während Bestrafung zurückgehalten werden kann, müssen alle Verletzungen und Schäden, die aus der Tat des Verbrechers folgen, berücksichtigt werden. Auf diese Weise verliert die Gesellschaft nichts. Im Gegenteil, sie gewinnt ein neues Mitglied, der, wenn er nicht die Chance zur Reue bekommen hätte, immer als Gesetzesloser gegolten hätte. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publication, 1993, S.13, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Für weitere Informationen zum Islamischen Strafrecht sei auf den hervorragenden Artikel „Crime and Punishment in Islam (Verbrechen und Strafen im Islam) verwiesen. Andere Gelehrte erklären die islamischen Strafen und stellen vergleiche an. Sheikh Abdul Majid Daryabadi schreibt folgendes über den Vers 5:33:

Es mögen einige dieser Strafen manchen übersensiblen westlichen Lesern als „barbarisch“ erscheinen und ihn an „Streckung und Vierteilung“, einer englischen Strafmaßnehme des 18. Jahrhunderts erinnern, das auf diejenigen angewendet wurde, die des Hochverrats am König oder der Regierung schuldig befunden wurden. Der Schuldige wurde normalerweise mit einem Schlitten zum Hinrichtungsplatz gezogen. Dort wurde er am Nacken an einem Gerüst aufgehängt, aufgeschnitten und ausgeweidet, während er noch am Leben war. Dann wurde sein Kopf von seinem Körper abgetrennt und sein Körper in vier Teile geteilt. Mit dem Beruf ihres Glaubens als Hochverräter verurteilt erlitten viele Katholiken in England und Irland diesen Tod. `Während der Regentschaft von Henry III und Edward I gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass der Tod die gängige Bestrafung für Verbrechen waren; und dies blieb als Landesgesetz für Hochverrat und für alle Verbrechen bestehen mit Ausnahme von Bagatelldiebstählen bis ins Jahr 1826 bestehen´ (Stephen, History of the Chriminal Law of England, Seite 458). Im heutigen englischen Gesetz gilt Räuberei als gewalttätiger Diebstahl; diese Schuld verjährt das ganze Leben lang nicht und ein Mann kann zusätzlich dazu einmal gepeitscht werden. Die Elemente dieser Gesetzgebung sind grundsätzlich im amerikanischen Gesetz die Selben (EBr. XIX S.346)  (Daryabadi, The Glorious Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Im Licht der oben genannten Punkte können wir alle Meinungen, dass dieser Vers Gewalt und Krieg unterstützt klar als gegenstandslos zurückweisen. Der textliche Kontext , der historische Kontext, der gesetzliche Zusammenhang und eine vergleichende Analyse dieses Verses zeigen alle, dass er Gerechtigkeit im Gegenzug für schwere Verbrechen zeigt und keinesfalls die Lügen von Islam-Hassern unterstützt.

Eine ähnliche Überlieferung

Einige Bürger des Stammes von ´Uraina kamen nach Medina und das Klima lag ihnen nicht. So erlaubte Allahs Gesandter (Friede und Segen auf ihm) ihnen, zu der Herde von Kamelen (gespendet als Zakah) zu gehen und deren Milch und Urin (als Medizin) zu trinken, doch sie töteten den Hirten und stahlen alle Kamele. So sandte Allahs Gesandter (Friede und Segen auf ihm) (Männer), um sie zu verfolgen und zu fangen und sie wurden zu ihm gebracht. Er ließ ihre Hände und Füße abschneiden, ihre Augen wurden mit erhitzten Eisen geblendet und sie wurden im Harra (einem steinigen Ort in Medina) bei spitzen Steinen ausgesetzt. [Bukhari, Band 2, Buch 24, Nummer 577]

Diese Erzählung wird oft  zitiert, um den Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) als jemanden darzustellen, der außerordentlich grausame und barbarische Strafen verhängte. Lassen Sie uns die Erzählung genauer und in Zusammenhang mit Erzählungen des selben Ereignisses betrachten. Die Erzählung beinhaltet folgendes:

  • Einige Leute vom Stamm der Urayna (oder Ukil) kamen nach Medina, nachdem sie den Islam angenommen hatten
  • Sie bekamen aufgrund des Klimas eine Krankheit, für welche die Araber normalerweise die Milch und den Urin von Kamelen als Medizin einnahmen
  • Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) erlaubt ihnen, zur Kamelherde zu gehen, damit sie ihre Medizin bekamen
  • Nach ihrer Genesung töteten sie den Hirten und brachten alle Kamele weg
  • Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) befahl, ihre Hände und Füße abzuschneiden, ließ sie mit heißen Eisenstäben blenden und in der Wüste aussetzen

Es ist klar, dass der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) das Abhacken der Hände und der Füße in Übereinstimmung mit dem islamischen Gesetz, das Hirabah (bewaffneten Raub) betrifft. Was in dieser Überlieferung nicht auftaucht, ist der Grund für ihre Blendung mit erhitztem Eisen. Dies wird in anderen Erzählungen erwähnt, in denen berichtet wird, dass sie das Gleiche mit dem Hirten, den sie getötet hatten, getan hatten. Wie Sheikh Abdul Khaliq Hasan Ash-Sharif über diese Erzählung schreibt:

Es sollte klar gesagt werden, dass diese Leute, die zum Propheten (Friede und Segen auf ihm) kamen, Muslime waren und dass sie krank waren. Der Prophet wies sie an, zu der Kamelherde zu gehen und deren Milch und Urin (als Medizin) zu trinken. Sobald sie wieder gesund wurden, töteten sie den Hirten des Propheten (Friede und Segen auf ihm) und brachten alle Kamele weg, die als Sadaqah (Armenspende) gedacht waren: Als der Prophet (Friede und Segen auf ihm) dies erfuhr, verkündete er die Strafe für Hirabah für sie. Hirabah meint das Töten von Menschen und das Rauben ihres Geldes oder die Vergewaltigung ihrer Frauen von einer bewaffneten Gruppe von Menschen. Die Strafe für Hirabah wird im Koran festgelegt. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten und sich bemühen, auf der Erde Unheil zu stiften, ist indessen (der), daß sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie gewaltige Strafe,“ [Koran 5:33]

Was das Ausbrennen ihrer Augen betrifft ordnete der Prophet (Friede und Segen auf ihm) an, die Augen der Leute von ´Ukl oder ´Uraina mit Eisen auszubrennen, weil sie den Schäfer getötet hatten und seine Augen mit Eisen ausgebrannt hatten. Imam Ibn Hajar erwähnte die verschiedenen Meinungen der Gelehrten und er sagte, „Das Töten, das stattgefunden hatte (laut des oben erwähnten Hadithes) war eine Vergeltungsmaßnahme und Allah Der Allmächtige sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Wenn jemand gegen euch übertritt, dann geht (auch ihr) in gleichem Maß gegen ihn vor, wie er gegen euch übertreten hat.“ [Koran 2:194]

Alles in Allem ist es nicht möglich, diese Geschichte als Beweis dafür zu verwenden, dass Folter im Islam erlaubt ist, da der Prophet (Friede und Segen auf ihm) die Strafe für Hirabah auf sie anwendete und dies nicht zur persönlichen Vergeltung tat.

Ebenso schreibt Moiz Amjad:

Es gibt in der oben erwähnten Überlieferung nur eine Stelle, die Fragen beim Leser aufwirft. Es scheint außergewöhnlich, dass, nachdem die Strafe, die im Koran für Verbrechen gegen die Gemeinschaft festgeschrieben ist, Anwendung fand, der Prophet (Friede und Segen auf ihm) anordnete, sie zu blenden. Die meisten der Erzählungen beantworteten diese Frage nicht. Jedoch gibt es eine Erzählung, berichtet von Ibn Al-Jarud´s Al-Muntaqa, in der von Anas berichtet wird, der auch den Grund für diese Bestrafung erklärte. Der Gefährte des Propheten (Friede und Segen auf ihm) sagte demnach:

Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) brannte ihre Augen aus, da sie die Augen des Schäfers ausgebrannt hatten (Band 1, S.216)

Diese Erklärung stellt die Tatsache dass der Prophet (Friede und Segen auf ihm) das Blenden der Schuldigen in Übereinstimmung mit der koranischen Anweisung von Qisas (Al-Baqarah 2: 178, Al-Ma´idah 5:45) angeordnet hatte, um den Mord und die verursachten physischen Verletzungen an jemandem zu bestrafen. In Hinsicht auf die vorhergehende Erklärung finde ich keinen Grund, den Vorfall, über den in der vorliegenden Erzählung gesprochen wird für unauthentisch zu halten.

Sheikh Muhammad al-Qannas, ein Professor an der Al-Imam Universität (Riyadh, Saudi Arabien) setzt die Erzählung in Perspektive, indem er die Ansichten der verschiedenen muslimischen Gelehrten darstellt:

Der oben erwähnte Hadith wird in Sahih al-Bukhari (6802) und in Sahih Muslim (1672) erzählt. Er liest sich wie folgt:

Einige Leute die (zum Stamm) der ´Uraynah gehörten, kamen zum Propheten (Friede und Segen auf ihm) nach Medina, doch das Klima setzte ihnen zu. So sagte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) zu ihnen: Wenn ihr möchtet, könnt ihr zu den Kamelen gehen, die Teil der Almosen sind und ihre Milch und ihren Urin trinken. So taten sie und fühlten sich wieder besser. Dann fielen sie über die Hirten her, töteten sie, wurden Abtrünnige vom Islam und brachten die Kamele des Propheten (Friede und Segen auf ihm) weg. Die Neuigkeiten erreichten den Gesandten Allahs (Friede und Segen auf ihm) und er sandte (Leute) ihnen hinterher. Sie wurden (gebracht) und ihm übergeben. Er ordnete an, ihre Hände abzuhacken und ihre Füße und ließ ihre Augen herausnehmen und warf sie auf steinigen Boden, so dass sie starben.

Die Gelehrten sind sich über diese Bestrafung nicht einig:

Einige sagten: Diese Bestrafung war eine Rache für ihr Handeln und der Prophet (Friede und Segen auf ihm) bestrafte sie auf dieselbe Art, wie sie die Hirten getötet hatten. Es findet in Sahih Muslim Erwähnung

„Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) ließ ihre Augen entfernen, weil sie die Augen der Hirten entfernt hatten.“ [Muslim]

Die Menschen, die die militärische Karriere des Propheten (Friede und Segen auf ihm) untersucht hatten sagten: Sie zerstückelten die Hirten. Ibn al-Qayyim sagte: „Es lässt sich aus der Geschichte des al-´Araniyin- Stammes entnehmen, dass der Verbrecher auf dieselbe Art bestraft wird, wie das, was er jemandem angetan hat. Wenn sie die Augen der Hirten ausgebrannt hatten, dann brannte er ihre Augen aus.“ [Zad al-Ma´ad: (3/286)]

Andere Gelehrte sagen, dass was in dem Hadith erwähnt wird, wiederrufen wurde, da Verstümmelung verboten ist.

Was in diesem Hadith passiert ist, wurde wiederrufen. Dies wurde von al-Bukhari übernommen. Er erzählte von Qatadah: „Es wurde uns über den Propheten (Friede und Segen auf ihm) berichtet, danach bestärkte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) die Wohltätigkeit und verbat die Verstümmelung.“ [Sahih al-Bukhari (1492)]

Es wurde von Qatadah über Muhammad b. Sirin berichtet, dass dies stattgefunden hatte, bevor die Regelung über Strafen herab gesandt wurde [Sahih al-Bukhari (5686)]

Al-Hazimi sagte: „Dieser Hadith wurde abgeschafft“ und er schrieb ein Kapitel „Verstümmelung und seine Abschaffung“. Er sagte: „Eine Gruppe von Leuten haben die Meinung, dass diese Regelungen am Anfang festgemacht worden waren und dann abgeschafft wurden, als Allah herab sandte (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten…“ [Koran 5:33]

[Al-I´tibar fi al-Nashikh wa al-Mansukh, S.196]

Es könnte sein, dass diese schwere Bestrafung anfangs stattfand, weil der Prophet (Friede und Segen auf ihm) wusste, dass einige der rauen und wilden Beduinen, die in der Umgebung Medinas lebten, nicht davor zurückschrecken würden, andere anzugreifen, bis sie von solch schweren Bestrafungen hörten. Die Wüstenbeduinen, die in der umliegenden Wildnis lebten waren kriegerische Stämme, die an die schwierigen Bedingungen gewohnt waren und Drangsale und Schikane verursachten. Allah sagt (in ungefährer deutscher Übersetzung):

„Die Wüstenaraber sind mehr ungläubig und heuchlerischer, und es paßt eher zu ihnen, daß sie die Grenzen dessen, was Allah auf Seinen Gesandten (als Offenbarung) herabgesandt hat, nicht kennen. Und Allah ist Allwissend und Allweise.“ [Koran 9:97]

Daher bestrafte der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) sie nicht mehr, als sie den Kamelhirten und der Muslimischen Gemeinschaft angetan hatten. Er sandte damit auch eine aussagekräftige Nachricht an die Wüstenstämme, die oft benachbarte Dörfer und Stämme angriffen und überfielen. Diese Bestrafung wurde für die Sicherheit der muslimischen Gemeinschaft durchgeführt, die in sehr gefährlichen Zeiten lebten und kein formales Gesetzessystem hatten, um mit den Arabischen Stämmen umzugehen. Die Situation ist mit der heutigen Zeit nicht zu vergleichen, da heute die Regierungen viel Einfluss und Kontrolle über ihre Territorien haben. In Arabien aber herrschte eine Stammes-Anarchie. Sheikh Muhammad ´Ata Al Sid Ahmad schreibt:

Als die Verbrecher von ´Urainah die muslimische Gemeinschaft betrogen, die ihnen mit all der Liebe und dem Respekt begegnet waren, indem sie den Kamelhirten folterten und töteten und mit den Kamelen als Beute flohen, stellte der Prophet (Friede und Segen auf ihm) alle seine Kräfte auf, nahm sie fest und behandelte sie auf die strengste Weise, die das Gesetz zuließ. (Al-Sid, Islamic Criminal Law: The Hudud; Malaysia, Eagle Trading Sdn. Bhd., 1995, S.132)

Es sollte auch beachtet werden, dass viele von denen, die die islamischen Strafen kritisieren, selbst an ein Leben nach dem Tod glauben, in dem die Menschen für ihre Verbrechen bestraft werden, oft mit einer ewigen Folter in der Hölle. Eine ewige Folterung ist viel strenger, als jede vorübergehende Bestrafung, die in diesem Leben erfahren wird. Die Bestrafungen, die im Islam beschrieben werden, sind dazu gedacht, den Schuldigen von seiner Sünde rein zu waschen, damit er vor einer viel schlimmeren Strafe im nächsten Leben bewahrt wird. Es scheint, dass jemand, wenn er seine Strafe ins nächste Leben verschiebt, der unterbewusste Glauben besteht, dass diese Strafe nicht so „real“ ist und daher eine ewige Folter in der Hölle die Leute nicht so sehr beschäftigt, wie eine schmerzhafte Strafe im Hier und Jetzt. Ein solches Denken ist aber völlig falsch.

Einige Schreiber haben auch behauptet, dass die Strafe, die die Ukil bzw. Urayna erfahren haben wegen ihrem Abfall [vom Islam] war. Dies wird jedoch vom Text des Hadith sowie durch Übereinstimmung aller muslimischer Juristen klar zurückgewiesen. Sheikh Muhammad S. Al-Awa erklärt dies ebenso:

Auf der anderen Seite ist die herrschende Meinung unter den muslimischen Juristen, dass der Fall dieser Gruppe von ´Ukal und Urayna ein Fall von Hirabah (bewaffneter Räuberei) war und es war dieses Verbrechen, für das sie bestraft wurden. (Siehe Tabari, Tafsir, Band VI, Seiten 132-146, Ibn al-Qayyim, Zad al-Ma´ad, Band III, S. 78; Ibn Hajar, Fath Al-Bari, kritisiert Bukhari´s Sichtweise). Der Text selbst zeigt dies sehr klar. (El-Awa, Punishment in Islamic Law; US American Trust Publications, 1993, S.51)

Abschließend lässt sich sagen, dass diese Erzählung sich auf einen Fall von Hirabah (bewaffneter Räuberei) bezieht, in dem der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) die Gesetze von Qisas (Vergeltung) anwendete und die Verbrecher genau so bestraft wurden, wie das, was sie den Hirten angetan hatten. Der Prophet (Friede und Segen auf ihm) überschritt diese Grenze in all der beschriebenen Bestrafung nicht, sondern reinigte die Bestraften eher, so dass ihre Bestrafung im nächsten Leben verhindert würde.

Falsch interpretierter Vers Nummer 6

„Und tötet sie überall, wo ihr sie ausfindig macht…“ [Koran 2:191]

Ein klassisches und beliebtes Beispiel für das, was muslimische Gelehrte wie Dr. Jamal Badawi eine „ausschneiden und einfügen“-Betrachtungsweise nennen. Alles wird einfacher für Anti-Islamisten, wenn sie den Kontext außer Acht lassen. Die Lösung für einen Muslim ist einfach, den Vers zurück in seinen Kontext zu stellen.

„Und führt den bewaffneten Kampf fi-sabilillah gegen diejenigen, die gegen euch den bewaffneten Kampf führen, doch begeht keine Aggression! Denn gewiß, ALLAH liebt nicht die Aggressoren. Und tötet sie überall, wo ihr sie ausfindig macht, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Und die Fitna ist härter als das Töten. Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf nicht bei Almasdschidil- haram, bis sie gegen euch darin den bewaffneten Kampf aufnehmen. Und wenn sie den bewaffneten Kampf gegen euch aufnahmen, dann tötet sie. Solcherart ist die Vergeltung für die Kafir. Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, also gewiß, ALLAH ist allvergebend, allgnädig. Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf, damit es keine Fitna gibt und der Din (nur) für ALLAH (praktiziert wird). Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, dann gibt es keine Aggression außer gegen die Unrecht-Begehenden. (Nichtbeachtung) des Haram-Monats ist gegen (Nichtbeachtung) eines Haram- Monats, denn bei den Hurumat gilt Qisas. Also wer gegen euch Aggression begeht, so seid ihm gegenüber genauso aggressiv, wie er gegen euch Aggression beging. Und handelt Taqwa gemäß ALLAH gegenüber und wisst, daß ALLAH gewiß mit den Muttaqi ist.“ [Koran 2: 190-194]

Wie oft wird im oben genannten Vers die Botschaft wiederholt, um sie klar zu machen? Diese Verse wurden offenbart, als die Muslime in Madinah unter konstanten Angriffen der Mekkaner litten. Ein Beispiel hierfür wäre, als die Mekkaner den Prophetengefährten Khubaib bin Adi öffentlich kreuzigten. Dies würde als „terroristische Aktivität“ im Sinne des modernen Wortgebrauchs verstanden. Was sagt also der Vers in diesem Kontext? „Und führt den bewaffneten Kampf fi-sabilillah gegen diejenigen, […]die gegen euch den bewaffneten Kampf führen“ – der Kontext dieses Verses bezieht sich auf diejenigen, die den Kampf gegen die Muslime beginnen. Und auch nach ihrem Angriff macht der Vers klar:

„Und wenn sie sich (der Aggression) enthalten, also gewiß, ALLAH ist allvergebend, allgnädig“ [Koran 2:192]

Und er stellt auch den Grund dar, aus dem die Muslime kämpfen:

„Und führt gegen sie den bewaffneten Kampf, damit es keine Fitna gibt und der Din (nur) für ALLAH (praktiziert wird)“ [Koran 2:193]

Es ist die Pflicht der Muslime, die Menschheit von Unterdrückung und Verfolgung zu befreien und Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Die Muslime glauben, dass Gott uns hier auf die Erde gesetzt hat als Seine Abgesandten oder Repräsentanten. Daher ist es unsere Pflicht, das Gute zu gebieten und das Böse zu verbieten sowie Frieden und Gerechtigkeit im Land durchzusetzen. Dr. Maher Hathout schreibt im Folgenden über den Vers 2:190-194:

Diese Verse waren auf eine bestimmte Situation bezogen oder hypothetischer Weise darauf, dass sich die gleiche Situation noch einmal wiederholt…Historisch gesehen war es während der dreizehn Jahre der mekkanischen Periode verboten, gegen die Angreifer zurückzuschlagen. Nach der Auswanderung nach Medina und der Gründung des islamischen Staates befassten sich die Muslime mit der Verteidigung gegen die Angreifer und ihre Feinde. Die oben erwähnten Verse wurden herabgesandt, um ihnen zu erlauben, ihren neu geformten Staat zu schützen, indem sie sich selbst verteidigten gegen diejenigen, die sie angriffen. In jedem Fall verbietet der Koran Aggression. Die Verse erläutern, dass der Kampf nur zur Selbstverteidigung geeignet ist. Dennoch kann ein Muslim niemals unschuldige Männer, Frauen, Kinder, Kranke, Ältere Menschen, Mönche, Priester oder solche Menschen töten, die nicht kämpfen möchten. Der Muslim wird auch darauf hingewiesen, Pflanzen oder die Umwelt nicht zu zerstören.  (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, S.49, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Der historische Kontext muss bei der Entwicklung und dem Verständnis von Koranversen immer berücksichtigt werden. Ohne die Umstände hinter der Herabsendung zu kennen, kann man die Verse nicht richtig verstehen. Sheikh Salman Al-Oadah schreibt über die grundlegenden Prinzipien des Jihad: Jihad kann niemals für weltlichen Gewinn, zur Eroberung, oder gar zur Rache gekämpft werden. Die Muslime dürfen nur kämpfen, um den Schutz für Leben, Eigentum und die Freiheit für die Menschen zu gewährleisten. Im Speziellen ihre Freiheit, Allah anzubeten, wenn diese Freiheit gewaltsam angegriffen wird. Ihnen ist niemals erlaubt, unschuldige Menschen anzugreifen, sogar wenn sie selbst von den Landsmännern dieser Unschuldigen angegriffen werden. Jeder Mensch, der gegen dieses bindende Prinzip des islamischen Gesetzes verstößt und Zivilisten ermordet, kämpft gegen den Islam und alles, wofür er steht. Es ist irrsinnig von ihnen, einen solchen Kampf als Jihad zu bezeichnen, einem Wort, das das Abmühen auf dem Weg des Islam bedeutet. Sie sind in der Tat Mörder im Licht des islamischen Gesetzes und sollten als solche behandelt werden.

Es gibt strikte und detaillierte Gesetze im Islam, denen ein jeder Muslim mit Bedacht folgen muss. Ein militärischer Jihad muss unter diesen Regelungen unternommen werden. Abdullah Yusuf Ali schreibt über Vers 2:190:

Krieg ist nur zur Selbstverteidigung erlaubt und unter ganz bestimmten Grenzen. Wenn er unternommen wird, dann muss er mit aller Schlagkraft durchgesetzt werden, jedoch nicht unbarmherzig, sondern nur um Frieden und die Freiheit, Gott zu dienen, wieder herzustellen. In jedem Fall dürfen bestimmte Grenzen nicht überschritten werden: Frauen, Kinder, alte und schwache Menschen sollten nicht belangt werden, noch Bäume oder Ernte beschädigt werden und der Frieden muss geschlossen werden, wenn der Feind es möchte. (Yusif Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary)

Hierauf wiederholt er nochmals die allgemeinen Prinzipien hinter dem Jihad in seinem Kommentar zum Vers 2:191:

Generell kann gesagt werden, dass der Islam die Religion des Friedens, des guten Willens, des gegenseitigen Verständnisses und des guten Glaubens ist. Er wird sich jedoch die falschen Taten nicht gefallen lassen und die Männer werden ihr Leben für die Verteidigung der Ehre, der Gerechtigkeit und für die Religion, die ihnen heilig ist, opfern. Ihr Ideal ist dasjenige einer heldenhaften Ehre zusammen mit selbstloser Milde und Zärtlichkeit, wie es auch für die Leben der Apostel galt. Sie glauben an Mut, Gehorsam, Disziplin, Pflicht und ein immerwährendes Abmühen in jeder Hinsicht auf ihre Kraft, Physe, Moral, ihren Intellekt und ihre Spiritualität, um Wahrheit und Gerechtigkeit zu begründen. (Yusuf Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary)

Dies ist der wahre Fokus hinter dem Jihad und die Muslime dürfen diesen Fokus niemals verlieren. Jihad hat nur den Zweck, Menschlichkeit zu fördern und den Unterdrückten Freiheit zu bringen. Daher müssen alle Taten auf einer Linie sein mit diesem Fokus und den strikten Regelungen, die den Jihad betreffen. Der Fokus ist das Verteidigen, nicht das Zerstören. Jemand der sich auf die Besserung und Förderung der Menschlichkeit beruft, wird feststellen, dass Zerstörung dies niemals erreichen kann. Abdul Majid Daryabadi schreibt ausführlich über Vers 2:190:

„Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen,…“[Koran 2:190]

Sie haben selbst die Missachtung der Waffenruhe unterzeichnet. Nachdem die Muslime unsagbare Verfolgung mit fast übermenschlichter Tapferkeit von den Händen der Götzendiener in Makkah über Jahre hinweg ertragen hatten, ist ihnen nun zum ersten Mal Vergeltung erlaubt. `Seit ganzen dreizehn Jahren waren die Muslime Opfer von gnadenloser Verfolgung in Makkah. Der Prophet [(Friede und Segen auf ihm)] und seine Anhänger flohen um ihr Leben nach Medina, doch die Feinde würden sie in ihrem Fluchtort nicht in Ruhe lassen. Sie kamen innerhalb eines Jahres, um sie zu attackieren und die ersten drei Schlachten wurden in der unmittelbaren Umgebung ausgetragen, was zeigen sollte, ob der Prophet Angreifer oder Verteidiger war`(Headley, The Original Church of Jesus Christ and Islam, S.155). Die Mekkaner hatten eine Waffenruhe unterzeichnet und waren die ersten, die sie brachen. Die Worte „kämpft gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen“ zeigen deutlich erstens, dass die Muslime nicht die Angreifer waren und zweitens, dass diejenigen der Feinde, die nicht unmittelbar Kämpfer waren – Kinder, Frauen, Mönche, Einsiedler, Alte und Schwache, Versehrte oder Ähnliche, von den muslimischen Soldaten nichts zu befürchten hatten. Es war im Lichte dieses Ausdrucks göttlichen Eingreifens, dass der großartige Abu Bakr, der erste Kalif seine Truppen nach Syrien führte `nicht um die Toten zu schänden, noch um alte Männer, Frauen und Kinder zu töten, noch um Frucht-Bäume umzuschneiden oder Rinder zu töten, ohne dass sie Essen benötigten; und diese humanen Grundsätze dienten als Gesetze während der gesamten mohammedanischen Eroberungen.`(Bosworth Smith, Mohammad and Mohammedanism, S. 185). War es nicht der Islam, der, indem er Krieg gegen diejenigen ausrief, die Gottes Gesetze verletzen, die Seine wahrhaftige Autorität untergraben und die die Welt mit Gewalt und Ungerechtigkeit füllen, jegliche Einräumung unmöglich gemacht hat? War jemals ein Militärgesetz so ritterlich, so human und so gütig den Feinden gegenüber? `Der moralische Tonfall des Kalifen Abu Bakr, der sich in seinen Instruktionen an die Syrien-Armee zeigt war` wie ein christlicher Historiker sagt, ´so anders als die Prinzipien der römischen Regierung, dass es von den Menschen eine tiefe Achtung erhalten haben muss. So eine Proklamation, nach den Gerechtigkeitsvorstellungen der Juden und Christen und den Prinzipien der Toleranz, wie sie weder die römischen Eroberer noch die orthodoxen Bischöfe jemals zeigten, wurde als Regelung für ihre Handlungsweisen übernommen` (Finlay, Greece Under the Romans, Seiten 367-368). (Daryabadi, The Glorious Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Muhammad Asad erklärt den Vers 2:190 im folgenden Abschnitt:

Diese und die folgenden Verse legen eindeutig fest, dass lediglich Selbstverteidigung (im weitesten Sinne des Wortes) den Krieg für Muslime legitim macht. Die meisten Kommentatoren stimmen überein, dass der Ausdruck „La ta´tadu“ in diesem Kontext „unternimm keine aggressiven Handlungen“ bedeutet; während al-Mu´tadin es als „diejenigen, die aggressive Handlungen unternehmen“ auffasst. Der defensive Charakter eines Kampfes „auf dem Wege Gottes“ – das heißt, beruhend auf den ethischen Prinzipien, die von Gott bestimmt wurden – ist, darüber hinaus selbst erklärend in Bezug auf „diejenigen, die Krieg gegen euch erklären“, und wurde noch genauer erklärt in 22:39 – „Erlaubnis (zum Kampf) ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden“ – was nach allen bekannten Überlieferungen die früheste (und daher fundamentale) koranische Bezugnahme auf die Frage des Jihad oder des heiligen Krieges ist (siehe Hierzu Tabari und Ibn Kathir in ihren Kommentaren zu 22:39). Dass dieses frühe, fundamentale Prinzip der Selbstverteidigung als einzig mögliche Rechtfertigung eines Krieges im Koran überliefert ist, wird deutlich aus 60:8 sowie aus der Schlussfolgerung in 4:91, welche beide einer späteren Periode als dieser Vers zugeschrieben werden können. (Asad, The Message of the Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Bezüglich Vers 2:191 schreibt er folgendes:

Im Anblick auf die vorhergehende Verordnung ist der Ausdruck „Tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft“ ist nur in Bezug auf den historischen Kontext gültig, unter dem es stattfindet (Razi), mit dem Verständnis, dass „diejenigen, die gegen euch kämpfen“ die Angreifer und Unterdrücker sind (ein Befreiungskrieg, der ein Krieg „auf dem Wege Gottes“ ist). Die Übersetzung ist in diesem Kontext eine Fitnah, weil „Unterdrückung“ von der Anwendbarkeit dieses Terms auf jede Auseinandersetzung gerechtfertigt wird, die einen Mann auf Abwege führen kann und dazu bringen kann, seinen Glauben zu verlieren (cf. Lisan al-Arab). (sad, The Message of the Quran, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Dieser ausführliche Kommentar zu diesem Vers sollte jede Verwirrung und Missdeutung wiederlegen, die durch die falsche Interpretation der Verse entstanden ist.

Falsch interpretierter Vers Nummer 7

„Kehren sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch von ihnen weder Schutzherren noch Helfer“ [Koran 4:89]

Dieser Vers wurde wie der vorhergehende aus dem Kontext gerissen und missinterpretiert. Hier ist die gesamte Passage:

Was ist mit euch, daß ihr hinsichtlich der Heuchler (in) zwei Scharen (gespalten) seid, wo doch Allah sie wegen dessen, was sie verdient haben, umgekehrt hat? Wollt ihr denn rechtleiten, wen Allah in die Irre gehen läßt? Wen aber Allah in die Irre gehen läßt, für den wirst du keinen Weg finden. Sie möchten gern, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr (alle) gleich seiet. Nehmt euch daher von ihnen keine Vertrauten, bevor sie nicht auf Allahs Weg auswandern! Kehren sie sich jedoch ab, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch von ihnen weder Schutzherrn noch Helfer, außer denjenigen, die sich einem Volk anschließen, zwischen dem und euch ein Abkommen besteht, oder die zu euch gekommen sind, weil ihre Brüste beklommen sind, gegen euch zu kämpfen oder gegen ihr (eigenes) Volk zu kämpfen. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er ihnen wahrlich Gewalt über euch gegeben, und dann hätten sie gegen euch wahrlich gekämpft. Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten und dann nicht gegen euch kämpfen, sondern Frieden anbieten, so hat euch Allah keine Veranlassung gegeben, gegen sie (vorzugehen). Ihr werdet andere finden, die vor euch Sicherheit und vor ihrem (eigenen) Volk Sicherheit wollen. Jedesmal, wenn sie wieder der Versuchung ausgesetzt sind, werden sie in ihr zu Fall gebracht. Wenn sie sich nicht von euch fernhalten und euch nicht Frieden anbieten und nicht ihre Hände zurückhalten, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft. Über jene haben Wir euch deutliche Gewalt verliehen.“ [Koran 4:88-91]

Auf die gleiche Art wie der erste Vers befiehlt auch dieser den Muslimen, jene zu bekämpfen, die andere unterdrücken oder verfolgen oder die Muslime angreifen. Und im Falle einer Schlacht gelten die gleichen Gesetze wie im Krieg und ein Muslim der die Grenzen überschreitet sollte sich auf die Strafe Gottes gefasst machen. Als Antwort auf eine Frage über die Verse 4:88-89 deutet Dr. Muzammil H. Siddiqi die Verse in ihrem gesamten Kontext und fragt folgendes:

Jetzt sagen Sie mir ehrlich, geben diese Verse irgendeine Erlaubnis irgendjemanden irgendwo zu töten? Diese Verse wurden von Gott dem Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) offenbart zu einer Zeit, als die Muslime von Nicht-Muslimen aus Makkah angegriffen wurden. Sie beängstigten die muslimische Gemeinschaft in Madinah. Man mag sagen, indem man den heutigen Jargon benutzt, dass dies terroristische Angriffe auf Madinah waren und in dieser Situation den Muslimen erlaubt wurde gegen die „Terroristen“ zurückzuschlagen. Diese Verse sind keine Erlaubnis zum „Terrorismus“, sondern eine Warnung für die „Terroristen“. Doch selbst bei diesen Warnungen kann man sehen, wie sehr Beschränkung und Vorsicht impliziert wird.

Es ist auch wichtig festzustellen, dass der Koran Mord klar verurteilt. Der Koran sagt über das Verbot des Mordes:

und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund! Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr begreifen möget.“ [Koran 6:151]

„Und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund. Wer ungerechterweise getötet wird, dessen nächstem Verwandten haben Wir Ermächtigung erteilt (, Recht einzufordern); doch soll er nicht maßlos im Töten sein, denn ihm wird gewiß geholfen.“ [Koran 17:33]

„Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (daß es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es', als ob er alle Menschen am Leben erhält.“ [Koran 5:32]

Folglich stellt der Koran klar, dass Muslime keinen Angriff gegen andere unternehmen dürfen, ohne dass sie unmittelbar selbst angegriffen werden. Der Zusammenhang der gedeuteten Verse bezieht sich nur auf Situationen, wo die Angreifer Muslime töten. In diesem Fall haben sie das Recht, sich selbst und Andere zu verteidigen. Vor allem die Schwachen und Unterdrückten.

Falsch interpretierter Vers Nummer 8

„Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet“ [Koran 9:5]

Dieser Vers, der oft „Vers des Schwertes“ genannt wird wurde ähnlich der vorhergehenden Verse missinterpretiert. Zuerst sollten wir seinen Kontext betrachten:

„Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gewiß, Allah ist Allvergebend und Barmherzig. Und wenn jemand von den Götzendienern dich um Schutz bittet, dann gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Allahs hört. Hierauf lasse ihn den Ort erreichen, wo er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen“ [Koran 9:5-6]

Nachdem wir diesen Vers im Kontext betrachtet haben analysieren wir ihn sorgfältig. Dr. Maher Hathout erklärt den historischen Kontext des Verses:

Dieser Vers wurde gegen Ende der Herabsendungsperiode gesandt und bezieht sich auf einen eingeschränkten Kontext. Feindschaften waren zur Seite gelegt für eine dreimonatige Zeitspanne, während der die Araber nicht wagten, Krieg zu führen. Der Prophet Muhammad [(Friede und Segen auf ihm)] war angehalten, diese Zeitspanne dazu zu benutzen, die Gegner dazu zu bewegen, sich den muslimischen Schlachtreihen anzuschließen oder, wenn sie es wählten, das Gebiet zu verlassen, das unter muslimischer Herrschaft stand. Doch wenn sie sich feindschaftlich verhalten hätten, würden die Muslime zurückschlagen, bis sie siegreich wären. Jeder sollte darauf hingewiesen werden, dass sogar in diesem Zusammenhang des Krieges die Verse die göttlichen Attribute der Gnade und der Vergebung erwähnen. Um Feindschaften möglichst gering zu halten, weist der Koran die Muslime an, jedem Asyl zu gewähren, sogar einem Feind, der Zuflucht begehrt. Asyl würde gemäß ritterlicher Tugenden gewährt. Der Person würde die Nachricht des Koran erklärt, doch sie würde nicht gezwungen werden, die Botschaft zu akzeptieren. Hiernach würde er oder sie mit Sicherheit und Rücksicht auf seine oder ihre Religion geleitet werden. (9:6). (Hathout, Jihad vs. Terrorism; US Multimedia Vera International, 2002, Seiten 52-53, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Hiernach bezieht sich der Vers erneut auf die Götzendiener, die das Kämpfen nach einer Zeit des Friedens fortsetzen. Er weist die Muslime deutlich darauf hin, jene zu beschützen, die Frieden wollen und keine Soldaten sind. Es ist ein spezifischer Vers mit spezifischen Regelungen und kann keinesfalls auf allgemeine Situationen bezogen werden. Der Befehl, der im Vers impliziert ist, kann nur auf den Fall einer Schlacht bezogen werden. Abdullah Yusuf Ali schreibt:

Die Betonung liegt auf dem ersten Satz: es gilt nur, wenn die vier Monate des Friedens vorüber sind und die andere Partei kein Zeichen zeigt, ihre verräterischen Handlungen zu unterlassen und kein Zeichen der rechten Handlungsweise, oder dass der kriegerische Staat zwischen Glauben und Unglauben unterscheidet. (Yusuf Ali, The Holy Quran, Text, Translation and Commentary, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Wenn die Götzendiener ihre Feindlichkeiten den Muslimen gegenüber nicht ablegten, würden sie bekämpft werden, vor allem wenn sie in einem islamischen Land oder Staat lebten. Dr. Zakir Naik schreibt diesen Vers betreffend:

Dieser Vers wird im Zusammenhang mit einer Schlacht verstanden. Wir wissen, dass Amerika sich einst im Krieg mit Vietnam befand. Stellen sie sich vor der Präsident von Amerika oder der General der amerikanischen Armee würde den amerikanischen Soldaten während des Krieges sagen: „Wo auch immer ihr einen Vietnamesen findet, tötet ihn.“ Heutzutage, wenn ich sage, dass der amerikanische Präsident gesagt habe „Wo auch immer ihr einen Vietnamesen findet, tötet ihn.“, ohne den Zusammenhang zu nennen, würde es sich anhören, als sei er ein Metzger. Doch wenn ich ihn im Kontext zitieren würde, dass er es während eines Krieges gesagt hat, dann wird es sehr logisch klingen, dass er versucht hat, die Moral der amerikanischen Soldaten während des Krieges aufzurichten. Ähnlich sagt in Surah Tawbah, Kapitel 9 im Vers 5 der Koran, „dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet.“, während einer Schlacht, um die Moral der muslimischen Soldaten aufzurichten. Was der Koran den muslimischen Soldaten sagt ist, dass sie während der Schlacht nicht ängstlich sein sollen. Wo auch immer ihr die Feinde findet, tötet sie. Surah Tawbah Kapitel 9 Vers 6 gibt die Antwort auf die Allegorie, dass der Islam Gewalt, Brutalität und Blutvergießen verbietet. Dort steht:

„Und wenn jemand von den Götzendienern dich um Schutz bittet, dann gewähre ihm Schutz, bis er das Wort Allahs hört. Hierauf lasse ihn den Ort erreichen, wo er in Sicherheit ist. Dies, weil sie Leute sind, die nicht Bescheid wissen.“ [Koran 9:6]

Der Koran sagt nicht nur, dass einem Mushrik, der während der Schlacht um Asyl ansucht, Zuflucht garantiert werden sollte, sowie dass er zu einem sicheren Ort geleitet werden sollte. Im momentanen internationalen Szenario würde sogar ein freundlicher, friedensliebender Armeegeneral während der Schlacht feindliche Soldaten freilassen, wenn sie Frieden wollen. Doch welcher General würde seine Soldaten anweisen, dass wenn die feindlichen Soldaten während der Schlacht Frieden verlangen, sie nicht nur frei zu lassen, sondern sie sogar zu einem sicheren Ort zu geleiten? Genau das ist, was Allah im Koran verlangt, um Frieden in der Welt zu etablieren.

Dr. Naik stellt einige interessante Beobachtungen über diesen Vers an. In der Tat ist es bemerkenswert, wie Islam-Hasser Gottes grenzenlose Gnade übersehen, um dem Islam zu schaden. Gott hat den Menschen immer einen Weg aus dem Leid gegeben und hat das Kämpfen als letzten Ausweg zugelassen. Muslimische Gelehrte haben viele Kommentare zu diesen Koranversen geschrieben, in denen sie den historischen Zusammenhang so detailliert beschrieben haben, dass keine Missverständnisse mehr auftreten können. Wir haben Interpretationen von verschiedensten Kommentatoren zu diesen Versen aufgeführt und es ist nicht notwendig, das Ganze noch einmal zu wiederholen. Daher wird noch ein Kommentar aufgeführt, bevor wir uns weiteren Themen zuwenden. Professor Shahul Hamid schreibt über Vers 9:5:

Hierbei handelt es sich um einen Vers aus Surah At-Tawbah. Dieses Kapitel des Koran wurde offenbart, als die neu organisierte muslimische Gesellschaft in Madinah gezwungen war, sich selbst gegen die götzendienderischen Angreifer zu verteidigen. Die wichtigste Frage, die es hier zu stellen gibt ist, wie die Muslime jene behandeln sollen, die einen bestehenden Vertrag mutwillig brechen. Der erste Abschnitt in dem Vers bezieht sich auf einen lang-tradierten arabischen Brauch einer Zeitspanne der Warnung und des Wartens, die den Angreifern nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung gegeben wird. Diese lautet, dass ihnen vier Monate Zeit gegeben wird, die verursachten Schäden zu reparieren oder Frieden zu schließen. Wenn jedoch nach dem Abwarten dieser vier verbotenen Monate nichts geschieht, was soll dann getan werden? Dies ist, was der angegebene Vers aussagt. Nach diesem Vers muss gekämpft werden, bis eines der beiden Geschehnisse eintritt: Entweder soll der Feind durch unnachgiebiges Kämpfen bezwungen werden. Dies ist was ausgedrückt wird durch {dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!} oder sie sollen Buße tun, das Gebet verrichten und die Zakah bezahlen etc. Dies ist einer der Verse aus dem Koran, der gerne missinterpretiert wird, wenn er aus dem Kontext gerissen wird. Wir müssen verstehen, dass dieses Kämpfen gegen jene Leute gerichtet war, die den Propheten [(Friede und Segen auf ihm)] und seine Gefährten dazu gezwungen hatten, nicht nur ihre Heimatstädte, sondern auch ihr gesamtes Eigentum zu verlassen und von Makkah nach Madinah zu ziehen. Als die Muslime erst einmal zu einer Gemeinschaft organisiert wurden, in diesen gesetzeslosen Tagen, wurden die Regelungen, an die sich die Muslime zu halten hatten klar dargelegt, sogar im Falle des Krieges. Da der Islam ein verständliches System ist, kann keine menschliche Aktivität ausgelassen werden. Und da wir die Natur der Menschen kennen, können wir uns keine Situation vorstellen, wo der Krieg gänzlich außer Acht gelassen wird. Wie oben zu sehen ist, handelt es sich bei den obigen Ausdrücken nicht um ein individuelles Konzept sondern sie sind für den Falle einer Gesellschaft vorgesehen, die beginnt zu glühen und sich als Nation zu etablieren. Doch sogar hier sind die Normen klar: Das Kämpfen dient nur zur Selbstverteidigung oder zur Aufrechterhaltung von Gerechtigkeit; und immer ist das Kämpfen die letzte Option. Niemandem ist außerdem erlaubt, die Grenzen, die Gott aufgestellt hat, zu überschreiten.

Ibn al-´Arabi schreibt in seinem Kommentar zum Koran:

„Es ist hieraus klar, dass die Bedeutung dieses Verses ist, die Götzendiener zu töten, die dir den Krieg erklären.“ (Ahkam al-Quran 2/456, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Sheikh Sami al-Majid spricht in seiner Diskussion dieses Verses auch einige sehr interessante Punkte an:

Wenn wir uns die Verse in Surah al-Tawbah genauer anschauen, bevor wir zu dem diskutierten Vers kommen, wird der Zusammenhang des Verses klar. Denn einige Verse vorher sagt Allah:

„Eine Lossagung von Seiten Allahs und Seines Gesandten an diejenigen unter den Götzendienern, mit denen ihr einen Vertrag abgeschlossen habt. Nun zieht im Land vier Monate umher und wißt, daß ihr euch Allah nicht entziehen könnt, und daß Allah die Ungläubigen in Schande stürzt!“ [Koran 9:1-2]

In diesen Versen lesen wir, dass den Götzendienern eine viermonatige Amnestie gewährt wurde, mit der Bedingung, dass nach dem Ende dieser vier Monate die Kämpfe wieder aufgenommen würden. Jedoch macht der folgende Vers einige Ausnahmen über die Wiederaufnahme der Feindschaften. Er liest sich:

„Mit Ausnahme derer von den Götzendienern, mit denen ihr einen Vertrag abgeschlossen habt und die (es) euch (in) nichts haben fehlen lassen und niemandem gegen euch beigestanden haben. So erfüllt ihnen gegenüber ihren Vertrag bis zu der ihnen eingeräumten Frist! Wahrlich, Allah liebt die Gottesfürchtigen.“ [Koran 9:4]

Wenn Allah nun sagt: „Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!“, müssen wir wissen, dass dies nicht generell gilt, da der vorherige Vers klargemacht hat, dass es sich auf die götzendienerischen Araber bezieht, die sich gerade mit dem Propheten (Friede und Segen auf ihm) im Krieg befanden und die ihre Friedensverträge gebrochen hatten. Dies wird ein paar Verse später noch einmal bekräftigt, als Allah sagt:

„Wollt ihr nicht gegen Leute kämpfen, die ihre Eide gebrochen haben und vorhatten, den Gesandten zu vertreiben, wobei sie zuerst gegen euch (mit Feindseligkeiten) anfingen?“ [Koran 9:13]

Hiernach stellt der Kontext dieser Verse innerhalb der Surah klar, dass es sich auf diejenigen bezieht, die auf ihrer Feindschaft beharren und die Muslime angreifen und ist nur auf eine Schlacht anwendbar. Wir empfehlen jedem, Sheikh Sami Al-Majid´s ausführlichen Artikel zu lesen, der den englischen Titel `There is no Compulsion in Religion` trägt.

Aufhebung?

Die nächste Angelegenheit in diesem Vers befasst sich mit Aufhebung. Einige sagten, dass von diesem Vers 9:5 alle friedlichen Verse im Koran aufgehoben worden wären. Dies beruht auf einem Missverständnis einiger koranischer Konzepte. Im Koran gibt es Naskh und Takhsis. Naskh ist die Aufhebung einer Regelung durch eine Regelung, welche nach der anderen offenbart wurde. Naskh kommt in Angelegenheiten des islamischen Rechts vor. Takhsis bezieht sich im Gegensatz dazu auf Spezifizierung, wenn ein Vers die Anwendung eines anderen Verses einschränkt oder die Grenzen spezifiziert, die in dem anderen Vers angesprochen wurde. Sheikh Abu Ammar Yasir Qadhi schreibt:

Spezifikation bedeutet, dass ein Vers eine allgemeine Regelung in einem anderen Vers einschränkt oder abgrenzt, während Naskh bedeutet, dass der erste Vers im Ganzen aufhebt (d.h., dass er unter keinem Umstand und keiner Bedingung mehr angewendet wird). (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran; UK Al-Hidayah Publishing and Distribution, 1999, S. 233)

Sheikh Qadhi erklärt auch, dass es zu den Bedingungen für Naskh gehört, dass zwei sich widersprechende Regelungen auf die gleiche Situation und die gleichen Umstände bezogen sind und kein alternatives Verständnis für die Anwendung des Verses gegeben ist. Er meint:

Wenn eine der Regelungen sich auf einen Einzelfall beziehen kann und die andere Regelung auf einen anderen Fall, dann handelt es sich nicht um ein Beispiel für Naskh. (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran, UK Al-Hidayah Publishing and Distribution 1999, S.237)

Hieraus folgt, dass es sich bei dem Vers 9:5 nicht um ein Beispiel für Naskh handeln kann, da es nur eine Regelung für eine ganz bestimmte Situation und bestimmte Umstände handelt. Es gibt viel Verwirrung um einige Verse, die als Naskh bezeichnet wurden, da die frühen Muslime gewohnt waren, die Fälle des Takhsis auch als Naskh zu bezeichnen. Daher realisierten einige Muslime nicht, dass es sich in einigen Fällen, die von den frühen Muslimen als `Naskh` bezeichnet wurden, um Takhsis handelt. Das ist warum einige frühe muslimische Gelehrte, diesen Vers als `Naskh` bezeichnet haben. Man sollte festhalten, dass sie den Ausdruck Naskh benutzten, und sich dabei auf eine größere Bandbreite von Bedeutungen, also auch Takhsis, bezogen. Wie Dr. Jamal Badawi schreibt:

Jeder Fall von Naskh muss definitiv sein und darf nicht auf einer geringen Meinung oder auf Spekulation beruhen. Es muss beachtet werden, dass die frühen Muslime den Ausdruck Naskh auch für Takhsis benutzten, also für die Spezifizierung oder Eingrenzung einer Regelung und nicht nur auf deren Abschaffung.

Sheikh Abu Ammar Yasir Qadhi bezieht sich speziell auf die Missverständnisse bezüglich des Verses 9:5. Nach der Nennung der verschiedenen Meinungen kommt er zu dem Schluss:

Es wird aus diesen Beispielen und Kategorien ersichtlich, dass in Wirklichkeit die meisten dieser Verse im Endeffekt nicht als abgeschafft gelten können. Einige von ihnen beziehen sich auf Situationen, die sich von denen unterscheiden, für die sie herab gesandt wurden. Fast alle dieser `Mansukh` (abgeschafften) Verse, können immer noch angewandt werden, wenn eine Situation eintritt, die der Situation, in der der Vers herab gesandt wurde, gleicht. So hebt der `Vers des Schwertes` in Wirklichkeit nicht eine große Anzahl von Versen auf. Genau genommen kommt az-Zarqani zu dem Schluss, dass er keinen einzigen aufhebt! (Vgl. Az-Zarqani, V.2, Seiten 275-282) (Qadhi, An Introduction to the Sciences of the Quran; UK Al-Hidayah Publishing and Distribution, 1999, S. 254)

Sheikh Sami Al-Majid bezieht sich in seinem Artikel auf dieselbe Angelegenheit:

Einige Menschen, vor Allem einige zeitgenössische Nicht-Muslimische Kritiker des Islam, haben versucht zu zeigen, dass dieser Vers den Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ [Koran 2:256] abschafft. Sie argumentieren, dass die Allgemeinheit dieser Aussage beinhaltet, dass jeder Ungläubige, der den Islam nicht annimmt, bekämpft werden muss. Sie unterstützen ihre Behauptung, indem sie aufzeigen, dass dieser Vers einer der letzten ist, die über das Kämpfen offenbart wurden. Doch dieser Vers schafft auf keinen Fall das Prinzip des islamischen Gesetzes ab, dass es keinen Zwang im Glauben gibt. Es mag in seinen Ausdrücken generalisierend klingen, doch die Meinung ist auf bestimmte andere Verse des Korans bezogen, die auch mit einer Anzahl von entsprechend zur Sache gehörigen Hadith zusammenhängen.

Sheikh Jamal Al-Din Zarabozo beschäftigt sich auch mit dieser Angelegenheit in seinen Ausführungen über den Vers „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ [Koran 2:256]. Er erwähnt die Meinung, dass dieser Vers abgeschafft wurde und sagt anschließend:

Al-Dausiri weist diese Meinung aus folgenden Gründen zurück: Ein Vers kann nicht einen anderen Vers ersetzen, außer er nimmt die gesamte Bedeutung des früheren Verses hinweg und es gibt keinen anderen Weg, die gegensätzlichen Bedeutungen der beiden Verse unter einen Hut zu bringen. (Zarabozo, There ist No Compulsion in Religion, Al-Bashir)

Dies war die Meinung der großen Gelehrten und Mufasirin (Korankommentatoren), sowohl von Klassischen als auch von Zeitgenössischen, wie Ash-Shanqiti oder Ibn Jarir At-Tabari. Sheikh Muhammad S. Al-Awa kommentiert diesen Punkt auch in seiner Ausführung über die Bestrafung für Abtrünnigkeit:

Zur gleichen Zeit lässt sich sagen, dass die Todesstrafe für Abtrünnigkeit, vor Allem, wenn sie  als Hadd (vorgeschriebene) Strafe gesehen wird, dem Koranischen Prinzip [Gesetz] in Surah 2 Vers 265 widerspricht, welche beginnt mit „Es gibt keinen Zwang im Glauben“. Ibn Hazm hat, um Kritiken zu vermeiden, beschrieben, dass dieser Vers abgeschafft worden war und dass ein Zwang nun in der Religion erlaubt sei; als Konsequenz daraus widerspricht laut ihm die Todesstrafe für Abtrünnigkeit nicht dem Koran (Vgl. Muhalla, Band XI, S. 195). Jedoch gilt diese Meinung als widerlegt, da Korangelehrte eine Liste der widerlegten Verse aufgestellt haben und dieser Vers nicht unter ihnen ist (vgl. Suyuti, Itqan, Band II, Seiten 22-24). Daher lässt sich mit der Enzyklopädie des Islam sagen dass „Im Koran wird Abtrünnigkeit nur mit einer Strafe in der nächsten Welt bestraft.“(vgl. Heffening, Encyclopedia of Islam, Band III, S. 736 unter „Murtadd“). (El-Awa, Punishment in Islamic Law, US American Trust Publications, 1993, S. 51, Hervorhebungen durch den Übersetzer)

Daher können wir, wenn wir die barmherzigen und geliebten Verse des Koran betrachten und die Meinung hören, dass sie von einem bestimmten Vers, der sich auf eine Schlacht bezieht, abgeschafft wurden, diese Meinung als unwahre Spekulation abtun. Friede und Gerechtigkeit sind fundamentale Grundlagen der Religion des Islam und können niemals aus ihr entfernt werden.